
Suche Autor*in oder Titel
Results found for empty search
- Lesekreis-Erfahrungen Die spürst du nic | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Daniel Glattauer: Die spürst du nicht Da der Klappentext recht knapp gehalten ist, vermutlich um neugierig zu machen, hier ein wenig ausführlichere Informationen zum Inhalt: Der Autor hat seine Charaktere in einer bühnenhaften Konstellation aufgestellt, und da sind sie, die „Bobos“ 😉bestehend aus: der Familie eines bekannten niederösterreichischen Winzers Engelbert Binder, mit Ehefrau Melanie, die Kultur-Management studierte, von einer Schauspielkarriere träumte und Sohn Benjamin, als „pflegeleicht“ wahrgenommen, 9 Jahre alt den Strobl-Marineks , Oskar Marinek, Ende 40, besserwisserisch, gescheiterter Professor in Wien, nun Lektor für wenig herausfordernde Forschungsprojekte, sowie seine Frau Elisa Strobl-Marinek, 10 Jahre jünger, Umweltaktivistin, studierte Ökologie und Nachhaltigkeit. Sie sitzt im Nationalrat und will für ein Ministeramt kandidieren. Sie haben die Kinder Sophie Luise 14, und Lotte 9 Jahre, beide Familien gönnen sich einen Premium-Urlaub in der Toskana, bei dem die Teenie-Tochter Sophie- Luise, genannt So-Lu, gegen evtl. aufkommendes Netflix-Überdosis-Syndrom ihre somalische Schulfreundin Aayana, ein Flüchtlingskind, mitnehmen darf. Aayanas Familie Ahmed ist zunächst gegen die Reise ihrer Tochter, lässt sich aber dann doch überreden. Gleich am ersten Abend ertrinkt Aayana im Pool der Villa. Und im Netz geht es ab... Wie hat es uns gefallen: Genau die Intension, die Glattauer mit diesem Roman nach eigenen Aussagen in einem Interview verfolgt, ist eingetroffen: Wir hatten eine lebhafte Debatte über die arrogante Moral der Wohlstandsgesellschaft und ihren Überlegenheitskomplex. In einer Zeit des Medienüberflusses und eines allgegenwärtigen Berichterstattungskults wird unsere Wahrnehmung zunehmend von der Inszenierung des Geschehens statt von der Realität selbst geprägt. Was hat uns gefallen: Der Roman wird in chronologischer Abfolge komplett in der Gegenwart erzählt, was eine gewisse Sogwirkung für die Lesenden mit sich bringt. In die fortlaufende Handlung werden die entsprechenden Pressetexte und Social-Media-Kommentare auf die Geschehnisse eingebunden. Es wurde diskutiert , dass im Roman lange Strecken nur die Perspektiven der "Upper-Class" gezeigt werden. Die Geschichte der Ahmeds, ihr Leidensweg, wird erst Seite 273 erzählt. Teilweise wurde die Geschichte als zu konstruiert empfunden, wobei wir zugestehen, dass Satire entsprechend überzeichnen, übermalen darf. Das muslimische Frauenbild Seite 27/28: „Wir sind hier nicht mehr im Mittelalter, lieber Herr Dozent“ rügt ihn Melanie. Wir nicht, erwidert Oskar. Aber hier ist sie bei uns sagt Elisa. Bei uns gelten eben unsere Werte, für die wir Frauen jahrzehntelang hart gekämpft haben..,. Es ist unsere Pflicht, sie weiterzuverbreiten. Bei uns zu sein heißt noch lange nicht, zu uns gehören oder gar uns zu gehören ", kontert Oskar. Zitate Mediale Empörung Medien-Threat Seite 146: „Das im Artikel beschriebene Unglück berührt uns nicht, es ist zu weit weg von uns. Es ist nur eine pikante Story, in der wir die Guten sind.“ „Im Netz regen wir uns liebevoll über Dinge auf, die uns in Wirklichkeit völlig egal sind.“ „Empörung ist die neue Unterhaltung“ Arroganz paart sich mit Empathielosigkeit: Seite 15 „Sie spricht auch schon sehr gut Deutsch, lobt Melanie, zumindest DANKE kann sie gut… Seite 119 Besuch bei Familie Ahmed: „Befreiender wäre es, sie würden um eine kleine finanzielle Unterstützung bitten, wegen der überfälligen Begräbniskosten, etc…“ Ein Genuss für Sprachliebhaber: Seine Wortspiele spüren den verborgenen Sinn hinter jedem Wort auf.: Seite 64: „Mama bist du krank? – Was für eine absurde Frage! Mama kann nicht kranksein, das hat es noch nie gegeben, das hätte ihr Job nie zugelassen und Lotte erst recht nicht. Manchmal kränkelt sie vielleicht, das heißt sie tut so, als ob sie krank werden könnte, und wie es wäre, wenn. Manchmal ist sie gekränkt, das geht meistens auf Papa zurück und verschwindet so schnell, wie es gekommen ist. Manchmal ist sie auch krankhaft, z.b. krankhaft wütend, da haftet ihr etwas Krankes an..(…) Nein, krank ist Mama nie gewesen. “ Seite 164/65: Es geht also bestimmt nicht um die Befindlichkeiten Engelberts und Oskars, sonst hätten sich die zwei Männer nie getroffen. Beide sind aber nicht nur glühende Verfechter der befindlichkeitsfernen Unverbindlichkeit, sondern auch begnadete Verweigerer der persönlichen Verstrickung in unangenehme bis prekäre Lebenslagen. ..und da wäre noch die Sache mit der Wahrheit…: Seite 71 Anwalt Steinbichler: "Die Wahrheit ist ein Chamäleon, sie wechselt die Farbe mit dem Blickwinkel des Betrachters (….) diesem Umstand verdanke ich meinen Beruf." Seite 141: "Die Wahrheit ist ein Pfau, sie hat ein facettenreiches buntes Gefieder. Wir werden uns schon die passenden Federn herauspicken, verlassen sie sich auf mich". Anwalt Steinpichler bei der Besprechung mit seinen Mandanten. Besonders beeindruckend: Berührt hat das Plädoyer des Klagevertreters von Familie Ahmed Seite 67 : „Es sind Fremde. Fremdlinge, Flüchtlinge. Die leben in ihrer Welt. Gehören nicht zu uns. Haben nichts mit uns zu tun. Haben ihre Vorgeschichte, die sie schicksalhaft hierhergebracht hat.(…..) sie haben auch ihre Geschichte, so wie wir alle, Ja, wir alle haben unsere Lebensgeschichte, die beginnt mit der Geburt und endet erst mit dem Tod. Es liegt an uns, wie viel wir davon zwischendurch preisgeben.“ Zum Buchtitel: Seite 15: „Das ist ja wirklich eine Süße, und so brav, die spürst du nicht .“ Meinte Engelbert. Seite 123: Als Aayanas Familie weggezogen, nicht auffindbar ist: „Bei denen war es nie laut, obwohl Neger an sich laut sind. Die hat man nicht gespürt.“ Fazit: Selbstironie und spöttischer Humor, zynisch und traurig. Der Autor mit dem Wiener Schmäh“ wirft einen tiefgründigen Blick auf zwischenmenschlichen Beziehungen sowie gesellschaftliche Zustände. Man kann sie spüren....
- Ewald Arenz: Der große Sommer | Mysite
Ewald Arenz: Der grosse Sommer Klappentext: Als erwachsener Mann läuft Frieder über einen Friedhof. Während er nach einem bestimmten Grab sucht, erinnert er den Sommer, der ihn für immer geprägt hat. Die Aussicht, sich bei seinem unnahbaren Großvater auf die Nachprüfungen vorbereiten zu müssen, findet Frieder niederschmetternd. Doch dann kommt alles anders als erwartet. Er verbringt die Wochen nicht eingesperrt in einer Lehrstube. Vielmehr erlebt Frieder mit Beate die erste große Liebe, mit all den aufregenden und verunsichernden Momenten, die dazugehören. Er erfährt von der komplizierten und dennoch beglückenden Liebe seiner Großeltern. Er genießt unbeschwerte Tage im Schwimmbad, die tiefe Verbundenheit mit seiner Schwester Alma und seinem besten Freund Johann. Zugleich gerät er in Situationen, in denen er lernt, was es heißt, wahrhaftig ein Freund zu sein - und das nicht zuletzt durch den Großvater. Frieder ahnt, dass es ein Sommer ist, wie es vermutlich keinen zweiten mehr für ihn geben wird. zum Autor: Ewald Arenz, 1965 in Nürnberg geboren... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Coming of Age - Roman Verlag: DuMont Buchverlag erschienen: 2021 Seitenzahl: 316 zu unseren Lesekreis-Erfahrungen:
- Tochter des Fotografen | Mysite
Der Klappentext: Kim Edwards: Die Tochter des Fotografen Lexington, Kentucky 1964: In einer stürmischen Winternacht entbindet der Arzt Dr. David Henry seine hochschwangere Frau. Zuerst bringt sie einen kerngesunden Jungen zur Welt. Doch dann setzen die Wehen erneut ein und de, Jungen folgt seine Zwillingsschwester nach. Dieses Kind ist behindert. In Sekundenschnelle trifft David eine Entscheidung, die das Leben aller Beteiligten folgenreich verändert: Währen d seine Frau Norah in Narkose liegt, bittet er die Krankenschwester Caroline, den Säugling stillschweigend in ein Heim zu bringen. Aber Caroline flieht mit dem Mädchen und zieht es alleine groß.- So beginnt eine ergreifende Geschichte, die mehr als ein Vierteljahrhundert umspannt und die Schicksale ganz außergewöhnlicher Menschen erzählt. Erst am Schluss treffen alle Lebenswege wieder zusammen, die in jener Nacht so grausam getrennt wurden. zur Autorin: Aus dem Englischen übersetzt - (Wikipedia) Kim Edwards, geboren am 4. Mai 1958 in Killeen, Texas, USA ist eine amerikanische Autorin und Pädagogin. Sie wuchs in der Region Finger Lakes im Bundesstaat New York auf und absolvierte die Colgate University und die University of Iowa, wo sie eine MfA (Master of Fine Arts) in Belletristik und einen MA in Linguistik erwarb. Sie erhielt mehrere Preise für ihren Roman und ihre Kurzgeschichten. Memo ry Keeper- Schatten der Vergangenheit wurde 2008 verfilmt. Erfahrung im Lesekreis: Ein leichter, lesenswerter, von der Problematik aus Liebe, Schuld, Trauer, und Behinderung sehr lebendiger Roman, der so schnell nicht loslässt und eigene Emotionen freisetzt. Bietet Stoff für vielfältige Diskussionsansätze. Die Figuren sind im Lesekreis nicht unumstritten: Im Roman kommt der Ehemann und Arzt Dr. David Henry "schlecht weg", durch seine autoritäre Entscheidung, das behinderte Kind kurzerhand in ein Heim geben zu wollen und obendrein seiner Frau eine Totgeburt zu suggerieren. Auch das Verhältnis zum anderen Kind, einem Sohn, ist mehr kühl und distanziert. Sein Hang zu starrem Perfektionismus ist ihm hier, wie in vielen Lebensbereichen absolut im Weg. In der Überzeugung, nur das Beste für Alle zu wollen, verstrickt er sich in immer weitere Lügen. Einzig in seinen Fotografien stellt er sich der Wahrheit als "Bewahrer der Erinnerungen". Der vermeintliche Verlust des Kindes stürzt die Ehefrau Norah in eine schwere Identitätskrise, die sie ihrerseits mit dem allein getroffenen Entschluß, eine Trauer- und Bestattungsfeier zu organisieren, zu verarbeiten sucht. Die Gefahr, ihren Schmerz mit Alkohol zu betäuben, wird deutlich, aber thematisch im Roman nicht weiter verfolgt. Die Rolle der Krankenschwester Caroline als alles ausgleichende, liebevolle und sich für das behinderte Kind einsetzende Pflegemutter erscheint dem Lesekreis etwas "aufgesetzt". Ihr aufopferndes Verhalten in jeder Situation, ihre Kämpfe um Anerkennung ihrer behinderten Pflegetochter Phoebe wirken manchmal zu glatt endend und dadurch überzogen. Wie auch der Schluss des Romans: der Vater stirbt, die Mutter verheiratet sich wieder und die dann erwachsenen Kinder lernen sich kennen und schätzen. Irgendwie haben sich dann wohl alle lieb ;-). Um die Assoziation zur Fotografie noch einmal aufzunehmen: In schwarz/weiß wären wohl die Akteure Dave / Caroline
- Eve Harris: Die Hochzeit der Chani Kaufm | Mysite
Klappentext: Eve Harris: Die Hochzeit der Chani Kaufman Chani Kaufman ist hübsch, intelligent und hat ihren eigenen Kopf – nicht die besten Voraussetzungen auf dem hartumkämpften jüdisch-orthodoxen Heiratsmarkt. Schon gar nicht, wenn ihr zukünftiger Ehemann Baruch Levy sein soll. Baruch wird bald in Jerusalem studieren und der erste Rabbi in einer Familie erfolgreicher Unternehmer sein. Sie haben sich dreimal gesehen, sie haben sich noch nie berührt, aber sie werden heiraten. Chaim Zilberman und Rebecca Reuben waren auch einmal Studenten in Jerusalem. Heute sind sie Rabbi und Rebbetzin Zilberman, angesehene Mitglieder der orthodoxen Gemeinde Londons. Aus Liebe hatte Rebecca in das streng geregelte Leben an der Seite eines Rabbis eingewilligt – Sneakers gegen Ballerinas, Jeans gegen bodenlange Röcke und den Wind in ihren langen Haaren gegen einen Scheitel getauscht. Vier Menschen auf der Suche nach ihrem Weg, zwischen Religion und vermeintlicher Freiheit. zur Autorin: Eve Harris, geboren 1973 in London... Wikipedia zum Buch: Genre: zeitgen. britische Literatur, Judentum Verlag: Diogenes Verlag erschienen: 2015 aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt Seitenzahl: 464
- Jan Christopheersen: Ein anständiger Men | Mysite
Jan Christophersen: Ein anständiger Mensch Klappentext: Steen Friis ist studierter Philosoph und öffentlicher Intellektueller: Als Autor mehrerer Bestseller zu Fragen des Anstands wird er von der Presse zitiert, sobald die richtige Haltung zum aktuellen Weltgeschehen zur Debatte steht. In dieser Rolle fühlt Steen sich wohl - bis die Ereignisse weniger Tage all seine Werte infrage stellen. Mit seiner Frau und einem befreundeten Paar verbringt er ein Wochenende in seinem dänischen Inseldomizil. Man plaudert und geht gemeinsam in die Pilze, und ganz beiläufig erinnert seine Frau ihn an ein altes Versprechen: sich gegenseitig auch in der Liebe die größtmögliche Freiheit zu lassen. Noch bevor Steen sich über die ganze Tragweite dieses Gesprächs bewusst wird, geschieht ein Unglück, an dem er sich allein schuldig wähnt und das nicht nur sein Ego, sondern sein gesamtes Weltbild zu erschüttern droht. zum Autor: Edit Jan Christophersen, 1974 in Felnsburg geboren ist ein deutscher Schriftsteller.... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Fiktion erschienen im: mareverlag herausgegeben: 2019 Seitenzahl: 272 unsere Lesekreis-Erfahrungen Zur Geschichte: Zwei Paare auf dem Höhepunkt ihrer Erfolgsleiter, finanziell unabhängig, Gero mit eigener teurer Yacht, IT-gefragter IT Spezialist in der Kosmetikbranche, Ute angesehene Lektorin u.a. auch Steens, dieser, der Protagonist, bekannt aus Funk und Fernsehen in Fragen der Moral, des Anstandes, besitzt eine Stadtwohnung und ein Häuschen auf einer dänischen Halbinsel. Frauke, seine Frau, führt eine gutgehende Psychologenpraxis. Das Drama eines „Ich will Spaß“ -Wochenendes, bei dem Konflikte und Probleme aufbrechen, Komplexe werden deutlich werden. Wie hat es uns gefallen? Wie schon bei den beiden vorangegangenen Büchern ist der Protagonist kein Sympathieträger. Die eigenwillige Erzählweise, ausschließlich aus Steens Sicht, sorgt dafür, dass der Spannungsbogen erhalten bleibt und das Besondere ausmacht. Der Roman ist landschaftlich und atmosphärisch sehr schön geschrieben, die Idylle und Einsamkeit der Insel plastisch festgehalten. Ein Umstand, der die Mare-Romane auszeichnet, in denen immer das Meer eine Rolle spielt. – Von Menschen, die dort leben und sterben, und natürlich ihre Beziehungskrisen haben. „die dunkle Front am Beziehungshimmel“ S. 80 Was hat uns nicht gefallen? Der Charakter Steens, unverbesserlich von sich überzeugt, "Alles an diesem Haus war wie für mich geschaffen," …Seite 25 selbstverliebt, selbst bemitleidend bis zum Schluss. Die niedrige Denkungsweise, als Gero seine Entschuldigung erzwingt: „Geld. Er will Geld von dir, Steen“ Seite 310 Reaktionen Steens in der Rolle von Schuld und Sühne, die er ebenfalls irgendwo genießt, auskostet. Sich großartig fühlt, als er das Insel-Haus verkauft „Am Ende geht es vor allem darum, dass wir mit dem, was wir tun leben können“ Seite 179 Besonders berührt: Die Umstände der Dialyse-Behandlungen, die Transplantation der Niere der Tochter für Steen. Größter „Verlierer“ ist Gero, dessen Partnerschaft zerbricht und er finanziell großen Schaden erleidet. In seiner Frustration erzwingt er nach etlichen Monaten des Schweigens die Entschuldigung Steens. Wir sprachen über: Grenzen der Moral S. 93 „macht alles, was nötig ist und bleibt anständig" Wohlstandsgesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes? – daraus resultierend die Bereitschaft zum Abenteuer bei beiden Paaren -Spiel mit dem Feuer: zweifelhafte Wette, das Schreiben eines Scandi-Krimis gegen Nacktfoto / Steen versus Ute - Seite 65 Frauke erinnert Steen an Versprechen vor langer Zeit -freie Liebe- Utes offensives Flirten von Anfang an gegenüber Steen Midlife-Krisis bei Steen Hinterfragen von Wertvorstellungen – eigene und die der öffentlichen Meinung, gesellschaftliche Klischees Vergleiche, Assoziationen Philosophy Richard David Precht Ishiguro „Never let me go“ Zum Cover: Am Abgrund aus der Vogelperspektive des Falken. Die Falken als Leitmotiv, bei der 1. Mordfantasie Steens hatte an der Steilküste ein Falkenpärchen auf dem Felsvorsprung genistet „vier Falkenaugen erspähten und fixierten uns auf dem Felsvorsprung in ihrem Nest“ S 98 Fazit: Eingeschränkt zu empfehlen, nicht verschenken, jedoch mehrmals zu lesen ;-) Ironie S. 251 "die Lektürebilanz das Leben ist zu kurz, um Texte zu lesen, die man nicht lesen will.“ ...Dem ist nichts mehr hinzuzufügen ;-)
- Emma Stonex: Die Leuchtturmwärter | Mysite
Emma Stonex: Die Leuchtturmwärter Klappentext: .Aus dem Englischen von Eva Kempter. In der Silvesternacht verschwinden vor der Küste Cornwalls drei Männer spurlos von einem Leuchtturm. Die Tür ist von innen verschlossen. Der zum Abendessen gedeckte Tisch unberührt. Die Uhren sind stehen geblieben. Zurück bleiben drei Frauen, die auch zwei Jahrzehnte später von dem rätselhaften Geschehen verfolgt werden. Die Tragödie hätte Helen, Jenny und Michelle zusammenbringen sollen, hat sie aber auseinandergerissen. Als sie zum ersten Mal ihre Seite der Geschichte erzählen, kommt ein Leben voller Entbehrungen zutage - des monatelangen Getrenntseins, des Sehnens und Hoffens. Und je tiefer sie hinabtauchen, desto dichter wird das Geflecht aus Geheimnissen und Lügen, Realität und Einbildung..... Edit zur Autorin: zum Buch: Emma Stonex , geboren 1983 , ist eine britische Autorin . Quelle: Wikipedia . bitte hier klicken! Genre: Roman, Drama erschienen im: S. Fischer Verlag Frankfurt übersetzt von: Eva Kempter herausgegeben: 2021 Seitenzahl: 432 Wie hat es uns gefallen: Das Buch ist der Debütroman der Autorin unter eigenem Namen, basierend auf einer wahren Begebenheit, im Jahr 1900 in Schottland. Hier: Silvesternacht 1972, die 20 Jahre später ein Schriftsteller recherchiert. Es ist der Sohn des Bootsführers Jory, der das Ablöseboot steuerte, um Leuchtturmwärter William (Bill) Walker den Schichtwechsel zu ermöglichen und den Leuchtturm Maiden völlig verlassen vorfand. Die Geschichte spielt in 2 Zeitebenen: 1972 und 1992, deren Ereignisse 1972 im Erzählstil wiedergegeben werden. eigenwillig und interessant: 20 Jahre später, die Interviews der Frauen: Als Monologe, die Frage in der Antwort impliziert. Welche Figuren stehen uns am nächsten: Für uns gibt es in dieser Story nur Anti-Protagonisten 😉. Tragische Familienereignisse, Eifersucht und Neid bestimmen das Klima der Paare. Personen- Konstellationen und Charaktere (aufgrund des Buchtitels werden die Männer zuerst genannt) : Arthur und Helen: Oberwärter Arthur ist Ältester und Dienstältester (33 Dienstjahre) introvertiert und sehr gewissenhaft. Der Vater kam mit einem Trauma aus dem Krieg, Arthur hat eine posttraumatische Persönlichkeitsstörung durch den Verlust des einzigen Kindes Thommy, gemeinsam von Arthur und Helen. Helen wirkt als die Intellektuellste des Trios der Frauen, selbstbewusst und pragmatisch. Bill und Jenny: Bill, "der Stalker", ist 38 Jahre alt und empfindet eine besondere Zuneigung zu Helen, vermutlich, weil sie das Gegenteil zu seiner Frau darstellt. Er stiehlt als Fetisch, Medaillon, Schal, etc. von Helen. Er ist laut Generationenvertrag Leuchtturmwärter und war bereits mit 20 schon mit Jennifer, seiner Jugendliebe verheiratet. Bills Kindheit war problematisch, die Mutter starb bei seiner Geburt. Er lebt mit der Schuldzuweisung des Vaters, er hätte sie „massakriert“. Jenny 1972 depressiv, unselbständig, vereinnahmend, ist sie fixiert auf das Zusammenleben mit Bill. Sie definiert sie sich über ihre Verwöhn-Kochkünste. Ihr Eifer, ihre Hingabe lassen jedoch fühlt Bill sich eher eingeengt/-und -schränkt fühlen. Jenny Seite 64: „Was eine Ehe zusammenhält sind die kleinen Gesten: Dinge, die wenig kosten, aber dem anderen sagen, dass man ihn liebt und dafür nichts von ihm verlangt“ Die Eifersucht auf den Leuchtturm Maiden, der ihr Bill vermeintlich wegnimmt, die Zweisamkeit regelmäßig mit den Arbeitsschichten zerstört, gipfelt darin, dass sie Pralinen mit WC-Reiniger gefüllt herstellt, in der diffusen Absicht, Bill durch Krankheit vom Dienst abzuhalten. Bill und Jenny haben 3 Kinder, 2 Töchter und einen Sohn. Vincent und Michelle: Vincent ist 22 Jahre alt und als Pflegekind aufgewachsen. Er hat ein unglückliches Sozialmilieu, und ist vorbestraft. Als entlassener Häftling ist er auf der Suche nach einem neuen Anfang, einer neuen Aufgabe. Michelle spricht von „einer gemeinen Ader“ die er hat und teilweise fehlender Empathie. Von Arthur ist er sehr beeindruckt, und sieht in ihm nahezu eine Vater-Figur. Gedichte, die er schreibt, teilt er mit ihm. Michelle, sehr jung, erscheint recht naiv. Durch sie befindet sich Vince erstmalig in einer liebevollen und harmonischen Beziehung. Besonders berührt hat uns: Die Einsamkeit auf beiden Seiten, die der Frauen, die abgeschottet in der für sie eigens gebauten Siedlung nur wenig Möglichkeiten der Beschäftigung hatten, als auf die Männer zu warten. die der Männer, zu dritt auf engstem Raum im Leuchtturm, keine Privatsphäre, die Entbehrungen „Durch sein Fernglas sah Arthur in der Ferne Land….Er dachte, möglicherweise starrte seine Frau zurück, sie könnten einander Signale senden, ohne es zu wissen..“ Seite 386 Die Verzweiflung, Ungewissheit und Trauer der Frauen, die mit ihrem Verlust nie richtig abschließen konnten. „Es gab kein Grab. Eine Sitzbank auf der Landzunge trug die Inschrift… …hell erstrahlt des Vaters Gnade von seinem Leuchtturm immerdar lasst die Küstenfeuer brennen lass sie leuchten weit hinaus… dieses Lied hatte Arthur oft gesungen“. Lieblingsstelle, Zitat: Das Signal am Ufer des Meeres traf ich einen Mann, er blickte hinaus und fragte mich dann, kannst du es sehen, siehst du es nicht? und ich sah–schwarzes Feuer mit blauem Licht. mein Herz ist verloren, sagte er, verloren dort draußen weit auf dem Meer, suchst du mein Herz, bringst es zurück? Ich selbst kann es nicht, dafür fehlt mir ein Stück. Je weiter ich schwamm, desto heller sein Schein, desto lauter rief es, strahlend und rein, doch als ich mich drehte und zum Ufer sah, war der Mann, den ich traf, nicht mehr da. ich fand sein Herz und nahm es auf in mich, die salzige Flut stieg und dann wich sie zurück und zog mich mit sich hinab, zur Seele des Wärters in ihrem nassen Grab; da bist du ja, das lodernde Licht warst die ganze Zeit du –ich kenn dein Gesicht. die Flamme, die Flamme sie leuchtet uns allen, deinem Geist und auch meinem, zu Staub zerfallen. Seite 369 Es wurde diskutiert: Viele Themen werden nur angerissen, es kommt nicht zur Auflösung. Halluzinationen und Realität vermischen sich, die Grenzen zerfließen. -die Uhren bleiben Viertel vor 9 stehen Todeszeitpunkt des Kindes Thommy -Der Silberne Mann, der nicht an 2 Orten gleichzeitig sein konnte -Unklar die Rolle von Sid, dem Mechaniker, der jedoch nicht im Turm war – „Angstgegner“ von Vincent? „Geheime Gedanken befielen ihn. Er wunderte sich, dass jemand so von etwas erfüllt sein konnte, das für andere Menschen nicht offensichtlich war“. Arthur Seite 386 Zusätzliches Leitmotiv Vögel? das Ende, die Frauen nähern sich am Jahrestag Arm in Arm. -vielleicht durch die Aufarbeitung des Schriftstellers- Fazit: Ein spannendes Buch mit Potenzial für Interpretationen, wer den Mix aus Mythos, Thrill und Tragik mag und sich gerne in die Spiritualität begibt ;-) . zu unseren Lesekreis-Erfahrungen
- Alex Schulman: Verbrenn all meine Briefe | Mysite
Klappentext: Alex Schulman: Verbrenn all meine Briefe Sommer 1932: Die 24-jährige Karin verliebt sich in den jungen Schriftsteller Olof. Aber es gibt ein Problem: Karin ist mit Sven verheiratet, einem stürmischen, hochrangigen Schriftsteller mit einer grausamen Ader. Wird sie es wagen, ihren Mann zu verlassen und ein anderes Leben mit ihrer neu entdeckten Liebe zu beginnen? 68 Jahre später fragt sich Karins Enkel Alex, warum er so eine tiefe Wut in sich trägt; eine Wut, die seinen Kindern Angst macht und eine Kluft zwischen ihm und seiner Frau schafft. Auf der Suche nach Antworten stößt er auf die Geschichte zweier unglücklich Liebender, die zeigt, wie tief sich Leidenschaft und Wut über Jahrzehnte und Generationen hinweg in eine Familie graben können. zum Autor: Alex Schulman, geboren 1976 ist ein schwedischer Autor und Jounalist... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Autobiografisch-/fiktional Familenroman Verlag: dtv 2023 erschienen: erstmals 2018 in Schweden Übersetzung: Hanna Granz Seitenzahl: 297 zu unserer Lesekreiserfahrung
- Lesekreis-Erfahrungen Echtzeita | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Echtzeitalter von Tonio Schachinger Wie hat es uns gefallen: Noch einmal ist das „Setting“ in Wien 😉 Es ist ein sogenannter Internats-Roman, der mit spitzer Feder und jungem Esprit geschrieben, Kritik an Bildungsinstitutionen und deren Einfluss auf junge Menschen vornimmt. Er erzählt sehr satirisch ironisch über die Herausforderungen des Heranwachsens, der Selbstfindung und der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Erwartungen. Das Internat wirkt wie ein Mikro-Kosmos, deren Schüler einer Gesellschaftsschicht angehören, zu denen Außenstehende keinen Zugang haben. Wir begleiten den Protagonisten Till (2002 geboren) von der vierten Klasse bis zur Matura (Abitur). Wir erfahren von der Trennung seiner Eltern, dem frühen Tod seines Vaters, als er 15 ist, und erleben sein erstes Verliebtsein. Der Weg bis zu seinem Matur-Abschluss, der in die herausfordernde Zeit der Pandemie fällt, wird dabei eindrucksvoll nachgezeichnet. „Er beherrscht zunächst die Kunst des Nichtauffallens “ 2013 beginnt Tills Geschichte in der 3. Klasse, als er ernsthaft „auffällig“ bei Herrn Dolinar, der ihn in der Französisch-Stunde demütigt. Wir nehmen teil an den Gefühlen zu seiner ersten Liebe Feli, einer überbegabten Mitschülerin. Bleiben dabei wir bis zum Ende seiner Internatszeit, dem Matura-Abschluss, der in die Corona -Zeit fällt. So ist er von seinem Peiniger befreit, der ihm jedoch schon irgendwo in seinen tiefsten Tiefen leid tut, da er ist… was er ist. Er hat das Selbstbewusstsein in der Deutsch Matura (sein vermutlicher „Showdown “ mit Dolinar) als einer von nur wenigen 100 Schülern in Österreich ein leeres Blatt abzugeben, da ihm die Auswahlthemen zur Textanalyse nicht motivieren. Er weiß, dass er mit einem 3er in Zeugnis trotzdem die Matura schafft. Die Entwicklung, die dieser Abschnitt (Kapitel 50, Seite 362) zeichnet, läßt eine unabhängige und selbstbewusste Persönlichkeit erkennen, mit der Till seinen eigenen Weg gehen wird. Was hat uns gefallen: Die Erzählweise des Autors, und das Tempo, das er im Roman vorgibt, machen ihn zu einem Pageturner. Die Sprache ist lebendig, jugendlich und sehr amüsant zu lesen. Die Schilderungen mit viel Charme sind reich an österreichischem Schmäh. Es werden Generationskonflikte gezeichnet, Schachinger wechselt öfter die Perspektive, lässt die Gedanken in den Köpfen der „Mitspielenden“ real zu Wort kommen. S.94: "Die Buchhändlerin denkt noch eine Weile über die schimpfenden Buben nach und über den dritten, der sich dabei völlig rausgehalten hatte…(…) Erst am Abend kommt sie zu dem Ergebnis, dass es auf diese Fragen keine Antwort gibt….“ Das Machtgefälle zwischen den Schülern und dem despotischen Lehrer Dolinar wird auch zum Dreh- und Angelpunkt des schulischen Daseins Tills. Der Anspruch des autoritären Lehrers ist es, im Elite-Internat der besseren Wiener Gesellschaft, der Reichsten, und Klügsten, höhere Söhne und seit 2011 auch höhere Töchter auszubilden. Till sucht sich die Bestätigung seines Werts in den Fluchten, die ihm das Spiel Age of Empire bietet. Im Spiel sieht Till die Lösung: Emotionen spielen keine Rolle, das Abtauchen in die Parallelwelt ist ihm wichtig z.B. als Star-Gamer Gestört hat: Teilweise überbordend bei der Zusammensetzung von Anekdoten wurde die intensiven Computerspiel-Internas empfunden. Lieblingszitate: Auslegung von Moral: S.124 "Dass einer seiner Schüler, noch dazu ein Marianist in dritter Generation(…)…aus der Schule abhaut, ist ein Tabubruch….(…)…dabei scheitert und Aufmerksamkeit erzeugt – das ist das Schlimmste. Denn der Dolinar hält, ebenso wie Palffys Eltern und die meisten sich als konservativ beschreibenden Menschen, das Bekanntwerden einer Verfehlung immer für schlimmer als die Verfehlung selbst.“ Interpretation des Gleichgewichts des Schrecken: S. 126 „Laut Lukas Ertl gibt es ein Gleichgewicht des Schreckens auf der Welt. Das Gute und das Schlechte bleiben immer gleich, sie verteilen sich nur unterschiedlich über den Planeten. Deshalb ist jeder glückliche Mensch schuld am Unglück eines anderen, jeder Mensch, der geliebt wird, nimmt einem anderen die Chance geliebt zu werden.“ ..Es gibt nichts Gutes.. 😉 S. 121/122 „Aber keiner macht Anstalten ihn zu verpetzen…(..)Der Schulpfarrer..(…) lächelt Tim an. Er gehört zum Opus Dei und damit zu einer Gruppe von Menschen, die Moral nicht als etwas Momentanes begreifen, sondern über Jahrhunderte weg kalkulieren, als kontinuierlichen Einsatz für das Gute,..(…) deshalb liegt das Petzen nicht in seiner Natur. Besonders anrührend - berührend: "Der Ausbruch" -in jeder Beziehung-: Stifters Brigitta - Klettern über Mauer zur Buchhandlung – Slapstick Feli : initiiert das literarische Zentrum an der Schule, erhält einen Preis für den Aufsatz „was ein Adler erzählt“, das Marianum 1928 bis Heute -die Schule als die Brutstätte des Faschismus in Wien – … Kapitel 32 - 1957 Frauenrecht 50 Jahre lang gleicher Diskurs Kritik ÖVP Seite 361 „Till hat plötzlich Mitleid mit ihm (Dolinar). Er sieht alt und erschöpft aus, und Till stellt sich vor , wie der Dolinar die letzten 2 Monate verbracht haben muss, in einer kargen Wohnung mit CD und Büchern an den Wänden, ohne Smartphone, ohne Computer und ohne Kaffeehaus. Ohne die mündliche Matura als letztes Druckmittel. Seine Macht endet hier. Zeitgeist: Auf vielfältige Themen bietet Echtzeitalter einen kritischen Blick auf politische und soziale Verhältnisse der Gegenwart: den Generationenkonflikt, der sich zwischen analoger und digitaler Welt manifestiert. es werden Diskurse um Frauenrechte, Rassismus, finanzielle Ausgaben und politisches Machtgeplänkel angesprochen die "Ibiza-Affäre" wird erwähnt, ein politischer Skandal, der zum Rücktritt des damaligen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache führte, und letztendlich zum Bruch der Regierungskoalition ÖVP und FPÖ 2019 die Mikropolitik in Klassenverbänden und Schulen sowie die Makropolitik auf staatlicher Ebene. Digitalisierung, Sprachverfall und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft werden angesprochen. der Text setzt sich mit dem Konflikt zwischen Tradition und Moderne auseinander Machtmissbrauch und Manipulation in Organisationen und Institutionen werden thematisiert. die Rolle der Popkultur und der Computerspielszene in der zeitgenössischen Gesellschaft. Fazit: Das Buch als Coming of Age Roman allein zu bezeichnen, trifft es nicht, es ist ebenso ein Gesellschaftsroman nicht nur der High-Society Wiens.
- Dina Nayeri: Drei sind ein Dorf | Mysite
Dina Nayeri: Drei sind ein Dorf Klappentext: Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasek und Klaus Timmermann. Mit knapp dreißig hat Nilou alles erreicht. Wer hätte je geglaubt, dass sie eine Eliteuniversität besuchen, einen weltgewandten Juristen heiraten und ihre eigene Wissenschaftskarriere beginnen würde? Als Kind ist sie mit ihrer Mutter aus dem Iran geflohen - in die tiefste amerikanische Provinz, wo man sie nicht eben offenherzig empfangen hat. Doch sie hat ehrgeizig nach den Idealen der westlichen Welt gestrebt und sich komplett neu erfunden. Alles könnte also gut sein, wäre da nicht Nilous Vater, ein opiumsüchtiger Verehrer altpersischer Lyrik, der ihr vom Iran aus die Kluft vor Augen führt, die die Familie voneinander trennt. Als Nilou in Amsterdam auf eine Gruppe iranischer Exilanten trifft, mit ihnen kocht und ihren Erzählungen lauscht, erwacht eine alte Sehnsucht in ihr: nach einer Heimat, in der sie ganz einfach sie selbst sein darf. zur Autorin: Dina Nayeri..ist geboren 1979 als Tochter eines iranischen Arztehepaares. Als sie 8 Jahre alt ist, flieht sie mit der Mutter und dem jüngeren Bruder aus dem Iran. Die Mutter war zum Christentum konvertiert und wurde von den Mullahs mit dem Tode bedroht. Der Vater blieb in Isfahan zurück. Quelle: Wikipedia Klick hier: Lesekreis-Erfahrungen Wie hat es uns gefallen? Die Reaktion der Lesegruppe ist unterschiedlich in Hinsicht auf die Thematisierung im Werk: Zum einen liegt der „Schwerpunkt“ des Buchs nicht in der Flucht selbst, sondern behandelt die Entfremdung der eigenen Identität und der, der zurückbleibenden Familienmitglieder. Zum anderen sind auch die Eindrücke über den Charakter der Protagonistin Nilou, die im Alter von acht Jahren mit ihrer Mutter (konvertierte Christin) und jüngerem Bruder aus Persien in der Geschichte auswandert, differenziert. Auf manche wirkt sie in der Erzählung sehr nüchtern oder kalt. Andere empfinden ihr Verhalten als bewusste Distanzhaltung zur inneren Zerrissenheit, zum „Flüchtling-Sein“, dem verzweifelten Versuch des Dazu-Gehören-Wollens. Was hat uns gefallen? Besonders schön und lebendig sind die gefühlvollen Beschreibungen der verschiedenen Charaktere im Buch: Die Mutter, hilfsbereit aufmerksam und verständnisvoll, anteilnehmend. Trotz Scheidung und 2 nachfolgenden Ehen ist sie immer noch bemüht ihrem Mann bzw. Exmann beim Entzug zu helfen. Ein kleines Amüsement und fürs In-sich-hinein-Lächeln ist die Wiedergabe des Akzents der Mutter bei der Englisch-Konversation. Der Vater, als Wasserrutschen-Liebhaber, altpersische Lyrik liebend und rezitierend. Nilous Bruder Kian, der in der Emigration in einer Restaurantküche arbeitet und nie weniger als 20 Zutaten für seine Spezialsoße verwendet. Uns gestört hat: Nilou als Protagonistin ist kein Sympathieträger: Beispiele: sind das rationelle Auswahlverfahren, mit der sie ihren Ehemann aus einer Dating-Rangliste erkoren hat, sie handelt zielorientiert. Sie schämt sich zu sehr für ihren Vater, er ist ihr schlichtweg peinlich, selbst ihrem Ehemann als Familienmitglied gegenüber. Die uns am nächsten stehende Figur ist: Einhellig die absolute Nr. 1, die des Vaters: Liebenswert, herzlich, geistreich und lustig. Leider aufgrund seiner Sinnengenuss -und Opiumsucht unfähig, der Familie in die Emigration und das Zusammenleben zu folgen. Am meisten berührt hat uns: Die Entfremdung vom Vater, die mit jedem der wenigen Treffen deutlicher hervortritt, ihr Erwachsenwerden und sein Alterungsprozess finden völlig losgelöst voneinander statt. Nilous Rückzugsort, ihre wie sie selbst sagt, ihre Schutzzone. 9 Dokumente, die ihr das Recht auf ihr Leben geben (Einwanderungspapier, Heiratsurkunde Yale-Diplom, Eigentumsnachweis Wohnung u. a.) Die Veränderung zur Disharmonie gegenüber ihrem Ehemann: Nilous Teilnahme an der Amsterdamer Exil-Iraner-Szene immer wird größer, jedoch lehnt sie Guillaumes Angebot zur Mitarbeit, Mithilfe (professionell als Anwalt) ab, lässt ihn an den Treffen nicht teilhaben, separiert sich. Überreaktion: Verlust des Gewürzglases ihrer Großmutter: „Das ist Guillaumes Haltung zum Leben, zu Besitz. Wenn etwas nicht teuer aussieht ist es wertlos.“ Die Haltung zum Partner ist mittlerweile eher abschätzig. Erarbeitete Verhaltensmuster als „Rettungsring“: „Oktober 2009 - nach dem Tod ihres Freundes flüchtet sie sich wieder in alte Gewohnheiten Ihr Lehrplan, kauft Gummibärchen, kocht wieder mit Messbechern…“ Zitat "..Wenn du etwas verloren hast, kehrst du an den Ort zurück, wo du es zuletzt gesehen hast, und suchst danach, Wo sonst hätte Nilou nach ihrer verlorenen Freude suchen sollen, ihrem wilden Kinderherzen, wenn sie es zuletzt in deiner Flüchtlingsunterkunft gesehen hatte?" S.362 Zeitgeist Wir sprachen über:Heimatverlust und Integration, Wurzeln und Identität, Weltweite Fluchtbewegung, Stellvertreterkriege. Seite 160: „Schon möglich, dass die Armen litten, aber es sind NIE die Armen, die etwas verändern“. Wie empfinden wir die Stimmung im Werk? Die Stimmung im Werk ist konfliktbeladen, zeigt immer wieder seelische Zerrissenheit, Suche nach Identität „erworben“ (Yale-Abschluss, Wohnung in Amsterdam) oder durch Geburt (8 Jahre glücklich im Schoße der Familie im Iran). Gleichzeitig der Drang nach Anerkennung , Gleichstellung, Sicherheit. Wahre Worte, sollten allgemein zum Nachdenken anregen: Die Überlegungen Bahmans: „Machten Europäer sich eigentlich klar, was für ein Glück sie hatten, durch den Zufall der Geburt so viel Ordnung und Fürsorge zu erfahren? „ Erinnert an: Khalil Gibran: Machen wir uns bewusst, über welch unglaubliche Reichtümer und Umstände wir verfügen! Der Schluss wird von allen einheitlich infrage gestellt: Vater, Mutter, Tochter in Schutzparzelle (Drei sind ein Dorf) - Mutter Pari versöhnt, nimmt wirklich ihren Ehemann wieder zurück, wieder zusammen mit Baba? Und… Nilou glücklich?.... Getrennt von Guillaumes… ? Ein Wunschbild, in dem ein wirklicher Neu-Anfang liegt….
- Deniz Ohde: Streulicht | Mysite
Deniz Ohde: Streulicht Klappentext: zur Autorin: Deniz Ohde (* 1988 in Frankfurt am Main ) ist eine deutsche Schriftstellerin . "Streulicht" ist ihr Debütroman. Quelle Wikipedia Klick hier! Erfahrungen im Lesekreis: Industrieschnee markiert die Grenzen des Orts, eine feine Säure liegt in der Luft, und hinter der Werksbrücke rauschen die Fertigungshallen, wo der Vater tagein, tagaus Aluminiumbleche beizt. Hier ist die Ich-Erzählerin aufgewachsen, hierher kommt sie zurück, als ihre Kindheitsfreunde heiraten. Und während sie die alten Wege geht, erinnert sie sich: an den Vater und den erblindeten Großvater, die kaum sprachen, die keine Veränderungen wollten und nichts wegwerfen konnten, bis nicht nur der Hausrat, sondern auch die verdrängten Erinnerungen hervorquollen. An die Mutter, deren Freiheitsdrang in der Enge einer westdeutschen Arbeiterwohnung erstickte, bis sie in einem kurzen Aufbegehren die Koffer packte und die Tochter beim trinkenden Vater ließ. An den frühen Schulabbruch und die Anstrengung, im zweiten Anlauf Versäumtes nachzuholen, an die Scham und die Angst - zuerst davor, nicht zu bestehen, dann davor, als Aufsteigerin auf ihren Platz zurückverwiesen zu werden. Deniz Ohde erkundet in ihrem Debütroman die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Satz für Satz spürt sie den Sollbruchstellen im Leben der Erzählerin nach, den Zuschreibungen und Erwartungen an sie als Arbeiterkind, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit, der verinnerlichten Abwertung und dem Versuch, sich davon zu befreien. Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist KEIN landläufig zu nennen „schönes“ Buch. Der Schreibstil ist emotional sehr distanziert, wirkt Tatsachenbericht ähnlich, was als Selbstschutz der Protagonistin empfunden wird. Die Erzählung gleicht einer Dokumentation mit protokollarischer Ausführlichkeit, dennoch ist die innere Anspannung spürbar und der Ton nie moralisierend oder zensierend. Was hat uns gefallen? Die Protagonistin zeichnet sich durch ihre Resilienz aus. Die Beharrlichkeit mit der sie den gesellschaftlichen und familiären Umständen trotzt (doppelt fremd- isoliert -fühlend als Arbeiterkind mit türkischem Elternteil) und ihr Studium aufnimmt. Schön wird auch die 3er Beziehung aufgenommen: Die Protagonistin mit „geheimen Namen“, Sophia und Pikka erinnert die Gruppe an die 3er- Freundschaft in „ Helle Tage“ Was hat uns gestört? Eltern von Pikka und Sophia wirken leblos – als Originale geboren, die zur Kopie wird. Die Traumatas der Familie: „wir waren 2 x ausgebombt“ der Vater, schwer in der Fabrik arbeitend, alkoholabhängig, jähzornig, Messi „wir stehen unter Beobachtung“, der Vater gegenüber der Mutter, gebürtige Türkin nur nicht auffallen „Man durfte zu keiner Zeit zur Bürde der Anderen werden“ die Protagonistin Eigene Reflektionen zum Thema Schulsystem, Ignoranz und Toleranz „Es war keine Identität die sich heraus bildete, sondern eher wurde sie mir entzogen, verschwand im Keller der Schule, zwischen bis in die 60er zurückreichenden Akten, weil ich die Einzige aus meinem Jahrgang war, die nicht auf eine höherer Schule wechselte…“ „Ich betrachtete die Tintenschrift, manchmal durch Tränenflüssigkeit verwischt, was ich damals zum Zeichen meiner Überforderung stehen gelassen hatte, in der Hoffnung, jemand würde es verstehen...“ Die Situationen des Werks erinnerten an: Max Frisch "Du bist nicht", sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte: "wofür ich Dich gehalten habe." Und wofür hat man sich denn gehalten? Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat. Am Meisten am berührt hat uns: Der Gedankengang zur Selbstmord-Attentäterin in der Kirche – für die Protagonistin eine Form des Davongehens: „Im Alter von zehn Jahren stellte ich mich auf meine Fensterbank und schaute nach unten auf die Straße. Es könnte vorbeisein, dachte ich“. Lieblingszitate: „Ich stehe ja am Rande der Gesellschaft“, sagte ich und lachte in die Runde (….) Über mich selbst lachen, damit die anderen es nicht taten.“ - Ironie der Verzweiflung Zeitgeist: Zugehörigkeit und Identität „Du bist Deutsche“, „du kannst nicht gemeint sein“ sagt die Mutter. Die Protagonistin ist in Deutschland geboren und hat einen deutschen Pass. –Die Integration fehlt. Wie empfinden wir die Stimmung im Werk? Die Stimmung wir als deprimierend empfunden „kein Garten umschloss unser Haus, keine Birke spendete mir Schatten, denn aus Schatten bestand ja unser ganzes Grundstück, und unsere Wohnung war ein Geheimnis, das wir zu hüten hatten, dessen wir uns schämten“ Fazit / Empfehlung: Ein Buch, das nicht nur einmal gelesen werden kann (muss), mit vielen Ansätzen zur Selbstreflektion. Zum Nachdenken, wie man selbst reagieren würde, oder schon hat. Was sind meine Empfindungen, habe ich mich schon ähnlich verhalten. Es läßt den Leser*in erschüttert und in sich gekehrt zurück.
- Wortwechsel | Mysite
Im Angebot: Ich biete Ihnen Die einmalige Gelegenheit Ihre Worte einzutauschen! Sie abzugeben loszulassen loszuwerden, aufzuräumen auszumisten, Ihren Wortschatz aufzufrischen Wozu horten? Wozu einmotten? All die Worte, die Sie nicht mehr brauchen, die Sie langweilen, die Sie nicht mehr hören, sagen, denken können. Tauschen Sie diese gegen ein abgestaubtes, attraktives, anderes Wort. Greifen Sie zum Stift! Tauschen Sie ein Wort! Anne Boland Wortwechsel Liebe Lesekreis-Teilnehmerinnen, ich freue mich auf unseren regen Austausch morgen! Zeit für unsere Muse, einmal die allesumfassende Corona-Problematik ein Stückchen "aussen vor" zu lassen - spontan fielen mir zum Eintauschen due folgenden Wörter ein ;-): Lockdown Pandemie Corona-Hotspots Inzidenz Reproduktionszahl Gerne nehme ich noch Vorschläge entgegen! Die Gute Nachricht: Es wird ein Lichtschein sein, am Ende des Tunnels, wie im Foto der Altschlossfelsen bei Pirmasens! Leichtigkeit Vertrauen Vereinigung Optimismus Lichtblick
- Jane Gardam: Ein untadeliger Mann | Mysite
Klappentext: Jane Gardam: Ein untadeliger Mann Aus dem Englischen von Isabel Bogdan. Alles an Edward Feathers ist ohne Fehl und Tadel - seine Garderobe, seine Manieren und sein Ruf als Anwalt mit glänzender Karriere in Hongkong. Nun ist er alt und muss mit dem Tod seiner Frau Betty zurechtkommen, so wie er immer mit allem zurechtgekommen ist. Seine perfekte Haltung täuscht alle und manchmal sogar ihn selbst. Doch mit Bettys Tod bricht etwas in ihm auf, und behutsam beginnt Feathers, vergangene Ereignisse ans Licht zu holen. An einem kalten englischen Wintermorgen setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden. zur Autorin: Jane Gardam, geboren 1928, ist eine englische Schriftstellerin... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Gegenwartsliteratur Verlag: Hanser Verlag erschienen: erstmals 2004 Übersetzung: Isabel Bogdan 2015 Seitenzahl: 352 zu unserer Lesekreis-Erfahrung