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  • Lesekreis-Erfahrungen Die Hochzeit der | Mysite

    Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Eve Harris: Die Hochzeit der Chani Kaufman Der Roman beginnt im November 2008 und endet ebenfalls in diesem Monat. Der Handlungsverlauf beinhaltet zeitlich versetzte Rückblenden, die zwischen den Jahren 1982 bis zur Gegenwart (2008) in den Orten London und Jerusalem wechseln. Dabei wird die Geschichte dreier Paare und ihrer Entwicklung in verschiedenen Zeitabschnitten vor dem Hintergrund der besonderen Strenge ihrer Religion beleuchtet. Wie hat es uns gefallen: Es ist faszinierend, Einblicke in eine so fremde und abgeschottete Welt zu erhalten, wie sie in der orthodoxen jüdischen Gemeinschaft existiert. Die strengen traditionellen Vorschriften und Bräuche werfen Fragen zur individuellen Identität auf. Die Sensibilität, mit der die Autorin die inneren Konflikte ihrer Charaktere beschreibt, macht den Roman besonders tiefgründig und intensiv. Was hat uns gefallen: Der Schreibstil der Autorin ist lebendig, jung, frech und emotional packend. Das Buch berührt gleichermaßen positiv wie negativ. So fehlt auch nicht ein guter Anteil jiddischen Humors . Die Schilderung der Sorgen, Ängste, Hoffnungen ihrer Figuren und ihre religiöse Überzeugung werden eindringlich, mit viel Gefühl, aber ohne Wertung wiedergegeben. Die Paarbeziehungen Chani und Baruch , am Anfang ihres gemeinsamen Lebensweges, verunsichert und gefangen im strengen orthodoxen Verhaltensrahmen, haben sie dennoch einander gewählt und stehen dafür ein. Das Kennenlernen: Seite 266: „Sehr groß, dachte Chani. Möglicherweise ein wenig zu groß. Es war, als stünde man im Schatten einer dünnen struppigen Palme. Sie beäugte die 3 Pickel, die an seiner Kinnpartie klebten wie Napfschnecken auf einem moosigen Stein. Wenn er seinen Bart wachsen ließe, wäre das vielleicht eine gute Tarnung.“ Beide fühlen Beklemmung, und Furcht vor der Hochzeitsnacht, ein Resultat der fehlenden Aufklärung in diesem religiösen Kontext. Das Interesse am menschlichen Körper oder darüber hinaus ihren Vorgängen wird insbesondere bei Mädchen mit „widernatürlicher“ Neugier abgetan. Seite 21: „Mach das nochmal, und du findest dich auf der Suche nach einer anderen Schule wieder, einer Schule für schamlose Mädchen wie dich.“ …(..) Sie lebte unter einer Glasglocke.“ Rivka und Chaim , das Rabbinerpaar, die sich in Jerusalem kennenlernen, als Rebecca noch Jeans und Top trägt. - S. 151 „Chaim kam aus einer liberalen jüdischen Familie, die Traditionen bedeuteten ihm nicht viel.“ Ihr Lebensweg nimmt eine umgekehrte Entwicklung – vom modernen Jerusalem zum Konservatismus. Der tragische Unfall des 3-jährigen Sohnes läßt sie zu einem Neuanfang in Golders Green aufbrechen und all das, was/wie sie vorher lebten gestaltet sich um Chaim: Seite 134: „Aber es ist etwas, was ich an strenggläubigen Menschen mag – sie vertrauen einfach vorbehaltlos, und ihr Glaube gibt ihnen Antworten“ …. „Er veränderte sich, und wenn sie nicht auf der Strecke bleiben wollte, musste sie sich an diese Veränderungen gewöhnen". Avromi und Shola , Sohn des Rabbinerpaares und eine schwarze britische Kommilitonin; er „versündigt“ sich mit einer Ungläubigen, beendet jedoch letztendlich die Beziehung und leidet sehr. Seite 412: „Er war fest entschlossen, seinen Platz in der frommen Welt wiederzufinden, in die er geboren war.“ „Der Jugend sei verziehen, glauben die Väter, sie wissen am Ende, wohin sie gehören.“ Dies reflektiert die Spannung zwischen den Generationen und den unterschiedlichen Ansichten über Tradition, Identität und die Zukunft. Wir fanden am Berührendsten: Die Szene der Fehlgeburt der Rebbetzin hat uns besonders berührt. Gebote zu achten erscheint hier wichtiger, als Leben zu retten: Die erschreckende Unfähigkeit des Rabbiners, zu entscheiden, was zu tun ist, ob er helfen darf. Seite 48: - Die Wichtigkeit der Verhüllung der Haare, als die Sanitäter endlich eintrafen und sie abholten. Seite 54/55 „ Bedeckt Sie“ schrie er. (…). In seinen Augen stand das Entsetzen. „Sie verstehen nicht-, ihr Haar“ (…) es ist nicht bedeckt.“ Lieblingsfiguren: Chani und Rivka, sind beide selbstbestimmte und eigenwillige Charaktere, die sich mit ihrem Glauben auseinandersetzen – sie wollen ihn leben, befinden sich jedoch im Konflikt zwischen den Erwartungen der ultra-orthodoxen Gemeinde und ihren persönlichen Wünschen. Sie sind auf der Suche nach Identität, Liebe und Freiheit in einer streng regulierten Umgebung. Besonders kritisch empfanden wir: Die Mizwar besteht aus 365 Verboten und 248 Geboten, die das Leben der streng orthodoxen Juden in engen Bahnen halten. Es wird festgestellt, dass 365 Verbote = soviel das Jahr Tage hat, und 248 Gebote = soviel der menschliche Körper Knochen hat 😉 Die Botschaft / Fazit : Die Autorin hat erfolgreich dargestellt, wie eine Gemeinschaft ruhig und perfekt erscheinen kann, wenn jeder seine Rolle spielt und sich entsprechend verhält. Gleichzeitig zeigt sie auf, dass hinter dieser Fassade auch Frustration und individuelle Probleme existieren. Es wird verdeutlicht, dass trotz äußerer Perfektion jeder Einzelne mit eigenen Herausforderungen zu kämpfen hat.

  • Eve Harris: Die Hochzeit der Chani Kaufm | Mysite

    Klappentext: Eve Harris: Die Hochzeit der Chani Kaufman Chani Kaufman ist hübsch, intelligent und hat ihren eigenen Kopf – nicht die besten Voraussetzungen auf dem hartumkämpften jüdisch-orthodoxen Heiratsmarkt. Schon gar nicht, wenn ihr zukünftiger Ehemann Baruch Levy sein soll. Baruch wird bald in Jerusalem studieren und der erste Rabbi in einer Familie erfolgreicher Unternehmer sein. Sie haben sich dreimal gesehen, sie haben sich noch nie berührt, aber sie werden heiraten. Chaim Zilberman und Rebecca Reuben waren auch einmal Studenten in Jerusalem. Heute sind sie Rabbi und Rebbetzin Zilberman, angesehene Mitglieder der orthodoxen Gemeinde Londons. Aus Liebe hatte Rebecca in das streng geregelte Leben an der Seite eines Rabbis eingewilligt – Sneakers gegen Ballerinas, Jeans gegen bodenlange Röcke und den Wind in ihren langen Haaren gegen einen Scheitel getauscht. Vier Menschen auf der Suche nach ihrem Weg, zwischen Religion und vermeintlicher Freiheit. zur Autorin: Eve Harris, geboren 1973 in London... Wikipedia zum Buch: Genre: zeitgen. britische Literatur, Judentum Verlag: Diogenes Verlag erschienen: 2015 aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt Seitenzahl: 464 unsere Lesekreis-Erfahrungen: Eve Harris: Die Hochzeit der Chani Kaufman Der Roman beginnt im November 2008 und endet ebenfalls in diesem Monat. Der Handlungsverlauf beinhaltet zeitlich versetzte Rückblenden, die zwischen den Jahren 1982 bis zur Gegenwart (2008) in den Orten London und Jerusalem wechseln. Dabei wird die Geschichte dreier Paare und ihrer Entwicklung in verschiedenen Zeitabschnitten vor dem Hintergrund der besonderen Strenge ihrer Religion beleuchtet. Wie hat es uns gefallen: Es ist faszinierend, Einblicke in eine so fremde und abgeschottete Welt zu erhalten, wie sie in der orthodoxen jüdischen Gemeinschaft existiert. Die strengen traditionellen Vorschriften und Bräuche werfen Fragen zur individuellen Identität auf. Die Sensibilität, mit der die Autorin die inneren Konflikte ihrer Charaktere beschreibt, macht den Roman besonders tiefgründig und intensiv. Was hat uns gefallen: Der Schreibstil der Autorin ist lebendig, jung, frech und emotional packend. Das Buch berührt gleichermaßen positiv wie negativ. So fehlt auch nicht ein guter Anteil jiddischen Humors . Die Schilderung der Sorgen, Ängste, Hoffnungen ihrer Figuren und ihre religiöse Überzeugung werden eindringlich, mit viel Gefühl, aber ohne Wertung wiedergegeben. Die Paarbeziehungen Chani und Baruch , am Anfang ihres gemeinsamen Lebensweges, verunsichert und gefangen im strengen orthodoxen Verhaltensrahmen, haben sie dennoch einander gewählt und stehen dafür ein. Das Kennenlernen: Seite 266: „Sehr groß, dachte Chani. Möglicherweise ein wenig zu groß. Es war, als stünde man im Schatten einer dünnen struppigen Palme. Sie beäugte die 3 Pickel, die an seiner Kinnpartie klebten wie Napfschnecken auf einem moosigen Stein. Wenn er seinen Bart wachsen ließe, wäre das vielleicht eine gute Tarnung.“ Beide fühlen Beklemmung, und Furcht vor der Hochzeitsnacht, ein Resultat der fehlenden Aufklärung in diesem religiösen Kontext. Das Interesse am menschlichen Körper oder darüber hinaus ihren Vorgängen wird insbesondere bei Mädchen mit „widernatürlicher“ Neugier abgetan. Seite 21: „Mach das nochmal, und du findest dich auf der Suche nach einer anderen Schule wieder, einer Schule für schamlose Mädchen wie dich.“ …(..) Sie lebte unter einer Glasglocke.“ Rivka und Chaim , das Rabbinerpaar, die sich in Jerusalem kennenlernen, als Rebecca noch Jeans und Top trägt. - S. 151 „Chaim kam aus einer liberalen jüdischen Familie, die Traditionen bedeuteten ihm nicht viel.“ Ihr Lebensweg nimmt eine umgekehrte Entwicklung – vom modernen Jerusalem zum Konservatismus. Der tragische Unfall des 3-jährigen Sohnes läßt sie zu einem Neuanfang in Golders Green aufbrechen und all das, was/wie sie vorher lebten gestaltet sich um Chaim: Seite 134: „Aber es ist etwas, was ich an strenggläubigen Menschen mag – sie vertrauen einfach vorbehaltlos, und ihr Glaube gibt ihnen Antworten“ …. „Er veränderte sich, und wenn sie nicht auf der Strecke bleiben wollte, musste sie sich an diese Veränderungen gewöhnen". Avromi und Shola , Sohn des Rabbinerpaares und eine schwarze britische Kommilitonin; er „versündigt“ sich mit einer Ungläubigen, beendet jedoch letztendlich die Beziehung und leidet sehr. Seite 412: „Er war fest entschlossen, seinen Platz in der frommen Welt wiederzufinden, in die er geboren war.“ „Der Jugend sei verziehen, glauben die Väter, sie wissen am Ende, wohin sie gehören.“ Dies reflektiert die Spannung zwischen den Generationen und den unterschiedlichen Ansichten über Tradition, Identität und die Zukunft. Wir fanden am Berührendsten: Die Szene der Fehlgeburt der Rebbetzin hat uns besonders berührt. Gebote zu achten erscheint hier wichtiger, als Leben zu retten: Die erschreckende Unfähigkeit des Rabbiners, zu entscheiden, was zu tun ist, ob er helfen darf. Seite 48: - Die Wichtigkeit der Verhüllung der Haare, als die Sanitäter endlich eintrafen und sie abholten. Seite 54/55 „ Bedeckt Sie“ schrie er. (…). In seinen Augen stand das Entsetzen. „Sie verstehen nicht-, ihr Haar“ (…) es ist nicht bedeckt.“ Lieblingsfiguren: Chani und Rivka, sind beide selbstbestimmte und eigenwillige Charaktere, die sich mit ihrem Glauben auseinandersetzen – sie wollen ihn leben, befinden sich jedoch im Konflikt zwischen den Erwartungen der ultra-orthodoxen Gemeinde und ihren persönlichen Wünschen. Sie sind auf der Suche nach Identität, Liebe und Freiheit in einer streng regulierten Umgebung. Besonders kritisch empfanden wir: Die Mizwar besteht aus 365 Verboten und 248 Geboten, die das Leben der streng orthodoxen Juden in engen Bahnen halten. Es wird festgestellt, dass 365 Verbote = soviel das Jahr Tage hat, und 248 Gebote = soviel der menschliche Körper Knochen hat 😉 Die Botschaft / Fazit : Die Autorin hat erfolgreich dargestellt, wie eine Gemeinschaft ruhig und perfekt erscheinen kann, wenn jeder seine Rolle spielt und sich entsprechend verhält. Gleichzeitig zeigt sie auf, dass hinter dieser Fassade auch Frustration und individuelle Probleme existieren. Es wird verdeutlicht, dass trotz äußerer Perfektion jeder Einzelne mit eigenen Herausforderungen zu kämpfen hat.

  • Laura Spence-Ash: Und dahinter das Meer | Mysite

    Laura Spence-Ash: Und dahinter das Meer Klappentext London 1940: Um ihre 11jährige Tochter vor Luftangriffen zu schützen, beschließen die Thompsons schweren Herzens, Beatrix für ungewisse Zeit zu einer Gastfamilie in die USA zu schicken. Nach der langen Schiffspassage trifft Bea wütend und verängstigt in Boston ein, aber schon bald fühlt sie sich bei den Gregorys zu Hause, während ihre Erinnerungen an das Leben in England langsam verblassen. Mit ihren Gasteltern und deren Söhnen William und Gerald teil Bea nicht nur ihren neuen Alltag, sondern verbringt auch unvergessliche Sommer im Ferienhaus der Familie in Maine. Doch ausgerechnet als Bea sich zu fragen beginnt, ob William mehr für sie sein könnte als ein Bruder, kommt der Tag, an dem sie nach London zurückkehren muss. Kann die einstige Heimat je wieder zu ihren Zuhause werden? Und wird Bea William wiedersehen? zur Autorin: Laura Spence-Ash, 1959 geboren, studierte an der Rutgers University in Newark Creative Writing und lebt in New Jersey. Und dahinter das Meer ist ihr Debütroman. (Mare Verlag) zum Buch: erschienen: 2023 Übersetzerin: aus dem amerikanischen Englisch von Claudia Feldmann Verlag: Mare Genre: Roman Seitenanzahl : 359 zu unseren Lesekreis-Erfahrungen:

  • unsere Lesekreis-Erfahrungen | Mysite

    Man versteht nicht, was man nicht mit anderen teilt... Wofür du keinen Sinn hast, das geht dir verloren. (Günderrode) 20250619_113057 Zur See von Dörte Hansen Der grosse Sommer von Ewald Arenz Ich bleibe hier von Marco Balzano Ein Engel an meiner Tafel von Janet Frame Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro Der Markisenmann von Jan Weiler Eine englische Ehe von Claire Fuller Deine Juliet von Mary Ann Shaffer Annie Barrows Der amerikanische Architekt von Amy Waldman Die Unschärfe der Welt von Iris Wolff Die Enkelin von Bernhard Schlink was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky Stay away from Gretchen von Susanne Abel Ein anständiger Mensch von Jan Christophersen Die Geschichte der Einsamkeit von John Boyne Der weisse Tiger von Aravind Adiga Die hellen Tage von Zsuzsa Bànk Frau Einstein von Marie Benedict Jakobs Schweigen von Anja Goerz Herzfaden von Thomas Hettche Kleine Freiheit von Nicola Kabel Das Seelenhaus von Hannah Kent Maschinen wie ich von Ian McEwan 3 sind 1 Dorf von Dina Nayeri Streulicht von Deniz Ohde Ombra von Hanns-Josef Ortheil Lempi Minna Rytisalo Belletristik Turbulenzen von David Szalay Annette, ein Heldinnen-Eops von Anne Weber Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells Neujahr von Juli Zeh Das Genie von Klaus Cäsar Zehrer Die Tochter des Fotografen von Kim Edwards

  • Lesekreis-Erfahrungen Und dahinter das M | Mysite

    Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Auch in diesem Roman gibt der Klappentext Auskunft über die Grund-Handlung, was das Leseerlebnis in keiner Weise schmälert. Er kann auch als Familienroman eingeordnet werden und wird von uns ausgesprochen positiv aufgenommen... Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte, von 1940 bis 1977, und begleitet die Protagonistin Beatrix durch verschiedene Lebensphasen. Dabei geht es nicht nur um ihre persönliche Entwicklung, sondern auch um die Frage, wie prägend Herkunft, Familie und die eigenen Entscheidungen für ein Leben sein können, was sich im weiteren Ablauf des Romans spiegelt. Deutlich in der Entwicklung der Beziehung zwischen Beatrix und ihrem „Pflegegeschwister“ William: Was zunächst als kindliche Nähe und Vertrautheit beginnt, wächst im Laufe des Romans zu einer zunehmend emotionalen und schließlich romantischen Beziehung. Es zeigt, wie sich Beziehungen und Gefühle über die Jahre hinweg verändern können. Was hat uns gefallen: Der Krieg steht nicht als unmittelbare Gefahr im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um die emotionalen Folgen Heimweh, Unsicherheit und die Frage, wo man eigentlich hingehört. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen, Erinnerungen und die emotionale Verbindung zwischen Menschen Verlust steht im Vordergrund, Verlust der vertrauten Heimat und der Familie Hoffnung und Menschlichkeit: Menschen können füreinander da sein, obwohl die äußeren Umstände schwierig sind. (Siehe die Aufnahme bei den Gregorys, Fürsorge und die Bereitschaft einem fremden Kind ein Zuhause zu geben). Neben den häufig wechselnden personalen Erzählperspektiven gibt es auch mehrere Schauplatzwechsel zwischen London, Boston und Maine, sowie große Zeitsprünge. Die sinnlichen Beschreibungen von Gerüchen, Speisen, Landschaften und dem Meer machen die verschiedenen Orte und Lebenswelten anschaulich. Gleichzeitig ist die Sprache angenehm ruhig und emotional zurückhaltend. Wie hat es uns gefallen: Besonders beeindruckt hat uns die multiperspektivische Erzählweise des Romans. Die Handlung wird aus der Sicht verschiedener Familienmitglieder geschildert, wobei jede Figur eine eigene Stimme erhält. Auf diese Weise erhält der Leser Einblick in die individuelle Wahrnehmung der Figuren und kann ihre jeweiligen Beweggründe und Handlungen besser nachvollziehen. Gleichzeitig werden Zusammenhänge sichtbar, die den einzelnen Familienmitgliedern verborgen bleiben. So möchte Millie Bea eigentlich nicht fortgeben, während Beatrix hingegen davon ausgeht, dass ihre Mutter sie bewusst weggeschickt hat. Wir diskutierten hier besonders das Verhalten der beiden Mütter das sich nicht eindeutig als richtig oder falsch bewerten lässt. Beide treffen Entscheidungen aus Liebe – und müssen dennoch damit leben, dass diese Liebe unweigerlich auch Schmerz und Verlust bedeutet. Es gibt keine Schuldzuweisung. Weder die Eltern noch die Gregorys handeln ausschließlich richtig oder falsch. Ihre Entscheidungen entstehen aus Angst, Liebe, Überforderung und den Bedingungen des Krieges. Uns hat besonders berührt: Besonders anrührend empfanden wir die Schilderung der beiden Mütter. Sie werden nicht als Konkurrentinnen um Beatrix’ Liebe dargestellt, sondern als zwei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise für dieses Kind empfinden und lieben – und die beide in einem schmerzhaften Dilemma gefangen sind. Millie, die leibliche Mutter, muss ihr Kind loslassen, gerade weil sie es schützen möchte. Nancy wiederum muss Beatrix lieben, obwohl sie von Anfang an weiß, dass diese Liebe mit der Gewissheit eines erneuten Verlustes verbunden ist und ihr nicht die eigenen fehlende Tochter ersetzen kann. So tragen beide Frauen ihren eigenen Schmerz und handeln doch aus Fürsorge und Liebe. Keine von ihnen kann Beatrix vor allem Leid bewahren, und vielleicht liegt gerade darin die besondere Stärke dieser Darstellung: Ihr Verhalten lässt sich nicht eindeutig in richtig oder falsch einordnen. Beatrix‘ Entwicklung ist von einem Identitätsverlust geprägt, sie muss sich an die neue Umgebung anpassen In London ist sie die Tochter von Millie und Reginald In Boston wird sie Teil der Familie Gregory Nach ihrer Rückkehr nach England fühlt sie sich keiner Seite mehr vollständig zugehörig. Beatrix gehört zu beiden.. Keine dieser Familien kann die andere vollständig ersetzen. Ihre Identität entsteht gerade aus diesem Dazwischen. Im Prolog wird dieser Konflikt besonders deutlich. Bea ist erwachsen, kann aber ihr früheres Selbst kaum mit ihrer Gegenwart verbinden. Sie empfindet die frühere Zeit beinahe so, als habe „jemand anderes“ sie erlebt. »Die Gegenwart ist kaum vorhanden; die Zukunft existiert nicht. In den kurzen Augenblicken eines Menschenlebens zählt nur die Liebe.« William Trevor, Turgenjews Schatten Seite 7 Prolog „Mein Lieblingsteam? Die Red Sox. Mein Lieblingsort? Maine. Mein Lieblingsessen? Die Muffins deiner Mutter, Und doch bin ich hier,. Das ist mein Zuhause, Meine Mutter ist hier, Ich gehöre hierher und doch bin ich wirklich im Schwebezustand, gefangen zwischen zwei Welten. Ich finde einfach nicht, wo ich hingehöre“ Beatrix zu William Nicht gefallen hat uns: Kritisiert wurde der Epilog, als überflüssig wahrgenommen, scheinbar zusammengebaut , geschönt, passend gemacht. Vielleicht hätte man das Ende ungewisser enden lassen sollen… Symbolik: Der Titel verweist auf einen Satz aus Virginia Woolfs Die Wellen: „Am Anfang war da das Kinderzimmer mit Fenstern, die auf einen Garten hinausgingen, und dahinter das Meer“. Das Meer bildet somit eine Grenze zwischen Vertrautem und Unbekanntem. Es liegt „dahinter“ und symbolisiert eine Welt, die gleichzeitig fern und emotional ständig präsent ist. So beispielgebend für die Bücher des Mare Verlags ;-) Fazit: Die Autorin macht deutlich, dass Familie nicht ausschließlich durch biologische Verwandtschaft entsteht, sondern durch gemeinsam verbrachte Zeit, Fürsorge und emotionale Bindung. Gleichzeitig wird gezeigt, dass ein Mensch zwischen mehreren Heimaten und Identitäten dauerhaft innerlich zerrissen bleiben kann. Wir empfehlen es sehr gerne! .

  • Lesekreis-Erfahrungen Maifliegenzeit | Mysite

    Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Wie hat es uns gefallen: Unsere zentrale Beobachtung war, dass das Motiv des Angelns weit über eine Freizeitbeschäftigung hinausgeht und zum eigentlichen Strukturmodell des Romans wird. Besonders intensiv wurde wahrgenommen, dass sich Beziehungen, Erinnerung und Wahrheitssuche weniger in direkten Gesprächen, als in stillen, tastenden Bewegungen entfalten. Der Lesekreis deutete das Angeln deshalb als einen Kommunikationsraum ohne direkten Sprachzwang. Gerade weil die Familiengeschichte — insbesondere Tod, Verlust und DDR-Vergangenheit — sprachlich blockiert ist, ermöglicht das gemeinsame Tun eine andere Form von Beziehung. Das Wasser „trägt“ dabei symbolisch das, was nicht ausgesprochen werden kann. Besonders hervorgehoben wurde, dass die Angelmotive nicht konstruiert wirken. Der Autor schreibt mit erkennbarer Sachkenntnis bzw. gelebter Erfahrung über: Fischarten, Gewässer, Angeltechniken und die Beobachtungen der Natur. Was hat uns gefallen: Der zurückhaltende Stil Jüglers wird als angenehm und sehr passend empfunden. Die Wahrheit im Roman wird eher „erspürt“ als eindeutig erkannt. Das gemeinsame Angeln als Form von Nähe, ohne Sprache, kein „peinliches Schweigen“, ist sehr versöhnlich. Dieses vereinigt: Erinnerung und Wahrheitssuche Sprachlosigkeit innerhalb der Familie Generationenbeziehungen Naturerfahrung und Trauerarbeit sowie die Frage, wie verdrängte Geschichte überhaupt erzählbar wird. Die Figuren gewinnen keine vollständige Wahrheit. Wie beim Angeln bleiben Wahrnehmung und Erkenntnis unsicher, tastend und bruchstückhaft. Angeln als Vater–Sohn-Raum: Nähe im Schweigen Die wichtigsten Momente zwischen Hans, dem Ich-Erzähler und Vater entstehen häufig beim gemeinsamen Angeln: Beide sitzen nebeneinander und schauen aufs Wasser, Gespräche bleiben knapp oder ausweichend. Dennoch entsteht eine Form von Nähe und vorsichtiger Verständigung. Oberfläche und Tiefe: Das Wasser als Wahrheitsraum Ein wiederkehrendes Motiv ist der Blick auf Wasseroberflächen, Spiegelungen, das Unsichtbare darunter. Damit lässt sich verbinden: Oberfläche - Tiefe offizielle Versionen - verdrängte Wahrheit Familienerzählungen - Schuld und Trauma scheinbare Ordnung - verborgene Gewalt Das Angeln wurde daher als Bewegung „unter die Oberfläche“ verstanden. Der Fisch ist nicht sichtbar — man spürt nur einen Zug. Der „Biss“: dieWahrheit als Erschütterung: Besonders interessant war die Diskussion über den Moment des „Bisses“. Im Roman erscheint dieser nicht als Triumph, sondern als: kurzer Kontakt, intensive Irritation, Kampf mit etwas Unkontrollierbarem. Übertragen bedeutet dies: Die Wahrheit bringt keine Erlösung, die Erkenntnis bleibt verstörend. Natur als Gegenwelt zur Geschichte Die Seen und Flüsse wirken oft ruhig, zeitlos, zyklisch. Dem gegenüber stehen politische Gewalt, familiäre Traumata, DDR-Geschichte, Schuld und Vertuschung. Im Lesekreis wurde diskutiert, dass die Natur die Vergangenheit nicht heilt, aber einen Raum schafft, in dem Schmerz überhaupt ausgehalten werden kann. Das Angeln stabilisiert die Figuren rhythmisch: Warten, Beobachten und Wiederholung schaffen Halt in biografischen Krisen. Leitmotiv der Eintagsfliege / Maifliege Mehrere Teilnehmer*innen sahen in der Eintagsfliege bzw. Maifliege ein zentrales Symbol für: Vergänglichkeit Geburt und Tod die Kürze menschlichen Lebens Die Fliege verbindet zudem Naturbeobachtung und existenzielle Fragilität. Interessant erschien dem Lesekreis auch die Doppelbewegung: Die Maifliege lebt extrem kurz. Gleichzeitig kehrt ihr Zyklus immer wieder. Dadurch entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen individueller Endlichkeit und natürlicher Wiederholung. Offene Fragen im Lesekreis: Was wussten die Adoptiveltern tatsächlich? Wer verdrängte bewusst etwas — und wer nicht? Wieviel Wahrheit ist überhaupt rekonstruierbar? Besonders berührende Szenen: Mehrere Teilnehmer*innen nannten hier die Szene mit Hans auf dem Friedhof, als er das Grab seines Kindes selbst aushebt, wurde als Ausdruck äußerster Verzweiflung und existenzieller Einsamkeit wahrgenommen. Die anhaltende Ungewissheit der innerlich destabilisierten Katrin wurde als emotional unerträglich erlebt. Weitere Assoziationen: Diskutiert wurde auch ein möglicher Vergleich zwischen gesellschaftlichen Systemen und verschiedenen Fischarten: Raubfische, Bodenfische, Barben, versteckt lebende Arten. Die Idee dahinter: Gesellschaftliche Strukturen folgen unterschiedlichen Formen von Macht, Anpassung und Überleben — ähnlich wie ökologische Systeme im Wasser. Fazit: Am Ende der Diskussion verdichtete sich die Beobachtung, dass der Erzähler selbst wie ein Angler arbeitet. Er „wirft aus“ verfolgt Spuren wartet registriert kleinste Bewegungen zieht vorsichtig Verborgenes ans Licht Aber: Er erhält nie „den ganzen Fisch“, also niemals die vollständige Wahrheit. Zum Ende ein wunderschöner Satz, mit dem der Roman beginnt: „Wo die Ungewissheit endet, sagte mein Vater vor langer Zeit einmal, beginnt das Träumen.“ Wir finden diesen Roman ausgesprochen lesenswert und können ihn mit voller Überzeugung empfehlen!

  • Ariel Lawhon: Der gefrorene Fluss | Mysite

    Ariel Lawhon: Der gefrorene Fluss Maine, 1789: Als der Kennebec River zufriert und die Leiche eines toten Mannes im Eis sichtbar wird, soll Martha Ballard den Leichnam untersuchen und die Todesursache feststellen. Als Hebamme und Heilerin ist sie in vieles eingeweiht, was sich hinter verschlossenen Türen in der Kleinstadt Hallowell abspielt. Ihr Tagebuch ist eine Aufzeichnung aller Geburten und Todesfälle, Verbrechen und Debakeln, die sich in der engen Gemeinschaft ereignen. Monate zuvor dokumentierte Martha die Einzelheiten einer angeblichen Vergewaltigung, die von zwei der angesehensten Herren der Stadt begangen wurde - einer von ihnen wurde nun tot im Eis aufgefunden. So ist Martha sich sicher, dass sie es hier mit einem Mord zu tun hat. Doch ein örtlicher Arzt widerlegt ihre Schlussfolgerung und erklärt den Tod für einen Unfall. Martha ist entschlossen, den schockierenden Mord auf eigene Faust zu untersuchen. Im Laufe eines Winters, während der Prozess näher rückt und Gerüchte und Vorurteile zunehmen, ist Martha beharrlich auf der Suche nach der Wahrheit. Ihr Tagebuch gerät bald in den Mittelpunkt des Skandals, verwickelt diejenigen, die sie liebt, in die Sache und zwingt Martha, zu entscheiden, wo ihre eigene Loyalität liegt. Klappentext zur Autorin: Ariel Lawhon, 1978 geboren, ist eine US-amerikanische Autorin historischer Romane zum Buch: erschienen: 2025 Übersetzerin: Rena Ziehneret Verlag: Adrian Verlag Genre: Historisch, Biografische Fikton Seitenanzahl : 496 zur unseren Lesekreis-Erfahrungen:

  • Susanne Abel: Stay away from Gretchen | Mysite

    Susanne Abel: Stay away from Gretchen Klappentext: Eine große Liebe in dunklen Zeiten. Der bekannte Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die immer mehr vergisst. Was anfangs ärgerlich für sein scheinbar so perfektes Leben ist, wird unerwartet zu einem Geschenk zur Autorin: Susanne Abel, 1971 im badischen Dorf (Kork) an der französischen Grenze geboren.... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Erzählende Romanliteratur erschienen im: DTV Verlag herausgegeben: 2021 Seitenzahl: 528 unsere Lesekreis-Erfahrungen: Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten – Zitat August Bebel im Roman Zur Story : Die Geschichte der 84-jährigen Greta, die an Alzheimer leidet, und ihrem Sohn Thomas genannt Tom, der nun erfährt, warum seine Mutter während seiner Kindheit nicht so für ihn da war, wie er sich das erhofft, gewünscht hätte, sie oft in Psychiatrischen Kliniken behandelt wurde. Susanne Abel erzählt hier eine Seite der Nachkriegsgeschichte, die weniger in der Öffentlichkeit verbreitet wurde, und dennoch nicht weniger erschütternd ist. Es sind 2 Erzählstränge vorhanden: die Geschichte Greta (Gretchens) 1931 geboren, ihre Kindheit bis in die 50er Jahre, Drittes Reich, Zweiter Weltkrieg und die Flucht. In der Zeit zwischen 1948 und 1955 kamen zirka 4800 sog. „Brown Babys“ auf die Welt, Kinder deutscher Mütter und Afro-Amerikaner. Sie wurden diskriminiert und schikaniert, von der deutschen Bevölkerung, sowie dem amerikanischen Militär. Nicht selten wurden sie zwecks Adoption in die USA gebracht. Und die des 45-jährigen Journalisten Thomas (Tom), Sohn von Greta, die in 2015 spielt, er lebt als Nachrichtensprecher und Korrespondent in Köln. Wie hat es uns gefallen: Der Roman lässt sich rasch und flüssig lesen. Wenn auch sprachlich nicht einwandfrei, gelingt es Susanne Abel ihre Leser*innen emotional absolut in Bann zu ziehen, dergestalt mitzunehmen, dass es schwerfällt, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Wir sind uns einig: Ein echter „Page Turner“ eben ;-) Was hat uns gefallen: Das Brückenschlagen der Chronik, die Dramen der Menschen, die im 2. Weltkrieg flohen, mit denen die aus Afghanistan und Syrien 2015 auf der Flucht waren. „ich will kein Flüchtling mehr sein“ Seite 156 - Vergleich Dinah Nayeri, „Der undankbare Flüchtling“ Welche Figuren, Charaktere standen uns am nächsten: Am besten gefallen hat uns die Beschreibung des Charakters Gretas. Ihr Mut, die Keckheit, ihr Wille und Galgenhumor als Heranwachsende und blutjunge Frau sind sehr gut herausgearbeitet. Auch die intuitive Schlagfertigkeit Gretchens, die sie sich in Anbetracht ihrer Demenz erhalten hat, ist schön ausgeführt. Am meisten berührt: In diesem emotionsgeladenen Roman ist es schwierig, die Ereignisse zu evaluieren. Besonders bewegend fanden wir die Szene, als der geliebte Vater völlig verändert endlich nachhause kommt. Vergleich Wolfgang Borcherts, „Draußen vor der Tür“ Auch der Sorgerechtsentzug von Marie, der kleinen Tochter Gretchens mit 4 Jahren. „Opa schlug ihr die aktuelle Ausgabe der Rhein-Neckar-Zeitung hin…Überschrift: Start in ein neues Leben- Acht Mischlingskinder auf dem Weg in eine glückliche Zukunft“ Nicht gefallen: Der Charakter Thomas‘ kommt in der Gruppe nicht gut an, zu sehr Macho, Lebemann mit Alkoholexzessen, Freizeitallüren. Ebenso die Flapsigkeit der Sprache, „Jesus-Verschnitt, Gas- Wasser- Scheiß-Heini“ findet keine Begeisterung. Die Ernsthaftigkeit bzw. Langlebigkeit des Verhältnisses von Jenny und ihm wird von der Gruppe angezweifelt. Viele Szenen scheinen unseren Teilnehmerinnen zu kurz angerissen, eventuell auch von der „Kultur des Schweigens“ der Nachkriegszeit herrührend. Fazit: Ein Roman, der viel Anlass zu Gesprächen und Diskussionen bietet und niemanden kalt lässt. – Wir würden es verschenken 😉

  • Wolf Haas: Eigentum | Mysite

    Klappentext: Wolf Haas: Eigentum Mein ganzes Leben lang hat mir meine Mutter weisgemacht, dass es ihr schlecht ging. Drei Tage vor dem Tod kam sie mit der Neuigkeit daher, dass es ihr gut ging. Es musste ein Irrtum vorliegen." Mit liebevoll grimmigem Witz erzählt Wolf Haas die heillose Geschichte seiner Mutter, die, fast fünfundneunzigjährig, im Sterben liegt. 1923 geboren, hat sie erlebt, was Eigentum bedeutet, wenn man es nicht hat. "Dann ist die Inflation gekommen und das Geld war hin." Für sie bedeutete das schon als Kind: Armut, Arbeit und Sparen, Sparen, Sparen. Doch nicht einmal für einen Quadratmeter war es je genug. zum Autor: Wolf Haas, Jahrgang 1960... Wikipedia zum Buch: Genre: Fiktion Verlag: Hanser Verlag erschienen: 2023 Seitenzahl: 156 zu unserer Lesekreis-Erfahrung:

  • Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt | Mysite

    Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt Klappentext: Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Türe geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätte Samuel seinem besten Freund OZ auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmaß seiner Entscheidung überblickt hätte? In "Unschärfe der Welt" verbinden sich die Lebenswege von sieben Personen, sieben Wahlverwandschaften, die sich trotz Schicksalschlägen und räumlichen Distanzen unaufhörlich aufeinander zubewegen. So entsteht vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein großer Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für das Glück eines anderen aufzugeben. Kunstvoll und höchst präzise lotet Iris Wolff die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache und Erinnerung aus - und von jenen Bildern, die sich andere von uns machen. Edit zur Autorin: Iris Wolff geboren 1977 in Hermannstadt, Siebenbürgen. Für ihre Romane wurde sie mehrfach ausgezeichnet... Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Roman, Gegenwartsliteratur erschienen im: Klett-Cotta Verlag herausgegeben: 2020 Seitenzahl: 213 unsere Lesekreis-Erfahrungen - bitte hier klicken Die 7 Kurzgeschichten beleuchten immer aus der Sicht einer anderen Person eine Familiensaga aus dem Siebenbürgern und Banat in dessen Zentrum ein alter rumänischer Pfarrhof steht. Sie spielen in der Zeit des 20. Jahrhunderts, von König Michael von Rumänien, der Auflösung des Ostblocks, des Endes des Diktators Ceausescu, bis ins wiedervereinigte Deutschland Die Episoden erzählt jeweils die Person, die miteinander verbunden bzw. verwandt sind. Personenkonstellationen: Generation, Karline + Johann, Eltern von Hannes Generation, Florentine + Hannes; Eltern von Samuel Generation Samuel + Stana Generation Livia, die Tochter von Samuel + Stana Der Protagonist, die Hauptfigur ist eindeutig Samuel, der als einziger nicht erzählt. Was hat uns gefallen: Die Sprache der Autorin ist sinnlich, intensiv und überaus poetisch, bewegt sie sich auf hohem Niveau. Ebenso weiß sie die Ironie einzusetzen, die Sprache ist dann frech, lebendig, bildhaft. „Geliehene Bücher waren wie Sex mit angelassenen Klamotten“ (Bene) In der Geschichte von Oz: „Der Sohn der Sonne liebte sein Volk…..(….) Das Genie der Karpaten lebte bescheiden.“ Die Beschreibung des Diktators und seiner Frau S.130-131 Was hat uns besonders berührt: Die starken Frauen des Buchs: „Was meinst du mit einheimisch? Schwäbisch, slowakisch, ungarisch, rumänisch, tschechisch, jüdisch oder vielleicht serbisch?“ Florentine S 113 „Die Erinnerung ist ein Raum mit wandernden Türen“ Karline S. 69 Beschreibung der Einsamkeit(en) „Es gab verschiedene Einsamkeiten. Die des Berges, der schon immer da war. Die der offenen Landschaft und des Gefühls des Verlorenseins. Die der Großstadt mit ihrer Gleichgültigkeit. …(…) " S. 159 Die Rolle des Zauberers Oz, im Buch Samuels Freund Oswald, der dem Drachen, dem Regime entkommen will. Die tragischen Eltern Ruth und Severin, die ihren Sohn Echo durch einen Unfall verloren Beschreibung der Erinnerung: "Es gab eine Zeit, die vorwärts eilte, und eine Zeit, die rückwärts lief. Eine Zeit, die im Kreis ging, und eine, die sich nicht bewegte, nie mehr war als ein einzelner Augenblick." S.41 Zum Buchtitel: "Etwas kann so oft, und eindrücklich erzählt werden, dass man meint, sich selbst daran zu erinnern… "S 183 Liv an anderer Stelle "wird etwas immer deutlicher, als sähe man durch blankes Glas. Je näher wir an etwas dran sind, desto unschärfer nehmen wir es wahr." Fazit: Dieses Buch KANN nicht nur einmal gelesen werden, so viele Metaphern, poetische Sätze, Verbindungen, Formulierungen, die bewegen, treffen, zum Verinnerlichen und Nachdenken, die sich verdauen lassen müssen. Von Metaphern aus der Welt der Zauberer, über die Illusion des Varietés bis hin zur Regime-Kritik, und zur Vielfalt des Regenbogens.- All das findet sich in diesem Werk. Francis Bacon: Manche Bücher darf man nur kosten, andre muss man verschlingen und nur wenige kauen und verdauen. .. und dazu die Autorin ;-) : Seite 175: "Jedes Buch hatte seine Zeit, es vorher lesen zu wollen, war töricht, es zu spät zu lesen, vergeblich. Eines der Gedichte fing den Gesang eines Vogels ein. Die Melodie sei im Baum, behauptete der Skeptiker. Die Poesie sagt, sie ist in dir. Das Ohr kleidete das Gehörte in hell und dunkle Farben."

  • Lesekreis-Erfahrungen Die hellen Tage | Mysite

    Lesekreis-Erfahrungen: Die hellen Tage: Kleine Einstimmung und freie Assoziation "Der hellen Tage", deren Geschichte in und um Heidelberg, später bis nach Rom führt ;-) Rom - mit freundlicher Genehmigung und zur Verfügung-Stellung von Frau Marliese Will Wie hat es uns gefallen? Ein Mut-Mach-Buch über das Erwachsenwerden mit immer wieder positiven Elementen und Wendungen des Lebens. In der Erzählung finden sich Alle wieder. Mit dem Aspekt des häufigen Draußen-Seins, bereichert durch die Wahrnehmung des Kindes, das alle Umstände noch heller, noch strahlender, glücklicher empfinden lässt. Die Geschichte beginnt mit der Kindheit in den 60er Jahren und endet um die Zeit des Mauerfalls. Sie lässt uns teilhaben am Erwachsenwerden, der Pubertät, dem Abschied vom Zuhause und dem Aufbruch zum Studium nach Rom und schließlich die Rückkehr. Inhaltlich geht es außerdem um Trauer, Verluste und Verlassenwerden, Verrat und Lügen. Wie finden wir die Beschreibungen? Bildreich und farbig, geradezu poetisch die Beschreibung der Farben, Stimmungen, Landschaften und die Gefühlswelten der Protagonisten. Dadurch fühlt man sich schnell in die Geschichte „mit hineingenommen“. Die Autorin berichtet mit viel Einfühlungsvermögen, jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger. Die Erzählperspektive hat Tagebuch-Charakter. Sie ist fortlaufend chronologisch, es wird nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart gewechselt. Welche der Figuren stehen uns am nächsten? Allen voran die unkonventionelle Evi, die mit all ihren Schrulligkeiten sehr liebenswert wirkt. Im Prinzip sind alle Figuren sympathisch, weil in ihrer Gefühlswelt nachvollziehbar, lediglich Ellen und Zigi könnte teilweise Egoismus unterstellt werden, was beide unsympathischer erscheinen lässt. Zigi gewinnt allerdings am Ende wieder an Sympathie, da er seine Bedürfnisse zugunsten von Evis Erkrankung hintenanstellt. Die weiblichen Figuren, insbesondere die Mütter, werden als starke Persönlichkeiten geschildert, die maßgebliche Stützen für andere sind. Zusammen flechten sie ein tröstliches Netzwerk, das die Kindheit und Problematik der besonderen Umstände auffängt und trägt. Unsere Lieblingsstellen / Zitate: Zitat Seri: „Wir laufen durch Kirchblüt, und alles ist anders, wir haben es verloren, so wie wir die Orte unserer Kindheit verlieren, zum 1. Mal, wenn wir keine Kinder mehr sind, und später noch einmal, wenn wir als Erwachsene zurückkehren und uns wundern wie sie wirklich aussehen“ „Wir hatten unsere Mütter, und trotz deren kleinen und großen wunden, die sie uns zufügten, klammerten wir uns an sie und hielten uns fest an ihren Händen, als könnten wir sonst umfallen, als könne uns etwas zustoßen, in der Zeit, in der wir Abschied nahmen von den vielen Dingen, die unsere Kindheit eingerahmt hatten“. Was hat am meisten berührt? Einig waren wir uns bei der Szene, in der Evi ihren Wunsch nach einer Grabinschrift äußert: „Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Schicksal zurück.“ Darüber hinaus haben uns viele unterschiedliche Szenen sehr stark berührt, weil man sich den Figuren durchwegs sehr nahe fühlt. Würden wir das Buch empfehlen? Das Buch würden wir in jedem Fall empfehlen und darüber hinaus auch verschenken, evtl. mit dem Hinweis, sich nicht von über mehreren Zeilen ausufernden Sätzen abschrecken zu lassen. – Wir befinden vom Buchhandel zu Recht als „Hochkaräter“ bezeichnet!

  • Lesekreis-Erfahrungen Lichtspiel | Mysite

    Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Das 1. Treffen im neuen Jahr nach der Winter-Feiertagspause. Daniel Kehlmann: Lichtspiel Wie aus dem Klappentext hervorgeht, steht die Geschichte eines berühmten Regisseurs, der auf der Höhe seines Erfolgs die letzten Stummfilme produzierte, im Vordergrund. Mit Fritz Lang und Friedrich Murnau war er der wichtigste Filmemacher der Weimarer Republik: G. W. Pabst Er, mit seiner Frau Trude (Gertrude) und seinem Sohn Jakob, ist eine der zentralen Hauptfiguren. Die Film-Industrie in Zeiten des Dritten Reiches wird „beleuchtet“, Abhängigkeit und Opportunismus der Branche, Konstellationen von Macht und Ohnmacht eindringlich dargestellt. Wie hat es uns gefallen : Hervorgehoben wird die Figurenvielfalt, der Perspektivenwechsel, die komplexe Struktur und Vielschichtigkeit. Im Roman gibt es keine Zeitsprünge. Die Ausnahme bildet der 2. Handlungsstrang, in dem die Erzählerfigur Franz Wilzek, der dement im Seniorenheim „Abendruh“ lebt, als alter Mann zurückblickt. Er war Pabst’s Kameramann und Assistent. In das erste und letzte Kapitel ist das Geschehen um Pabst und dessen letztes Filmprojekt "Molander" eingebettet. Anfang und Ende finden sich, Der Kreis der Geschichte schließt sich. Der Roman ist gegliedert in 3 Abschnitte: "Draußen" (USA/Frankreich), "Drinnen" (Drittes Reich) und "Danach" die erwähnte Rahmenhandlung. Was hat uns gefallen: Der Titel ist Inhalt und Metapher zugleich, lässt Raum für Wortspiele 😉: Schattenspiel, Schlaglicht, Blitzlicht, Lichtblick. Wie ein Regisseur nutzt der Autor filmtechnische Mittel: Beleuchtung, Schnitt, Perspektive, Montage, Kameraführung. Als „Einstieg“ ein Bonmot der leichteren Art, Seite 34: Im Draußen , Pabst ist in Hollywood, um die Sprache bemüht: „Kein Windhauch, erstarrt die Palmen ums Schwimmbecken…(…)..„Großartig, sagte Pabst. GREAT. Er wusste, dass das Wort immer bei den Amerikanern passt, genau wie es richtig ist, immer ihre Schuhe zu loben." Besonders beeindruckend fanden wir: ..die kafkaesk geschilderten Geschehnisse: unheimlich, rätselhaft und absurd. Übersteigerte oder verzerrte Perspektiven, expressionistische Raumgestaltung. alptraumhafte Episoden: Seite 159 ff Der Sturz Pabsts in der Bibliothek, wirft die Frage auf, ist er Pabsts Höhenangst anzulasten, oder hat wirklich der Hausmeister die Leiter gekippt . „Verzerrte Alltagsmomente": Seite 281 Gänge ohne Ende - Ein Labyrinth - Jakob steigt hinab in den dunklen Keller. - Die Erwartung einer Gestalt. Wessen Fantasie? - Seine, oder die des Lesers? “ Absurd bedrohlich: Das Böse, das Unheimliche als Instrument – wie das Ticken der Pendeluhr im Schloss , wenn das Zuhause kein Schutzort mehr ist, sondern ein Gefängnis. beklemmende Situationen: Die Anwesenheit des zwielichtigen Hausmeisters Jerzabeck mit seiner Familie, sie sorgen für Paranoia und Zwang, Furcht vor Denunziation. Besonders böse Satire: Pabst, in der Vergangenheit für seine sozialkritischen Filme berühmt, ist zum „Canossagang“ zu Goebbels gezwungen (im Roman am 1. April, …) Besonders berührt hat uns: Die Perspektive Jakobs, auf der Bahnfahrt nach Österreich, als er, ohne es benennen oder verstehen zu können, die Deportationen beobachtet. Seite 123 ff Die Abholung des Drehbuchautors Heuser, von zwei Gestapobeamten, und Trude, die das Drama nur akustisch, dennoch unbehaglich, mit Angst besetzt, erlebt. Seite 295 Diskutiert wurde: Kunst über alles? Abgründe unserer Zivilisation - Die persönliche Verantwortung in einer schwierigen Zeit. Im Drinnen: Seite 303 Pabst mit Trude : "Du hast recht, hat er schließlich gesagt. Aber nur halb. Denn all das geht vorbei. Aber die Kunst bleibt...(..) Selbst wenn sie bleibt, die...Kunst. bleibt sie nicht beschmutzt?" Wie viele moralische Kompromisse verträgt die große Kunst? (Kehlmann) »Weder in Frankreich noch in Amerika habe er so ungehindert arbeiten können! An diesem Punkt erschrak er normalerweise und sagte, dass es natürlich ein großes Unglück sei, hier festzusitzen.« Pabst erlebt Kognitive Dissonanz: Ignorieren, Verdrängen, Vergessen: Unangenehme Fakten aus dem Bewusstsein drängen, um das Spannungsgefühl kurzfristig zu senken. Sich des Systems bewusst, erklärt, rechtfertigt er sich selbst die Kompromisse, die er eingeht. Es gibt kein richtiges Leben im falschen – Unzuverlässige Erzählinstanz Die wiederholt geäußerte Kritik am unzuverlässigen Erzähler, sowie an der satirischen Darstellung prominenter Personen, wird auch bei uns deutlich, sobald historische Figuren bewusst fiktional verfremdet und satirisch verzerrt inszeniert werden. Eine Rezeption des Buches als Biografie greift zu kurz und wird der Perspektive „Dichtung und Wahrheit“ nicht gerecht. Hilfreich wäre vermutlich ein Vorwort, Nachwort gewesen, um die Wahrnehmung einer persönlichen Herabsetzung zu vermeiden. Zum Ende und Fazit: Die Existenz des Film-Projekts? „Molander“, von Wilzek durchgängig beharrlich geleugnet, geben wir nicht preis. Das Danach - Wir wollen nicht spoilern oder vorgreifen. Wurde es gedreht, geschaffen, unter diesen fürchterlichen Zu- wie Umständen? -- Dichtung oder Wahrheit 😉 Ein Buch, so intensiv, dass es eine Lesewiederholung verträgt.

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