
Suche Autor*in oder Titel
Results found for empty search
- Daniel Kehlmann: Lichtspiel | Mysite
Daniel Kehlmann: Lichtspiel Klappentext: Einer der Größten des Kinos, vielleicht der größte Regisseur seiner Epoche: Zur Machtergreifung dreht G.W. Pabst in Frankreich; vor den Gräueln des neuen Deutschlands flieht er nach Hollywood. Aber unter der blendenden Sonne Kaliforniens sieht der weltberühmte Regisseur mit einem Mal aus wie ein Zwerg. Nicht einmal Greta Garbo, die er unsterblich gemacht hat, kann ihm helfen. Und so findet Pabst sich, fast wie ohne eigenes Zutun, in seiner Heimat Österreich wieder, die nun Ostmark heißt. Die barbarische Natur des Regimes spürt die heimgekehrte Familie mit aller Deutlichkeit. Doch der Propagandaminister in Berlin will das Filmgenie haben, er kennt keinen Widerspruch, und er verspricht viel. Während Pabst noch glaubt, dass er dem Werben widerstehen, dass er sich keiner Diktatur als der der Kunst fügen wird, ist er schon den ersten Schritt in die rettungslose Verstrickung gegangen. zum Autor: Daniel Kehlmann, deutsch-österreichischer Autor.... Wikipedia zum Buch: Genre: Biografische Fiktion, historische Fiktion Verlag: Rowohlt Verlag erschienen: 2023 Seitenzahl: 480 (gebunden)
- Lesekreis-Erfahrungen Der Tod in Venedi | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Für Februar wählten wir einen literarischen Klassiker: Der Tod in Venedig von Thomas Mann. Ein vielfach interpretierter Text, intensiv rezipiert in Schule und Wissenschaft – Grund genug, diesmal vom herkömmlichen Referat abzuweichen. Unsere Besprechung zeigte eindrücklich die Vielschichtigkeit der Novelle. Die Beobachtungen und Diskussionen habe ich im Folgenden in Form eines „kriminalistischen Protokolls“ gebündelt. Kurzprotokoll zum Fall „von Aschenbach“ Schauplatz: Dekadentes, von Cholera bedrohtes Venedig – Symbol des Verfalls (1911, Jahr künstlerischer Aufbrüche, wie der Futurismus und expressionistische Strömungen) Beziehung: Einseitige, stumme Obsession Ton: Tragisch, morbide, subtil ironisch Fokus: Künstlerkrise und ästhetisch überhöhtes Begehren Ausgang: Tod des Protagonisten als letzte Konsequenz der Selbstentgrenzung Tatort: Venedig Venedig erscheint als schillernder, ambivalenter Schauplatz: verführerisch schön und zugleich von Verfall und Krankheit durchzogen. Die Stadt wirkt wie ein Labyrinth, das Aschenbach anzieht und moralisch wie physisch immer tiefer hineinzieht. Die verschwiegene Cholera wird zum Symbol einer doppelten Zersetzung – der äußeren (körperlichen) wie der inneren (ethischen). Venedig ist damit nicht nur Kulisse, sondern Mitakteur: Ort der Sinnlichkeit, der Täuschung und des Niedergangs. 2. Das Opfer : Gustav von Aschenbach 50 Jahre - Beziehungslosigkeit Der frühe Verlust seiner Familie hinterlässt ein existenzielles Vakuum. Seine Isolation ist selbstgewählt, er meidet jede zwischenmenschliche Verbindung. Seine Hinwendung zu Tadzio kann als verzweifelter Versuch gelesen werden, Lebendigkeit und Nähe zu erfahren – jedoch nur in Projektion. Die Unfähigkeit zu realer Beziehung verstärkt die innere Entfremdung. - Opfer der Gesellschaft ? Aschenbach ist geprägt von Disziplin, Pflichtbewusstsein und bürgerlicher Moral. In einer Zeit des kulturellen Umbruchs gerät dieses starre Wertesystem ins Wanken. Seine Faszination für Tadzio unterläuft die eigene Lebensmaxime und legt die Brüchigkeit seines Selbstbildes offen. - Opfer von Alter und Krankheit Von Beginn an ist Aschenbachs körperliche Schwäche präsent. Die Cholera spiegelt seinen inneren Verfall. Sein lebenslang kultivierter Verzicht auf Sinnlichkeit schlägt ins Gegenteil um: Die späte, maßlose Hingabe an ein jugendliches Ideal konfrontiert ihn schmerzhaft mit der eigenen Sterblichkeit. - Entwürdigung: Besonders eindrücklich ist hier die „Friseur-Szene“, der Moment, in dem Aschenbach sich endgültig von seiner ursprünglichen Würde und Selbstkontrolle verabschiedet und sich ganz im Gegensatz zu seinem früheren Bild der Welt der Gecken und Oberflächlichkeiten hingibt. 3. Der „Verdächtige“: Tadzio, 14-jähriger Knabe Tadzio erscheint als ästhetisches Ideal – als Projektionsfläche. Für Aschenbach ist er weniger reale Person als Sinnbild verlorener Jugend, unerreichbarer Schönheit und absoluter Form. In der berühmten Strandszene verdichtet sich diese Wahrnehmung: Tadzios Bewegungen wirken für Aschenbach wie die Erscheinung eines antiken Gottes – zugleich bleibt er ein Kind, unberührt von der Bedeutung, die ihm zugeschrieben wird. Die Beziehung existiert nur im Blick. Sie ist einseitig, stumm und vollständig imaginär. Gerade diese Unerreichbarkeit steigert Aschenbachs Obsession. Das Begehren bleibt ästhetisch überhöht – und moralisch brisant. Lesart: Tadzio als bewusster Verführer Gerade in der Strandszene scheint Tadzio den Blick Aschenbachs zu erwidern. Er bleibt nicht zufällig im Sichtfeld, er wendet sich, verharrt, lächelt vielleicht sogar andeutungsweise. Man könnte argumentieren: Er spürt die Bewunderung und genießt sie. In dieser Perspektive wird Tadzio zu einer fast mythischen Figur – einem Eros, der nicht naiv, sondern instinktiv agiert. Seine Jugend wäre dann keine Unschuld, sondern Macht. Eine Macht, die sich ihrer selbst nicht rational bewusst sein muss, aber intuitiv eingesetzt wird. Das Verführerische läge also nicht in berechnender Absicht, sondern in einer natürlichen Koketterie, einem Spiel mit Wirkung. Lesart:.Tadzio als unschuldiges Kind Alles, was über ihn hinausgeht, entsteht ausschließlich im Bewusstsein Aschenbachs. Die Blicke, die Gesten, die vermeintliche Erwiderung – sie sind Bedeutungszuschreibungen eines alternden Mannes, der verzweifelt nach Sinn sucht. In dieser Lesart existiert keine Verführung. Es gibt nur Wahrnehmung – und Fehlwahrnehmung. Tadzios Spiel am Strand ist einfach Spiel. Seine Bewegungen sind nicht Inszenierung, sondern kindliche Unbefangenheit. Dass sie wie antike Statuen erscheinen, sagt mehr über Aschenbachs Bildungswelt aus als über den Jungen selbst. Tadzio bleibt unberührt, vielleicht sogar ahnungslos. 4. Ausgang : Ein „gnädiger“ Tod? Am Ende steht kein dramatischer Höhepunkt, sondern ein leises Erlöschen, oder aber eine Form der Erlösung: Aschenbachs Tod tragische Konsequenz aus innerer Zerrissenheit und obsessiver Fixierung. Die Novelle verbindet Künstlerkrise, Pathologie des Begehrens und Motiv des Verfalls zu einem tragisch-morbiden, zugleich ironisch gebrochenen Gesamtbild. Schluss-Überlegung: Vielleicht liegt die eigentliche Tragik Aschenbachs nicht in seiner Obsession sondern darin, dass er nie gelernt hat mit Unvollkommenheit zu leben – weder mit der eigenen noch mit der der Welt. Und so wird aus der Suche nach vollendeter Form am Ende der Verlust jeder Form.
- Thomas Mann: Der Tod in Venedig | Mysite
Unser Lesekreis-Klassiker: Thomas Mann – Der Tod in Venedig Im grauen Februar kehren wir zu einem vertrauten Klassiker zurück: Thomas Manns Erzählung vom Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der in Venedig zwischen Disziplin und Begehren, Kunstideal und Selbstverlust ins Wanken gerät. Eine dichte, zeitlose Novelle über Verführung, Vergänglichkeit und die gefährliche Nähe von Schönheit und Verfall. zum Autor: Thomas Mann (1875–1955) war ein deutscher Schriftsteller und einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Geboren in Lübeck, stammte er aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, deren Niedergang er literarisch in seinem frühen Erfolgsroman „Buddenbrooks“ (1901) verarbeitete. Für dieses Werk erhielt er 1929 den Nobelpreis für Literatur. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen außerdem „Der Zauberberg“, „Joseph und seine Brüder“, „Doktor Faustus“ und „Der Tod in Venedig“. Manns Werk verbindet psychologische Feinzeichnung, Gesellschaftskritik und philosophische Reflexion. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ging Thomas Mann ins Exil, zunächst in die Schweiz, später in die USA. Er engagierte sich öffentlich gegen das NS-Regime und setzte sich für Demokratie und Humanismus ein. Thomas Mann starb 1955 in Zürich. zum Buch: erschienen: 1911
- Lesekreis-Erfahrungen Lichtspiel | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Das 1. Treffen im neuen Jahr nach der Winter-Feiertagspause. Daniel Kehlmann: Lichtspiel Wie aus dem Klappentext hervorgeht, steht die Geschichte eines berühmten Regisseurs, der auf der Höhe seines Erfolgs die letzten Stummfilme produzierte, im Vordergrund. Mit Fritz Lang und Friedrich Murnau war er der wichtigste Filmemacher der Weimarer Republik: G. W. Pabst Er, mit seiner Frau Trude (Gertrude) und seinem Sohn Jakob, ist eine der zentralen Hauptfiguren. Die Film-Industrie in Zeiten des Dritten Reiches wird „beleuchtet“, Abhängigkeit und Opportunismus der Branche, Konstellationen von Macht und Ohnmacht eindringlich dargestellt. Wie hat es uns gefallen : Hervorgehoben wird die Figurenvielfalt, der Perspektivenwechsel, die komplexe Struktur und Vielschichtigkeit. Im Roman gibt es keine Zeitsprünge. Die Ausnahme bildet der 2. Handlungsstrang, in dem die Erzählerfigur Franz Wilzek, der dement im Seniorenheim „Abendruh“ lebt, als alter Mann zurückblickt. Er war Pabst’s Kameramann und Assistent. In das erste und letzte Kapitel ist das Geschehen um Pabst und dessen letztes Filmprojekt "Molander" eingebettet. Anfang und Ende finden sich, Der Kreis der Geschichte schließt sich. Der Roman ist gegliedert in 3 Abschnitte: "Draußen" (USA/Frankreich), "Drinnen" (Drittes Reich) und "Danach" die erwähnte Rahmenhandlung. Was hat uns gefallen: Der Titel ist Inhalt und Metapher zugleich, lässt Raum für Wortspiele 😉: Schattenspiel, Schlaglicht, Blitzlicht, Lichtblick. Wie ein Regisseur nutzt der Autor filmtechnische Mittel: Beleuchtung, Schnitt, Perspektive, Montage, Kameraführung. Als „Einstieg“ ein Bonmot der leichteren Art, Seite 34: Im Draußen , Pabst ist in Hollywood, um die Sprache bemüht: „Kein Windhauch, erstarrt die Palmen ums Schwimmbecken…(…)..„Großartig, sagte Pabst. GREAT. Er wusste, dass das Wort immer bei den Amerikanern passt, genau wie es richtig ist, immer ihre Schuhe zu loben." Besonders beeindruckend fanden wir: ..die kafkaesk geschilderten Geschehnisse: unheimlich, rätselhaft und absurd. Übersteigerte oder verzerrte Perspektiven, expressionistische Raumgestaltung. alptraumhafte Episoden: Seite 159 ff Der Sturz Pabsts in der Bibliothek, wirft die Frage auf, ist er Pabsts Höhenangst anzulasten, oder hat wirklich der Hausmeister die Leiter gekippt . „Verzerrte Alltagsmomente": Seite 281 Gänge ohne Ende - Ein Labyrinth - Jakob steigt hinab in den dunklen Keller. - Die Erwartung einer Gestalt. Wessen Fantasie? - Seine, oder die des Lesers? “ Absurd bedrohlich: Das Böse, das Unheimliche als Instrument – wie das Ticken der Pendeluhr im Schloss , wenn das Zuhause kein Schutzort mehr ist, sondern ein Gefängnis. beklemmende Situationen: Die Anwesenheit des zwielichtigen Hausmeisters Jerzabeck mit seiner Familie, sie sorgen für Paranoia und Zwang, Furcht vor Denunziation. Besonders böse Satire: Pabst, in der Vergangenheit für seine sozialkritischen Filme berühmt, ist zum „Canossagang“ zu Goebbels gezwungen (im Roman am 1. April, …) Besonders berührt hat uns: Die Perspektive Jakobs, auf der Bahnfahrt nach Österreich, als er, ohne es benennen oder verstehen zu können, die Deportationen beobachtet. Seite 123 ff Die Abholung des Drehbuchautors Heuser, von zwei Gestapobeamten, und Trude, die das Drama nur akustisch, dennoch unbehaglich, mit Angst besetzt, erlebt. Seite 295 Diskutiert wurde: Kunst über alles? Abgründe unserer Zivilisation - Die persönliche Verantwortung in einer schwierigen Zeit. Im Drinnen: Seite 303 Pabst mit Trude : "Du hast recht, hat er schließlich gesagt. Aber nur halb. Denn all das geht vorbei. Aber die Kunst bleibt...(..) Selbst wenn sie bleibt, die...Kunst. bleibt sie nicht beschmutzt?" Wie viele moralische Kompromisse verträgt die große Kunst? (Kehlmann) »Weder in Frankreich noch in Amerika habe er so ungehindert arbeiten können! An diesem Punkt erschrak er normalerweise und sagte, dass es natürlich ein großes Unglück sei, hier festzusitzen.« Pabst erlebt Kognitive Dissonanz: Ignorieren, Verdrängen, Vergessen: Unangenehme Fakten aus dem Bewusstsein drängen, um das Spannungsgefühl kurzfristig zu senken. Sich des Systems bewusst, erklärt, rechtfertigt er sich selbst die Kompromisse, die er eingeht. Es gibt kein richtiges Leben im falschen – Unzuverlässige Erzählinstanz Die wiederholt geäußerte Kritik am unzuverlässigen Erzähler, sowie an der satirischen Darstellung prominenter Personen, wird auch bei uns deutlich, sobald historische Figuren bewusst fiktional verfremdet und satirisch verzerrt inszeniert werden. Eine Rezeption des Buches als Biografie greift zu kurz und wird der Perspektive „Dichtung und Wahrheit“ nicht gerecht. Hilfreich wäre vermutlich ein Vorwort, Nachwort gewesen, um die Wahrnehmung einer persönlichen Herabsetzung zu vermeiden. Zum Ende und Fazit: Die Existenz des Film-Projekts? „Molander“, von Wilzek durchgängig beharrlich geleugnet, geben wir nicht preis. Das Danach - Wir wollen nicht spoilern oder vorgreifen. Wurde es gedreht, geschaffen, unter diesen fürchterlichen Zu- wie Umständen? -- Dichtung oder Wahrheit 😉 Ein Buch, so intensiv, dass es eine Lesewiederholung verträgt.
- Wir lesen gerade: | Mysite
Ariel Lawhon: Der gefrorene Fluss Maine, 1789: Als der Kennebec River zufriert und die Leiche eines toten Mannes im Eis sichtbar wird, soll Martha Ballard den Leichnam untersuchen und die Todesursache feststellen. Als Hebamme und Heilerin ist sie in vieles eingeweiht, was sich hinter verschlossenen Türen in der Kleinstadt Hallowell abspielt. Ihr Tagebuch ist eine Aufzeichnung aller Geburten und Todesfälle, Verbrechen und Debakeln, die sich in der engen Gemeinschaft ereignen. Monate zuvor dokumentierte Martha die Einzelheiten einer angeblichen Vergewaltigung, die von zwei der angesehensten Herren der Stadt begangen wurde - einer von ihnen wurde nun tot im Eis aufgefunden. So ist Martha sich sicher, dass sie es hier mit einem Mord zu tun hat. Doch ein örtlicher Arzt widerlegt ihre Schlussfolgerung und erklärt den Tod für einen Unfall. Martha ist entschlossen, den schockierenden Mord auf eigene Faust zu untersuchen. Im Laufe eines Winters, während der Prozess näher rückt und Gerüchte und Vorurteile zunehmen, ist Martha beharrlich auf der Suche nach der Wahrheit. Ihr Tagebuch gerät bald in den Mittelpunkt des Skandals, verwickelt diejenigen, die sie liebt, in die Sache und zwingt Martha, zu entscheiden, wo ihre eigene Loyalität liegt. Klappentext zur Autorin: Ariel Lawhon, 1978 geboren, ist eine US-amerikanische Autorin historischer Romane zum Buch: erschienen: 2025 Übersetzerin: Rena Ziehneret Verlag: Adrian Verlag Genre: Historisch, Biografische Fikton Seitenanzahl : 496
- Janet Frame: Ein Engel an meiner Tafel | Mysite
Janet Frame: Ein Engel an meiner Tafel Klappentext: Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Lilian Faschinger. Janet Frames autobiografischer Roman erzählt die Lebensgeschichte einer der eigenwilligsten Autorinnen der Weltliteratur. Die junge Janet Frame wächst unter ärmlichen und tragischen Umständen an der Küste Neuseelands auf: ihr Bruder erkrankt an Epilepsie, und ihre beiden Schwestern ertrinken bei Badeausflügen. Nach einem Selbstmordversuch in die Psychiatrie eingeliefert, rettet die junge Autorin nur wenige Tage vor einer geplanten Hirnoperation ein Literaturpreis, und sie wird nach acht Jahren entlassen. "Ein Engel an meiner Tafel" liefert den Beweis für die lebensspendende Kraft der Literatur, erzählt von einer Autorin, die ihr Leben dem Schreiben widmete und bis zum Ende aus dieser Kraft schöpfte. zum Autor: Janet Frame... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Autobiographie Original-Verlag: C.H.Beck erschienen: 2012 Seitenzahl: 288 aus dem Englischen von Lilian Faschinger zur Lesekreis-Erfahrung Der Klappentext lässt eine besondere Gemeinsamkeit mit unserem letzten Buch erkennen: Die Protagonisten sind äußerst tragische Figuren, die ihre Emotionen nicht zulassen können. Der Roman ist eine Autobiographie, also vom Standpunkt der Verfasserin erzählt. Es ist ein trauriges Buch Janets Geschichte, wenn auch mit positivem Ausgang. Die Autorin schreibt nüchtern und knapp, ohne Schnörkel, es sind die Metaphern in ihren Gedichten, die die Gefühlswelt widerspiegeln und sich ebenfalls im Werk befinden. Tod der Mutter Seite 236: „….die Dezembersonne, glühendste Todesanwältin, in diesem ihrem dreiundsechzigsten Jahr(…)“ Schon die Kindheit beginnt tragisch, in einer Familie in ärmsten Verhältnissen. Der Bruder leidet an schweren Epilepsie-Anfällen, und 2 ihrer Schwestern werden bei Bade-Unfällen unabhängig voneinander aus dem Leben gerissen. In ihrer Studienzeit fällt die furchtbare Fehldiagnose Schizophrenie, derentwegen sie acht Jahre lang unter entsetzlichen Bedingungen weggesperrt wurde. Wie hat es uns gefallen: Wir empfanden als Leser oft die Ängste ihrer Wahrnehmung und die damit verbundenen Einflüsse auf ihr Gemüt befremdlich. Sie scheint eingeschlossen In ihrem Kokon aus Einsamkeit, grenzenloser Naivität, Scham und Schüchternheit. Schwierig ist ihre soziale Phobie, Angst vor alltäglichen Situationen nachzuempfinden. Seite 27: „Viel von meiner Zeit und meinen Erfahrungen als Studentin ist mir heute verschlossen (…)...Ich hatte keinen Begriff vom Ausmaß meiner Einsamkeit. Ich klammerte mich an die Werke der Literatur, wie ein Kind sich an seine Mutter klammert.“ Sie erscheint uns oft sehr herb, fast herzlos. Das emotionslose Schildern der Erlebnisse lässt keine Bilder aufsteigen, nur Verwunderung und kommt manchmal einer Aufreihung der Tätigkeiten oder Ereignisse sehr nahe. Beispiele: Sehr unverständlich das Verhältnis, der Umgang mit der Mutter, ihre Einschätzung der Liebe ihrer Mutter: „so herzlos wie sie möchte sie nie sein.“ Seite 227: „ich komme nie mehr zurück nach Willowglen. Meine Worte waren verletzend und ich wusste es.“ Seite 233: „Niemand erwartete von mir, dass ich an Mutters Begräbnis teilnahm.; ich erfüllte die Erwartungen meiner Familie, indem ich mich nicht dazu imstande fühlte.“ Wir empfanden als besonders berührend: Ihr fehlendes Selbstwertgefühl, die Schwermut, Wer glaubt an mich ? Seite 156:“Statt mich einer Lobotomie zu unterziehen, wurde ich als Person mit einem gewissen Wert behandelt, als menschliches Wesen…„ Seite 158: „Nola starb vor wenigen Jahren im Schlaf. Das Vermächtnis ihrer entmenschlichenden Veränderung lebt zweifellos weiter in allen, die sie kannten, ich trage es für immer in mir." Seite 273:“ .. das Land verlassen…(…) aus einem Land zu fliehen, in dem meine Andersartigkeit , die in meinem Wesen lag, und selbst mein Wunsch zu schreiben..(..) als Anzeichen von Abnormalität betrachtet wurden.“ …(..) Wir sprachen über: Die furchtbaren Behandlungsmethoden der damaligen Zeit, wo Janet durch die Fehldiagnose Schizophrenie über 200 Elektroschock-Behandlungen erleiden musste. Seitens der Eltern fanden wir positiv bemerkenswert, dass sie in den 40er Jahren trotz Armut, als junge Frau studieren durfte. Die Ambivalenz ihrer Person: Seite 89: „Innerlich lächelte ich überheblich. Von wegen Begabung für das Schreiben! Das Schreiben würde mein Beruf werden.“ Seite 31: „Meine Unzufriedenheit mit meinem Zuhause und meiner Familie war groß. Die Unwissenheit meiner Eltern machte mich wahnsinnig.“ Seite 30: „..wenn ich die Münzen einwarf. Ich starb beinahe vor Scham.“ Seite 36: „Nur drei oder vier Mal war ich kühn genug, mir ein Exemplar des Critic zu nehmen“… Seite 48: „…bei der Vorstellung, mit Isabell ‚zurande kommen‘ zu müssen, überfiel mich Panik" Zum Buchtitel: Ein Engel...: Ein Schutzengel?, der sie im quasi letzten Augenblick vor der Lobotomie bewahrte?; oder: Der „Retter“ (Engel) Frank Sargeson: Seite 208 „Der Preis, den ich für den Aufenthalt in der Militärbaracke zahlte, war das Bewusstsein der Wertlosigkeit meines Körpers. (…) Im Austausch gegen diese mangelnde Selbstachtung als Frau gewann ich ein Leben, wie ich es mir gewünscht hatte." Fazit: Nichts ist umsonst, sie zahlte einen hohen Preis. Eine Frau, deren Obsession das Schreiben war, das sie als Dreh- und Angelpunkt in ihrem Leben empfand. Vergleich: Besonders eindrücklich mit poetischen Bildern ist die Trilogie des Lebens von Janet Frame adaptiert in dem preisgekrönten Film von Jane Campion, den wir sehr empfehlen. 😉
- Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb | Mysite
Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb Klappentext: Stevens dient als Butler in Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Peron: Niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Er stellt sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herrn. Auch die vorsichtigen Annäherungsversuche von Miss Kenton, der Haushälterin, weist er brüsk zurück. Viele Jahre lang lebt er ergeben in seiner Welt, bis ihn eines Tages die Vergangenheit einholt. Das kritische Porträt einer von Klassen und Hierachien geprägten Gesellschaft und eine bittersüße Liebesgeschichte, erzählt von einem, der seinen Stand nie hinterfragt und der nie auch nur geahnt hat, dass er liebte. zum Autor: Kazuo Ishigiguro... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: historischer Roman Original-Verlag: Blessing erschienen: 1989 Seitenzahl: 288 aus dem Englischen von Hermann Stiehl Lesekreis-Erfahrung The Remains of the Day, Was vom Tage übrig blieb, ist ein historischer Roman, die Handlung und Personen des Werks sind fiktiv, die Ereignisse geschichtlich nachgewiesen. Während einer 6-tägigen Reise, die Butler Stevens nach 30 Jahren Dienst 1956 unternimmt, ist es wahrscheinlich die 1. Selbstreflexion, die er zulässt. Die Reise fasst er selbst als Dienstreise auf, um die ehemalige Hauswirtschafterin Mrs. Kenton zurückzuholen, wie er insgeheim hofft. Erstmalig gelingt es ihm, die Schönheit seines Landes zu erkennen und genießen, während er in Rückblenden die vergangenen Jahre betrachtet: Seite 41: 1. Tag der Reise Salisbury 1956, „es war in der Tat ein schönes Gefühl, dort oben zu stehen, umsummt von den Klängen des Sommers und umweht von einer leichten Brise“ dem gegenüber: Seite 17: „Es war mir vergönnt, Sir, im Laufe der Jahre innerhalb dieser Mauern das Beste von England zu sehen.“ 😉 Wie hat es uns gefallen: Es ist ein feinsinniges und getragenes Buch, keine leichte Kost, von wunderbarer Sprache. Die Figuren sind überaus lebendig gezeichnet und die Reisebetrachtungen Englands stimmungsvoll . Das Motiv WÜRDE zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk, insbesondere die Festlegung der Butler-Würde, wie sie von Stevens, überliefert durch seinem Vater, nicht nur verstanden und verinnerlicht, sondern auch gelebt wird. Hauptakteure, ihre Charakter und Konstellationen: Mr. Stevens, seit über 30 Jahren oberster Butler von Darlington Hall, fühlt sich als Hüter des Hauses, mit Ernsthaftigkeit und eiserner Disziplin ist er präzise, ordentlich und pflichtbewusst. Für Spaß und Ironie fehlt ihm der Sinn. Er ist ein Gefangener der anerzogenen bzw. (seines Vaters) übertragenen Überzeugungen bis zur Selbstaufgabe. In seinem Berufsverständnis eines „Großen Butlers“, geht es ihm um Professionalität. In seiner rationalen Gedankenwelt kann er lange seine Gefühle für Miss Kenton nicht zugeben. Miss Kenton: Sie verließ Darlington Hall vor 20 Jahren, um zu heiraten, ist emotional und sagt, was sie denkt - selbstbewusst und streitbar - und sie war in Mr. Stevens verliebt. Lord Darlington ist zu Beginn des Romans bereits verstorben….- in unehrenhaftem Andenken in der Bevölkerung Ein Great Britain Gentlemen des Establishments - Very britisch: Höflich, ordentlich und strukturiert, lädt zu Konferenzen mit britischen und nationalsozialistischen Politikern ein, vielleicht naiv…Den fragwürdigen Charakter dieser Treffen ignoriert Mr. Stevens vollständig. Er hält auch später daran fest, dass Lord Darlington in gutem Glauben (ein ehrenhafter Gentlemen!) gehandelt hat …“er war wirklich kein schlechter Mensch…“ -Das Schweigen der Hinterbliebenen- Mr. Farraday, neuer Besitzer von Darlington Hall und damit Dienstherr Mr. Stevens, ist Amerikaner, offen, unverkrampft und unkompliziert. Er bevorzugt laut Mr. Stevens eine Art der leichten, humorvollen Konversation! 😉 Farraday beobachtet belustigt /kritisch die steife, beherrschte Art von Mr. Stevens, und versucht, ihn zu Reaktionen oder Meinungsäußerungen zu ermuntern. Uns hat gestört: Neben seinem Beruf hat Stevens kaum Interessen. Dazu ist er kein zuverlässiger Erzähler. Er verleugnet sich selbst, seine Gefühle. Alle Schilderungen der Ereignisse werden aus seiner Sicht erzählt, die verbrämt ist, durch seine absolute Loyalität gegenüber Lord Darlington. Besonders berührt hat uns: …Als nicht einmal beim Tod seines Vaters sich Stevens Emotionen erlaubt. Er unterdrückt das Eingestehen seines großen Verlustes. Seite 135: „Stevens, fehlt Ihnen etwas?“…(…)“Es tut mir leid, Sir. Die Spuren eines anstrengenden Tages“. Die Eindrucksvolle Szene, die die Resignation, Ausweglosigkeit der Angestellten offenbart: Miss Kenton, der trotz anderer Denkweise nichts übrigbleibt, als zu akzeptieren, dass die beiden jüdischen Dienstmädchen entlassen werden. Eine Maßnahme wie die Kündigung ihrerseits, hätte für sie selbst ein Existenzproblem geschaffen. ..die Erkenntnis Stevens des Fortschreitenden Alters. Seite 285: „Ich gab ihm das Beste, das ich zu geben hatte, und jetzt – nun, jetzt sehe ich, dass nicht mehr viel übrig ist, was ich noch geben kann.“… …die Bitternis für Stevens, zu begreifen, dass die Sinndeutung der Werte, die er für unerlässlich hält, ihn daran hinderte, etwas für sich in Anspruch nehmen zu können, indem er Miss Kenton nicht nur aus dem Haus, sondern in die Arme eines anderen Mannes getrieben hat. Die Verabschiedung von Miss Kenton /Ms.Benn Seite 281: „Schließlich kann man die Uhr nicht mehr zurückdrehen….(….).. in diesem Augenblick brach mir das Herz.“ wir sprachen über: Klassendenken, Hierarchien, Privilegierte Die gesellschaftlichen Verhältnisse Englands in den 30er Jahren, die Vorherrschaft von "Tradition und Ordnung". Moral der High Society, reich, arrogant, einflussreich Seite 49: Die WAHRE gute Gesellschaft,… und die WAHREN Herrschaftshäuser Wie die Würde des Butler, ist auch die Definition eines englischen Gentlemen und dessen Würde festgeschrieben: nobler Instinkt und Ehre Fazit: Erschütternd am Ende: Nichts gelernt!! Seinem neuem Dienstherrn will sich Mr. Stevens durch „antrainierten“ Humor und Schlagfertigkeit anbiedern . Porträt eines GROSSEN Butlers: Ein Mann, dessen letzter Halt die Form, der Stil ist. .
- Lesekreis-Erfahrungen Umlaufbahnen | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Umlaufbahnen von Samantha Harvey Der Klappentext des Romans ist die Handlung, der Plot. Beschrieben wird ein Erden-Tag an Bord des Raumschiffs, mit einer multinationalen Raumfahrer Crew. 400 Kilometer über der Erde umkreisen sie diese, mit 16 Sonnenauf-, und 16 -untergängen. Die Crew besteht aus sechs Menschen, zwei Frauen, Nell und Chie, Nell ist Engländerin und Chie Japanerin. Die 4 Männer sind zwei russische Kosmonauten, Anton und Roman, ein Italiener Pietro, und ein US-Amerikaner. …und für Forschungszwecke sind 40 Mäuse „Der gesamte Globus ist unter ihnen vorbeigerollt und wird weiter vorbeirollen.“ Der Tag ist bestimmt von der Routine der Aufgaben, wie Untersuchungen und Dokumentationen für ihren Forschungsbereich: Mikrobiologische Forschung / Gesundheitsüberwachung; biologische Experimente zu Pflanzen- und Tierentwicklung in Schwerelosigkeit. Wie hat es uns gefallen: Als Roter Faden des Romans wird der Taifun angesehen, der sich über den Westpazifik Richtung Indonesien und die Philippinen schiebt.. „Ein dramenloses Buch“, die Kosmonauten sind lediglich Beobachter, verstehen sich als „Frühwarnsysteme“, schicken ihre Fotos. „Sie haben keine Macht über den Sturm- sie haben nur ihre Kameras und das Privileg eines besorgten ersten Blicks auf seine sich zusammenbrauende Pracht.“ Die Poesie der Sprache und die Liebe zur Erde klingt immer wieder an: „Erde – Ihre Schönheit hallt wider – ihre Schönheit ist ihr Widerhall, ihre klingende singende Leichtigkeit (….) Sie ist aus Stein, wirkt von hier aus aber, als wäre sie aus Licht und Äther erschaffen“. „Gedanken über die Fragilität der Erde, eine Mutter, die auf die Rückkehr ihrer Kinder wartet, voller Geschichten und Verzückung und Sehnsucht." Die farbensatte Darstellung des Blicks aus dem All ist sehr beeindruckend: „Und dann dieser erste verblüffende Anblick der Erde, ein großer Brocken Turmalin, nein eine Zuckermelone, ein Auge, eine lila weiß magenta orange.mandel.mauve-farbende zerbeulte reliefreiche Pracht. „ Teilweise wurde das Buch nicht nur als ruhig, sondern auch als beruhigend, kontemplativ und meditativ wahrgenommen. Gleichzeitig wurden die Gespräche der Kosmonauten von einigen als zu oberflächlich und wenig sinnstiftend bewertet, die Einschätzungen waren unterschiedlich. Dieser Eindruck steht vermutlich im Zusammenhang mit den besonderen Lebensbedingungen im All. Enge und Gleichförmigkeit prägen den Alltag, Rückzugsräume existieren kaum, und nahezu alles geschieht unter den Augen der anderen. Entsprechend zurückgenommen wirken die Emotionen der Raumfahrer. Die Kommunikation kreist daher häufig um die Banalitäten des Alltags – etwa um kulturell geprägte Ernährungspräferenzen oder die Aufrechterhaltung der körperlichen Fitness durch Training. So beispielsweise auch die Fürsorge um die seelische Balance der Crew : S. 121: „Für das Gleichgewicht ist es besser, nicht die Nachrichten zu verfolgen“. Sie befinden sich im Spannungsfeld zwischen Isolation und Verbundenheit : Seite 7: „ So einsam sind sie in ihrem um die Erde kreisenden Raumschiff, und gleichzeitig einander so nah, dass ihre Gedanken, ihre individuellen Mythologien zusammenfinden“ die Erfahrung von Einsamkeit und Nähe zugleich. „Die Astronauten kreisen endlos im All, von Erde und der Menschheit getrennt. Alles scheint aus der kosmischen Distanz bedeutungslos.“ Was hat uns gestört: Die detaillierte Aufzählung der überflogenen Orte wirkte teilweise sehr umfangreich und erinnerte stellenweise an eine kleine Geografie Stunde. Was hat uns besonders berührt: Die Zurückhaltung und Kontrolle der Emotionen in diesem „Mini-Universum“. Chie, die die Nachricht vom Tod ihrer Mutter während der Mission erhält. Pietro, der sich um den Taifun sorgt, da er mit einem philippinischen Fischer und seiner Familie befreundet ist. „Unsere Leben hier sind unbeschreiblich banal und bedeutsam zugleich. Monoton und gleichzeitig noch nie dagewesen. Wir sind wichtig und völlig unwichtig“ Die Perspektiven: S. 123:“ Aus ihrer Perspektive ist der Einfluss der Politik so offensichtlich, (…….) Langsam erkennen sie die Politik des Hungers, …..des Wachstum und Erwerbs….. (….) Der Planet ist von der schier unglaublichen Kraft des menschlichen Verlangens geformt, die alles verändert hat : Die Wälder, die Pole, die Wasserspeicher, die Gletscher die Flüsse die Meere die Berge, die Küstenlinien, die Himmel, (…..).“ „“Willkommen im Spiegellabyrinth des menschlichen Lebens.“ Angeregt durch die Frage, um wen es auf der Postkarte von Velázquez’ Las Meninas, die Pietro bei sich trägt, eigentlich geht und wer hier wen betrachtet, entscheidet sich Pietro für den Hund. …. „Ein Tier, umgeben von der Wunderlichkeit der Menschen(….)..mit ihren Posen, seltsamen Manschetten und Rüschen, den Spiegeln. (…) all die Wege die sie finden keine Tiere zu sein“(….) gefangen in einem Netz aus Eitelkeiten“. Philosophie der Evolution, in der wir glauben, wir sind die großartigen geniale Wesen. 😉 Gespräch Shaun / Pietro: S. 172 „Shaun: in dieser neuen Ära der Raumfahrt, wie schreiben wir die Zukunft der Menschheit? Die Zukunft der Menschheit? fragt Pietro. Jep. Wie schreiben wir sie? Mit dem vergoldeten Füller von Milliardären würde ich sagen. „ S.175: „Mehr steckt nicht hinter dem großen menschlichen Streben, den Weltraum zu erkunden, denkt er. Tiere, die auf der Suche nach neuem Lebensraum auf Wanderung gehen.“(……)„Vielleicht sind wir die neuen Dinosaurier und müssen uns in Acht nehmen.“ - nur schön: S.174: „wie schreiben wir die Zukunft der Menschheit? Wir schreiben gar nichts, sie schreibt uns. Wir sind vom Wind aufgewirbeltes Laub. Wir denken, wir wären der Wind, aber wir sind nur die Blätter“. Fazit: Als Protagonistin wurde von uns die Erde „gekürt“. ;-) In fast jedem Satz spürt man die Verbundenheit und Empathie der Autorin mit der Erde.
- Lesekreis-Erfahrungen was vom Tage übrig | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Kazuo Ishiguro: was vom Tage übrig blieb, herausgegeben 1989: The Remains of the Day, Was vom Tage übrig blieb, ist ein historischer Roman, die Handlung und Personen des Werks sind fiktiv, die Ereignisse geschichtlich nachgewiesen. Während einer 6-tägigen Reise, die Butler Stevens nach 30 Jahren Dienst 1956 unternimmt, ist es wahrscheinlich die 1. Selbstreflexion, die er zulässt. Die Reise fasst er selbst als Dienstreise auf, um die ehemalige Hauswirtschafterin Mrs. Kenton zurückzuholen, wie er insgeheim hofft. Erstmalig gelingt es ihm, die Schönheit seines Landes zu erkennen und genießen, während er in Rückblenden die vergangenen Jahre betrachtet: Seite 41: 1. Tag der Reise Salisbury 1956, „es war in der Tat ein schönes Gefühl, dort oben zu stehen, umsummt von den Klängen des Sommers und umweht von einer leichten Brise“ dem gegenüber: Seite 17: „Es war mir vergönnt, Sir, im Laufe der Jahre innerhalb dieser Mauern das Beste von England zu sehen.“ 😉 Wie hat es uns gefallen : Es ist ein feinsinniges und getragenes Buch, keine leichte Kost, von wunderbarer Sprache. Die Figuren sind überaus lebendig gezeichnet und die Reisebetrachtungen Englands stimmungsvoll . Das Motiv WÜRDE zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk, insbesondere die Festlegung der Butler-Würde, wie sie von Stevens, überliefert durch seinem Vater, nicht nur verstanden und verinnerlicht, sondern auch gelebt wird. Hauptakteure, ihre Charakter und Konstellationen: Mr. Stevens , seit über 30 Jahren oberster Butler von Darlington Hall, fühlt sich als Hüter des Hauses, mit Ernsthaftigkeit und eiserner Disziplin ist er präzise, ordentlich und pflichtbewusst. Für Spaß und Ironie fehlt ihm der Sinn. Er ist ein Gefangener der anerzogenen bzw. (seines Vaters) übertragenen Überzeugungen bis zur Selbstaufgabe. In seinem Berufsverständnis eines „Großen Butlers“, geht es ihm um Professionalität. In seiner rationalen Gedankenwelt kann er lange seine Gefühle für Miss Kenton nicht zugeben. Miss Kenton: Sie verließ Darlington Hall vor 20 Jahren, um zu heiraten, ist emotional und sagt, was sie denkt - selbstbewusst und streitbar - und sie war in Mr. Stevens verliebt. Lord Darlington ist zu Beginn des Romans bereits verstorben….- in unehrenhaftem Andenken in der Bevölkerung Ein Great Britain Gentlemen des Establishments - Very britisch: Höflich, ordentlich und strukturiert, lädt zu Konferenzen mit britischen und nationalsozialistischen Politikern ein, vielleicht naiv… Den fragwürdigen Charakter dieser Treffen ignoriert Mr. Stevens vollständig. Er hält auch später daran fest, dass Lord Darlington in gutem Glauben (ein ehrenhafter Gentlemen!) gehandelt hat …“er war wirklich kein schlechter Mensch …“ -Das Schweigen der Hinterbliebenen- Mr. Farraday , neuer Besitzer von Darlington Hall und damit Dienstherr Mr. Stevens, ist Amerikaner, offen, unverkrampft und unkompliziert. Er bevorzugt laut Mr. Stevens eine Art der leichten, humorvollen Konversation! 😉 Farraday beobachtet belustigt /kritisch die steife, beherrschte Art von Mr. Stevens, und versucht, ihn zu Reaktionen oder Meinungsäußerungen zu ermuntern. Uns hat gestört: Neben seinem Beruf hat Stevens kaum Interessen. Dazu ist er kein zuverlässiger Erzähler. Er verleugnet sich selbst, seine Gefühle. Alle Schilderungen der Ereignisse werden aus seiner Sicht erzählt, die verbrämt ist, durch seine absolute Loyalität gegenüber Lord Darlington. Besonders berührt hat uns: …Als nicht einmal beim Tod seines Vaters sich Stevens Emotionen erlaubt. Er unterdrückt das Eingestehen seines großen Verlustes. Seite 135: „Stevens, fehlt Ihnen etwas?“…(…)“Es tut mir leid, Sir. Die Spuren eines anstrengenden Tages“ . Die Eindrucksvolle Szene, die die Resignation, Ausweglosigkeit der Angestellten offenbart: Miss Kenton, der trotz anderer Denkweise nichts übrigbleibt, als zu akzeptieren, dass die beiden jüdischen Dienstmädchen entlassen werden. Eine Maßnahme wie die Kündigung ihrerseits, hätte für sie selbst ein Existenzproblem geschaffen. ..die Erkenntnis Stevens des Fortschreitenden Alters. Seite 285: „Ich gab ihm das Beste, das ich zu geben hatte, und jetzt – nun, jetzt sehe ich, dass nicht mehr viel übrig ist, was ich noch geben kann.“… …die Bitternis für Stevens, zu begreifen, dass die Sinndeutung der Werte, die er für unerlässlich hält, ihn daran hinderte, etwas für sich in Anspruch nehmen zu können, indem er Miss Kenton nicht nur aus dem Haus, sondern in die Arme eines anderen Mannes getrieben hat. Die Verabschiedung von Miss Kenton /Ms.Benn Seite 281: „Schließlich kann man die Uhr nicht mehr zurückdrehen….(….).. in diesem Augenblick brach mir das Herz.“ wir sprachen über: Klassendenken, Hierarchien, Privilegierte Die gesellschaftlichen Verhältnisse Englands in den 30er Jahren, die Vorherrschaft von "Tradition und Ordnung". Moral der High Society, reich, arrogant, einflussreich Seite 49: Die WAHRE gute Gesellschaft,… und die WAHREN Herrschaftshäuser Wie die Würde des Butler, ist auch die Definition eines englischen Gentlemen und dessen Würde festgeschrieben: nobler Instinkt und Ehre Fazit: Erschütternd am Ende: Nichts gelernt!! Seinem neuem Dienstherrn will sich Mr. Stevens durch „antrainierten“ Humor und Schlagfertigkeit anbiedern . Porträt eines GROSSEN Butlers: Ein Mann, dessen letzter Halt die Form, der Stil ist.
- Samantha Harvey: Umlaufbahnen | Mysite
Samantha Harvey: Umlaufbahnen Aus dem Englischen von Julia Wolf. Ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2024. Von oben betrachtet sieht die Welt gleich ganz anders aus: Sechs Astronauten schweben in einer Raumstation durchs All. Den Planeten Erde umkreisen sie einmal in 90 Minuten, sechzehnmal in 24 Stunden. Die zwei Frauen und vier Männer aus ganz unterschiedlichen Nationen arbeiten, essen und schlafen auf engstem Raum - und doch ist alles losgelöst vom Alltag, Schwerkraft und Zeitempfinden sind außer Kraft gesetzt. Was passiert, wenn man seine Heimat nur aus weiter Ferne durch ein kleines Fenster sieht? Wie verändern sich Denken und Fühlen? In dem Zeitraum von nur einem Tag, während die Sonne sechzehnmal auf- und untergeht, betrachtet dieser ungewöhnliche, kraftvoll poetische Roman die großen und kleinen Fragen der Menschheit und bringt uns der Schönheit des Universums ganz nahe. zur Autorin: Samantha Harvey, 1975 geboren, lebt und arbeitet als Autorin in Bath, England. 2024 erhielt sie für ihren Roman Orbital den Booker-Prize. Quelle: Wikipedia zum Buch: erschienen: 2024 Übersetzerin: Julia Wolf Verlag: DTV Verlagsgesellschaft Genre: Gegenwartsliteratur Seitenanzahl : 224 zu unseren Lesekreis-Erfahrungen