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- Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage | Mysite
Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter in einer Baracke am Stadtrand wohnt. Aber schon die scheinbar heile Welt ihrer Kindheit in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat einen unsichtbaren Sprung: Seris Vater starb kurz nach ihrer Geburt, und Ajas Vater, der als Trapezkünstler in einem Zirkus arbeitet, kommt nur einmal im Jahr zu Besuch. Karl, der gemeinsame Freund der Mädchen, hat seinen jüngeren Bruder verloren, der an einem hellblauen Frühlingstag in ein fremdes Auto gestiegen und nie wiedergekommen ist. Es sind die Mütter, die Karl und die Mädchen durch die Strömungen und Untiefen ihrer Kindheit lotsen und die ihnen beibringen, keine Angst vor dem Leben haben zu müssen und sich in seine Mitte zu begeben. Zsuszsa Bànk erzählt die Geschichte dreier Familien und begleitet die jungen Helden durch ein halbes Leben: Als Seri, Karl und Aja zum Studium nach Rom gehen, wird die Stadt zum Wendepunkt ihrer Biographien - und zur Zerreißprobe für eine Freundschaft zwischen Liebe und Verrat, Schuld und Vergebung . Der Klappentext: zur Autorin: Zsuzsa Bànk wurde als Tochter ungarischer Eltern geboren, die nach dem Ungarnaufstand 1956 in den Westen geflohen waren. Sie wuchs zweisprachig auf, war Buchhändlerin und studierte Publizistik, Politik und Literatur in Mainz und Washington, DC. Nach dem Studium arbeitete sie als Wirtschaftredakteurin. Seit 2000 ist Zsuzsa Bánk freie Schriftstellerin mit Wohnsitz in Frankfurt am Main. Zsuzsa Bánk schreibt hauptsächlich Romane. Ihr erstes und bisher einziges Theaterstück "Alles ist groß" wurde im September 2020 am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt. Auszeichnungen: 2002: Aspekte-Literaturpreis Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg für "Der Schwimmer" Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2003 : Deutscher Bücherpreis Bettina-von Arnim-Preis für die Erzähluung "Unter Hunden" 2004 : Adelbert von Chamisso-Preis 2008 : : 1. Preis Internationaler Kurzgeschichtenwettbewerb der Stadt Mannheim 2007 Quelle Wikipedia "Ich habe das Haus noch nie ohne Buch verlassen. Ich sitze nie an einer Bushaltestelle, an einem S-Bahnhof, ohne in einem Buch zu lesen, und wer mich anspricht, mich fragt, nach dem Gleis, der Uhrzeit, dem Bus, der nicht kommen will, muss mich zurückholen, von Traumpfaden durch die Schweizer Berge und die römische Vorstadt. Ich habe nur Handtaschen, in die mindestens ein Taschenbuch passt, ich wähle sie danach aus." Zitat Zsuzsa Bánk, aus Isolde Ohlbaum's LESEN Lesekreis-Erfahrungen: Bitte hier klicken!
- Lesekreis-Erfahrungen Das Café ohne Nam | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Das Café ohne Namen Robert Seethaler Wie hat es uns gefallen? Das Café ohne Namen stellt eine kleine Geborgenheit am Rande des Karmelitermarktes dar. Für seine Besucher fungiert es als sozialer Treffpunkt und bietet die Gelegenheit zwischenmenschliche Kontakte zu knüpfen. Der Roman hat uns auf unterschiedliche Weise berührt. Größenteils wurde sein Lesen als Entschleunigung erfahren, als positives Mut-Mach-Buch, konnte aber je nach persönlicher Verfassung, auch eine tiefgehende emotionale Stimmung, eine gewisse Melancholie hervorrufen. Es sind die „Alltagshelden“, Arbeiterexistenzen mit Bildungshürden, wie Seethaler sagt „randständige Menschen“, die ihn interessieren und die er hier sehr gekonnt porträtiert. Es ist seine verhaltene Sprache, die mit einer Zärtlichkeit und Sensibilität für den „einfachen“ Menschen das Herz erreicht. - Denn: sie haben ALLE ihren Stolz, und ALLEN gehört das Café. Seethaler erzählt von 10 Jahren im Leben seines Protagonisten Robert Simon, im Wien der 60er Jahre, 1966 – 76. Eine Lesekreisteilnehmerin weiß vom diesem Zeitgeist zu berichten, dass die Menschen nach den Bezirken sozusagen „katalogisiert“ wurden. Was hat uns gefallen? Die Geschichten handeln vom puren Dasein, von Sehnsucht, Verlust, Liebe und Glück, vom Leben einfacher Menschen mit ihren Hoffnungen, Sorgen und Kämpfen. Zentrale Themen sind Vergänglichkeit und Wandel – eine neue Welt entsteht, im Wie n im Wiederaufbau, Protagonist Robert eröffnet das frühere Lokal als Café 1966 neu, nach 10 Jahren endet sein Pachtvertrag, da es Investoren kaufen. Resilienz und Anpassungsfähigkeit – der Protagonist Robert sowie Mila, zeigen Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, sich an veränderte Umstände anzupassen. Robert „leistet“ sich die ersten 3 Jahre des Café-Bestehens keinen Ruhetag. Mila, die, den Umständen geschuldet, von der Näherin zur Bedienung wechselt. Figuren, die trotz Widrigkeiten nicht aufgeben. Wir erleben die ganze Palette menschlicher Gefühle, ohne dass der Bezug zur Realität bei der Schilderung verlorengeht. Ob es sich um die große Liebe des Ringers René zu Mila handelt, die Liebe bzw. Abhängig-Hörigkeit des Malers Mischa zur 15 Jahre älteren Milch- und Käsehändlerin Heide Bartholome Seite 151: „Es stimmte: (..) Sie waren das lebende Beispiel dafür, was Liebe anrichten konnte.(…) Die Leute sahen ihre schamlos ausgetragenen Schreiduellen, oder die Leidensfähigkeit des Ringers René, wie er seinen Lebensunterhalt verdient. Die naturalistischen Schilderungen der Kämpfe sind manchmal beinahe körperlich schmerzhaft. Zum Amüsement trägt die wiederholt eingeflochtene Unterhaltung zweier anonymer Caféhaus-Besucherinnen bei, die die Lebendigkeit des Romans fördern. Besonders berührend ist die Fürsorge und Empathie des Fleischermeisters Johannes Berg seinem dementen Vater gegenüber, und die Roberts zur Kriegerwitwe Martha Pohl. Sehr schön rund dazu passt das Ende des Romans zum Anfang: Robert und die Kriegerwitwe. Lieblingszitate: Viel Gefühl: Seite 30 : “ Ein Bus voller trauriger Frauen machte sich in der Abendsonne auf den Weg“. Sehnsucht und Nostalgie: Seite 55: „Da hat ein Kuss unter der Laterne noch genügt für ein ganzes Glück. Im Rückblick sieht alles besser aus. In Wirklichkeit waren die Männer genauso schlecht wie heute, und die Gaslaternen haben immer so unangenehm gezischt wie in der Nacht.“ Würde: Seite 61: „Aber er hat einen Stolz. Und damit hat er so manch einem anderen schon vieles voraus.“ Poesie: Seite 86: „Auf den Praterwiesen riecht es überall nach Erde, und unter den Kastanien ist das Licht ganz grün, vor allem, wenn es geregnet hat.“ Was hat uns gestört? Da alle Charaktere mit ihren allzu menschlichen Eigenschaften wunderbar beschrieben wurden, konnten wir lediglich eine negative, unbeliebte Nebenfigur küren: Der Mann mit dem Glasauge. Fazit: Ein inspirierendes Mut-Mach- und Resilienz Buch, um selbst festzustellen, was besonders gut gefallen oder am meisten angesprochen hat 😉 WIR würden es verschenken!
- Lesekreis-Erfahrungen Heute beissen die | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Heute beissen die Fische nicht von Ina Westmann Wie hat es uns gefallen: Eine idyllische Insel im finnischen Schärengarten, 3 Protagonisten und deren ernster Hintergrund: Die Geschichte schickt uns durch eine emotionale Reise durch die Gedankenwelt der Charaktere: Emma , psychologisch, sozial und physisch leidend unter den Auswirkungen ihrer Arbeit als Fotojournalistin oft in Krisen- Gebieten. Die Symptome der traumatischen Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit wirken sich zu Problemen auf das Familienleben aus. Emma kämpft darum ihre Vergangenheit mit ihrer Gegenwart in Einklang zu bringen. Ihre Halluzinationen verwischen die Grenzen zwischen Realität und Illusion. Dieser Aspekt der Geschichte, wirft Fragen über die Wahrnehmung und die Zuverlässigkeit der eigenen Erfahrungen auf. Joel , Pädagoge, steht auf der Seite der Wissenschaft, still, eher introvertiert. Joel hadert, kämpft mit Emmas Zustand, er möchte sie vor ihren Dämonen beschützen und gleichzeitig Stabilität für seine Tochter schaffen. Um in der maritimen Symbolik zu bleiben, er möchte der Anker der Familie sein. Fanni , die gemeinsam adoptierte Tochter aus Kenia ist 5 Jahre alt und auf der Suche nach ihren Wurzeln, ihrer Identität. Sie ist ein aufgewecktes Kind mit dunklen Haaren, das in der Gesellschaft der vermutlich hellhäutigen finnischen Küstenbewohner fremdartig wirkt und auffällt. Was hat uns gefallen: Geschickt setzt die Autorin die Abgeschiedenheit der Insel ein, die die Beziehungen und Konflikte innerhalb der Familie intensiviert. Joel, Emma und ihre adoptierte Tochter Fanni leben auf engem Raum, ohne große Ablenkungen. Es gibt keine Fluchtmöglichkeiten in die äußere Welt. Sie sind gezwungen, zwischen Realität und Visionen zu unterscheiden und diese in Einklang zu bringen. Das Buch gliedert sich in kurze, prägnante Kapitel, mit poetischer schöner Sprache, die wie Flash-Backs der einzelnen Protagonisten wirken. Bei der aufgezeigten Problematik ist der Schreibstill nie wertend oder moralisierend. Die kurzen Abschnitte sind wohltuend und begünstigend für den Lesefluß. Kritik – Eindruck: Das Meinungsspektrum der Lese-Gruppe geht diesmal von einem „sehr vielschichtig“ (angenehm) bis zu Themen überladen (unangenehm). Familien- Dynamik und Isolation psychische Gesundheit und Trauma Identität und Selbstfindung Adoption und Zugehörigkeit, Integration Rassismus Kriegs-Traumata Flucht und Migration Krisengebiete mit Hungersnot Umweltprobleme Uns hat am meisten berührt: Sehr berührend empfanden wir die Gespräche zwischen der kleinen Fanni mit dem Großvater. Die Familie im Jetzt und im Jenseits. Die besondere Wahrnehmungsfähigkeit von Kindern, die oft intuitiv Atmosphären und Stimmungen intensiver als Erwachsene erfassen, wird hier einfühlsam dargestellt. Die spirituelle Verbindung Fannis mit dem Großvater , den sie als guten Geist aus dem Jenseits und unsichtbaren Freund erlebt, ist sehr bewegend, geht unter die Haut und berührt das Herz. Unser Lieblingscharakter: Als Favorit wurde Joel gewählt, der sich bemüht, Emma zu helfen, sie zu unterstützen und Halt zu geben auf ihrer Suche nach sich selbst, ihrem inneren Frieden. Gleichzeitig versucht er, sie in Einklang mit Fanni zu bringen. Trotz seiner Ängste und Unsicherheiten, möchte er die Familie schützen, und seinen Werten wie Umweltschutz und vegetarische Lebensweise treu bleiben. Zeitgeist: Gerade bei dem Thema Familiendynamik wurde darüber diskutiert, ob der Zugang zu einer Fülle von Informationen, darunter auch Fehlinformationen, die heutige Familiensituation möglicherweise zusätzlich belasten könnte. Die im Roman angesprochenen Themen spiegeln dabei viele der persönlichen und kollektiven Herausforderungen wider, mit denen moderne Familien konfrontiert sind und als Belastung empfunden werden. Fazit: Noch einmal werden wir maritim 😉: Fische als metamorphisches Symbol für verborgene Wahrheiten und Erinnerungen, die nicht immer leicht zu fassen sind. In den Tiefen unserer Seele schwimmen Erinnerungen wie scheue Fische, - manchmal beißen sie, manchmal nicht.
- Juli Zeh: Über Menschen | Mysite
Juli Zeh: Über Menschen Klappentext: Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht.. zur Autorin: Juli Zeh, deutsche Schriftstellerin ... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Gesellschaftsroman Verlag: Luchterhand Verlag erschienen: 2022 Seitenzahl: 416 unsere Lesekreis-Erfahrungen: Was hat uns gefallen: Wir besprechen diesmal ein Buch, das sich hautnah mit aktueller Gesellschafts-Problematik befasst, ob Klimawandel, Populismus oder Corona-Thematik. Da ist zum einen die gewiss noch nicht mental aufgearbeitete, völlig neue Situation einer Pandemie und was sie verändert hat, uns und unser Verhalten. Zum andern die Ansichten und Meinungen verschiedenster Gruppierungen und dem Verständnis, der Toleranz unterschiedlicher Positionen. Wie hat es uns gefallen: Der Ton der Protagonistin ist schnoddrig und modern, die Anglizismen fließen nahtlos ein und gehören, so die Meinung der Gruppe, zu unserem heutigen Sprachgebrauch dazu. Die Überlegungen und Gedanken Doras, sind sehr treffend und pointiert ausformuliert. Die Autorin hebt weder den Zeigefinger, noch polarisiert sie. Vor allem in der Corona-Thematik zeigt sie die Angst vor dem Unbekannten, das bedingungslose Glauben-Wollen Aller, was richtig und falsch ist. Eine starke Seite ist der Wortwitz Doras, die sich vorstellt mit „DORA“, als Akronym für Dorf-Rand 😉 Seite 24: „the Walking dead in Berlin“. Robert hat sich in die Panik verliebt - Seite 70: „I decided to Panic“ hatte Greta gesagt (deren wörtliche Rede) und Robert tat es ihr nach". Gote, Seite 191: „homo giganteus brackensis“ Beerdigung: „Outlaws im Anpassungsmodus“ Personenklischees: Die Autorin versteht es, die agierenden Personen gekonnt zu überzeichnen, um den Leser schmunzelnd zum Nachdenken zu bringen: Axel, Doras Bruder, hat Zwillingsmädchen, ist Hausmann und Vollzeitvater, dank seiner Ehefrau Christine. Diese arbeitet in einer großen Kanzlei; ist systemrelevant. Mitbewohner des 285-Seelen Dorfes Bracken Tom und Steffen, das homosexuelle Paar, Tom hat einen Blumenladen. Seite 126: „Dont’t forget the Kornblumen in the drying chamber!“ Sein Mann Steffen ist Kleinkunstdarsteller und arbeitet in der Pandemie als Kabarettist über Video. Jojo, Doras Vater, ist erfolgreicher Arzt und Professor an der Charité. Seite 263: „Natürlich, er rettet nicht nur Leben, trinkt erlesene Weine und hört moderne Klassik – er liest auch zwischendurch noch internationale Gegenwartsliteratur. " Nicht gefallen hat uns: Weniger witzig und etwas nervig fanden wir, dass Jochen, der Rochen, ständig repetiert wird. Besonders berührt.. ..hat uns Seite 364 der Ausflug zu Gotes Kindheits-Ort. Wir glauben, es war aus Sicht Gotes der Versuch, seinen „Werdegang“ zu erklären. Gleichzeitig zeigt es Dora eindrücklich Gotes hassgefülltes Umfeld von Jugend an. Dora ist schockiert und entsetzt: Seite 365: „Dora versteht nicht gleich, was er meint. Dann begreift sie und schlägt innerlich auf dem Boden auf.“ Interessante Relationen: Seite 69: „Wer war klimaneutraler, ein Aktivist, der quer durch Europa zu Demos fährt, oder eine uneinsichtige Oma, die zwar auf Mülltrennung verzichtet, aber noch nie im Leben ein Flugzeug bestiegen hat. Was war aus der Gewissheit geworden, dass es keine absoluten Gewissheiten gibt, weshalb man an allem gezweifelt, über alles gesprochen und gestritten werden muss ". Seite 218 „Kaum zu glauben, dass sich ein stinkreiches Land Regionen leistet, in denen es nichts gibt (komplett fehlende Infrastruktur)…..(..).." Seite 339/340 Minneapolis I can’t breathe“: “Der ganze Wahnsinn dieser verkorksten Welt legt es nahe, auf Emotionen zu verzichten“. Seite 343 (zu 339/340) „In Deutschland zeigt man sich gewohnt fassungslos. Allerdings, wie Dora scheint, gemischt mit Erleichterung, weil der Rassismus gerade woanders stattfindet …“ Fazit: Die Geschichte Ist nicht beschönigend, weder in Sprache, noch in den Schilderungen, ohne Wertung menschelt es sehr. Absatz der Seite 367: …es hat sich herrlich angefühlt …“UND OB ICH BESSER BIN“. Aber auf den zweiten Blick ist der Satz die Mutter aller Probleme. Am Ortsrand von Bracken und im globalen Maßstab. Ein Langzeitgift, das die ganze Menschheit von innen auffrisst.“
- Francesca Melandri: Eva schläft | Mysite
Francesca Melandri: Eva schläft Klappentext: Der Roman einer Provinz ohne Vaterland und eines Mädchens ohne Vater. Eva ist Anfang vierzig, als sie einen Anruf von dem Mann erhält, der eine Zeitlang die Rolle ihres Vaters einnahm, bevor er verschwand. Vito Anania. Er liegt im Sterben und will Eva noch einmal sehen. Sie reist mit dem Zug von Südtirol quer durch Italien in den äußersten Süden. In ihrer Erinnerung entfaltet sich unterwegs ihre ganze Kindheit: Sie wuchs in einer Region auf, die Jahrzehnte lang der Spielball bedrohlicher Allianzen war und dann den Aufbruch wagte. Geprägt wurde Eva von der Liebe ihrer Mutter, die ihr Vorbild war und Schutz. Autorin Francesca Melandri, geboren in Rom, schrieb zahlreiche Drehbücher für Fernseh- und Kinofilme. "Eva schläft" ist ihr erster Roman und spielt vor dem Hintergrund der wechselnden Geschichte Südtirols, wo die Autorin 15 Jahre lebte. Verlag Wagenbach Wikipedia zum Buch: Genre: Gesellschafts- und Familienroman Verlag: Klaus Wagenbach TB 805 13. Auflage 2014 Übersetzung: aus dem Italienischen von Bruno Genzler erschienen: erstmals 2010 Seitenzahl: 434 zu unseren Lesekreiserfahrungen:
- Lesekreis-Erfahrungen wegen Wersai | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Dagmar Schifferli: Wegen Wersai Wie hat es uns gefallen: Der Roman spielt in der Schweiz der 60er Jahre . Autoritäre gesellschaftliche Normen, gutbürgerliches Milieu und streng gehütete Familiengeheimnisse prägen das Umfeld. Zentrale Themen sind Trauma, Scham und Schuld. Der Erzählduktus bleibt konstant, es gibt keinen Erzählerwechsel; die Handlung folgt einem durchgehenden, chronologischen Verlauf. Es ist ein leises Buch, das das Innenleben von Katharina, der 12jährigen ehrlich und eindrücklich beschreibt. Belastet durch die schwere Krankheit ihrer Mutter, lebt sie in angespannten familiären Verhältnissen bei einer Pflegefrau, der ältere Bruder ist im Internat. Ein einsames Kind, das in einer Welt der Erwachsenen, klug, kritisch denkend, sensibel und rebellisch, seine Beobachtungen zu verstehen sucht. Die Pflegemutter (Tantelotte) kämpft mit ihren eigenen Traumata-Dämonen, versucht sich mit repressiven Erziehungsmethoden. Die Ohnmacht, die Sprachlosigkeit der Kriegsgeneration, die wir schon des Öfteren in anderen Werken besprochen haben, wirkt sich hier auf die familiäre Situation Katharinas aus. Die Erwachsenen, obwohl potenzielle Zeugen, sind keine verlässlichen Zeugen, Katharina fehlen offene bzw. verständliche Erklärungen zu gesellschaftlichen und familiären Ereignissen. Ein Feld von Unehrlichkeit und dem Verschweigen von Wahrheiten. Was hat uns gefallen: Ob es um Krieg, Nachkriegszeit, Vergangenheitsbewältigung oder Fremdenhass geht, der Ton der Erzählung ist konsequent aus der Perspektive des Kindes. Die Angst vor Überfremdung, ist als transnationales Thema geschickt eingeflochten. Alle Charaktere sind plastisch und glaubwürdig porträtiert. Die Pflegemutter Tantelotte , die emotional distanziert und kompromisslos wirkt. Sie steht für eine Generation, die von den Entbehrungen und Traumata der Kriegsjahre geprägt ist, was sich in ihrer Strenge und Härte gegenüber dem Kind widerspiegelt: Zwang zur Anpassung, strikte Regeln, unerfüllte Antworten. Ergebnis: Katharina „strickt“ sich ihre eigene Welt inklusive passender Erklärungen. Mutter Dora :, von ihrer Krankheit (MS) gezeichnet, ist bemüht, so wenig „Umstände“ wie möglich zu machen – Seite 61 „wenn bei uns etwas Schlimmes passiert, ist immer jemand schuld. deshalb strengt sich Mama so sehr an, dass sie nicht schuld ist“. In ihrer Liebe, Fürsorge und Verbundenheit ist sich Katharina der Fragilität des familiären Zusammenhangs bewusst. Seite 37 „Mama lächelt nicht immer, in letzter Zeit sogar immer seltener.“ Seite 75 „Ich glaube Mama vermisst Tommy manchmal. Ich sehe das an ihrem Gesicht.. „ Vater Walter , "der Bibel-feste": in Szene Seite 71- 74 die Bibel und die Ausländer 😉 ..die Flucht aus Ägypten: „Ja, sagte Papa, wir sind katholische Christen. Es gehört sich einfach, dass man sich in der biblischen Geschichte auskennt. …(…)… Sechshunderttausend Männer - genau die Anzahl Ausländer, die momentan in der Schweiz sind, …(…)…wir würden sie nicht verfolgen, sondern ziehen lassen, ist ja klar, fügte Papa mit einem komischen Lachen hinzu. Wir würden sie ziehen lassen und wären froh darüber- sehr froh sogar“. Seite 55: „Die Männer arbeiten, die Frauen sind zuhause. Ein Naturgesetz.“ Tante Lucille , die Schwester von K. Mutter und ihre Patin, die öfter aus ihrem Leben ausbricht, weil sie die Borniertheit der Familie nicht erträgt. Katharina gegenüber ist sie verständnisvoll und versucht ihr das komplexe Thema Versailles und seine Auswirkungen zu erklären. Gestört hat uns bzw. diskutiert wurde: Teilweise wird das Buch als aneinandergereihte Begebenheiten wahrgenommen, sozusagen „Spotlight Methode“. Gestört hat das plötzliche und offene Ende des Buchs. Lieblingsfigur: Als unsere Sympathiefigur wird Katharinas Lehrerin Frau Simonis ausgezeichnet, die in festgefahrenen Zeiten Ihre Autonomie bewahrt. Als moralische Instanz und kritische Lehrerin, engagiert und verantwortungsbewusst, tritt sie Ignoranz und Fremdenfeindlichkeit mutig entgegen. Szene Seite 83/84: In einem verschlossenen Brief des Vaters, den K. überbringen muss, steht die Aufforderung, dass Katharina von ihrem Bank-Kamerad und Freund Lorenzo zu trennen ist. Sie sagt: „Richte bitte deinem Vater aus, dass in diesem Raum, ich meine, hier im Schulzimmer, noch immer ich bestimme. Auch am Montag wirst du wieder neben Lorenzo sitzen.“ Am meisten berührt: Schmerzhaft zu lesen ist die Verzweiflung des Kindes, das der Mutter im Krankenhaus keinen Abschied mehr schenken konnte – und der nagende Schmerz, ihr nicht mehr Liebe und Schönes erwiesen zu haben.“ Seite 157 Besonders berührt die Schutzlosigkeit des Kindes in einer Welt ohne Antworten auf seine brennenden Fragen. Zeitgeist: Themen die exemplarisch für den Zeitgeist der 60er stehen, werden angedeutet und ins Bewusstsein gerückt: Die Expo 1965 in München, die Eröffnung des St. Bernhard Tunnels 1964 , Der Gletschersturz bei Mattmark im Wallis 1965 bei dem 88 vorwiegend aus Italien stammende Bauarbeiter unter 500 000 m³ Eis begraben ihren Tod fanden. die Frankfurter NS-Prozesse von 1963 -1965 (Strafprozesse gegen Mitglieder des Auschwitz-Personals) Die Teilnehmerinnen zeigten sich betroffen, über die Schweizer Vergangenheit, der Antisemitismus, der im Buch offen und kritisch behandelt wird. Szene zur Tatsache der Konzentrationslager im Kanton Zürich Seite 151: „Was rief Mama, so nah von uns damals! Wieso haben wir das nie erfahren? Man wollte es nicht wissen, sagte nun mein Onkel Ernst ..(..).. wie vieles andere auch.“ Fazit: Wir würden es nicht verschenken, aber durchaus empfehlen Eure Kinder sind nicht eure Kinder Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen. Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen Denn das Leben läuft nicht rückwärts noch verweilt es im Gestern. Khalil Gibran
- Lesekreis-Erfahrungen Der Pfau von Isab | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Isabel Bogdan: Der Pfau Die hervorragende Übersetzung des Romans „Ein untadeliger Mann“ durch Isabel Bogdan ließ uns nach eigenen Werken der Schriftstellerin schauen und wir entdeckten eine köstliche Groteske mit typisch englischem Humor. Wie hat es uns gefallen: Der Roman wirkt auf uns wie ein Boulevardstück vom Feinsten: Missverständnisse mit Verstrickungen, Heimlichtuerei, schlechtem Gewissen und Vertuschungen. Was hat uns gefallen: Ganz besonders hat es uns die Situationskomik mit viel psychologischer Feinfühligkeit angetan. Wir fanden interessant, dass Frau Bogdan ohne jede wörtliche Rede auskommt und sogar dem Terrier eine eigene Stimme verleiht, mit der er seinen Gefühlen Ausdruck gibt. Es ist vielleicht kurios, aber rutscht nie ins Kitschige ab. Ort und Handlungsverlauf Isabel Bogdan hat ihre Geschichte nicht nur mit dem erwähnten Humor ausgestattet, sondern hat auch den Ort des Retreats natürlich in die Highlands gelegt. Hier sollen zum Wohle der Abteilung, respektive der Bankgeschäfte, die 5 stadtgewohnten Mitarbeiter ihr gegenseitiges Verhältnis ins Gleichgewicht bringen. Unterstützt werden sie von der Köchin Helen, die mit eigenen Vorräten anreist, und der Psychologin und Moderatorin Rachel. Dazu kommen dem Landleben entsprechend Tiere, nämlich eine Gans, mehrere Pfauen und der Hund Merwin der Chef-Bankerin als Akteure dazu. Alles verrutscht zunächst einmal ins Ungleichgewicht, vermutlich aufgrund von Zuviel Natur für die Banker. Wintereinbruch und Stromausfall im renovier bedürftigen Gemäuer, eine daraus resultierende Grippe tun ihr Übriges. Lieblingsfigur: Zu unserer Lieblingsfigur kürten wir einstimmig Helen, die Köchin, patent, cool und mit einem unerschöpflichen Einfallsreichtum. Beispielsweise die Idee, den Pfau zu „entsorgen“, aber dabei noch einer Verwendung zuzuführen, indem man ihn Fasan- oder Gänsecurry anbietet. Lieblingsstellen, Zitate: Seite 7: „einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt „ Seite 147: „ Und was war denn hier oben mit den Biestern los? Erst die Sache mit der Gans und ihren Ausscheidungen bei ihrer Ankunft, dann permanent weitere Attacken der aggressiven Gans, wann immer man vor die Tür trat und dauernd diese Pfauen– erst fiel ihr einer auf den Kopf, dann riss Mervin einen, jetzt klebte einer an ihrem Fenster - das war doch alles nicht normal, da konnte man doch wirklich paranoid werden - Mistviecher !“ Seite 244: „Dann saßen Lord und Lady McIntosh am Küchentisch, rührten in ihren Teetassen und fragten sich, wie die Leute eigentlich manchmal auf die Idee kamen, in so einem abgeschiedenen Tal wäre nichts los“ Am meisten berührt hat uns: Wir fanden einfach herrlich, wie sich mit der zwischenmenschlichen Dynamik, auch der „dress-code, die Anzugsordnung ändert. Beispielsweise den Nicky-Freizeit-Anzug, den die Chefin nach überstandener Krisis unbekümmert trug, wo doch vorher auf ein seriöses, gut aufeinander abgestimmtes Outfit im Business-Look geachtet wurde. Fazit: Ziel erreicht, die Bankergruppe ist am Ende zusammengewachsen und respektiert die Vorzüge und Schwächen des Anderen. Eine Lese-Empfehlung für alle, die manchmal ein wenig Abstand vom Weltgeschehen benötigen. Herzerfrischend Nicht-Sinn-bringend, einfach nur zum Amüsieren und Abtauchen in einer zurzeit mehr als ernüchternden Welt. …und…um es mit Helen, der Köchin zu sagen: Genießen mit einer Tasse Darjeeling und ein paar Scones 😉.
- Anne Weber: Annette, ein Heldinnen-Epos | Mysite
Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos Klappentext: zur Autorin: Was für ein Leben! Geboren 1923 in der Bretagne, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher - wofür sie von Yad Vashem später den Ehrentitel "Gerechte unter den Völkern" erhalten wird -, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung… und noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne Beaumanoir in einem biografischen Heldinnenepos. Die geschilderten Szenen werfen viele Fragen auf: Was treibt jemanden in den Widerstand? Was opfert er dafür? Wie weit darf er gehen? Was kann er erreichen? Anne Weber, 1964 in Offenbach am Main geboren, ist eine deutsche Autorin und literarische Übersetzerin... Quelle Wikipedia klick hier: Lesekreis-Erfahrungen: Der Lesekreis ist sich darüber einig, dass das Werk ein experimentelles Lese-Erlebnis ist. Eine Ode mit Ironie und Witz an eine Frau, deren Entwicklung zur Widerstandskämpferin und Vita wir nachspüren. Im Schreibstil des Epos wird Brechts Verfremdungseffekt angewandt: Immer mit dem Focus auf: es hätte so sein KÖNNEN, manchmal widersprüchlich zur Realität, immer in einem neuen, anderen Licht Viele der Teilnehmerinnen sind durch die sehr dicht erzählten Zusammenhänge irritiert, es bringt aus dem Konzept, erschwert den Überblick über die Geschehnisse. Gefallen: Die Mannigfaltig der Ironie: „…Carminus, Hainbuche…was vielleicht nicht von Carmen kommt, aber dochnebenbei noch Charme und Zauber heißt. Sie sehn sich unter diesem Baum zum letzten Mal.- Wer sich für Wurzeln interessiert, kann unschwer in Erfahrung bringen, dass unter den vielfältigen Wurzelwerken, die es in der Natur so gibt, die Hainbuchenwurzel eine ist, die im Querschnitt einem Herzen gleicht und deshalb auch Herzwurzel heißt.“ „…so stehts in seinem Buch Les demnés de la terre (Frantz Fanon), Vorwort von Sartre: -denn in der ersten Zeit der Revolte muss getötet werden-..-wer einen Europäer umbringt, schlägt zwei Fliegen mit einem Streich; schafft einen Unterdrücker aus der Welt und eine Unterdrückten.- Wobei Sartre vergisst, dass er selbst Europäer ist.“ ..beim Prozess: „“Da sie sich umdreht, ihn zu begrüßen, erhob er sich und küsste ihr die Hand. (Für eine Verfilmung ihres Lebens raten wir sehr zu dieser Szene ;-) ). Als störend empfunden wurde: Der blinde Gehorsam der Protagonistin im Widerstand; Die Folgen ihres Handelns und Denkens für die Familie, der Stellenwert besonders der Kinder, die bei der Loyalität zur Sache, ihrem Gerechtigkeitssinn, nie an 1. Stelle kamen, was letztendlich auch zur Entfremdung geführt hat. Zeitgeist: Es geht um die Macht von Männern, MACHT UND Veränderung Genderfrage, Frauen- und Männerbild zum aktuellen Zeitpunkt Im Widerstand ist sie zunächst als sehr junger Mensch für „Hilfsdienste“ zuständig, kleine Aufgaben als“ Fahrrad-Kurier“ erfüllend. Sie ist nie in einer „führenden“ Position, bereitet lediglich Missionen vor. Berührend: „Die Tür hat sich hinter den dreien längst geschossen, da steht er noch und möchte weinen weinen weinen, und wir, wir stehen in der fernen Zeit und stehen und finden keinen Satz und keinen Vers und keine Zeile, die etwas andres möchte als zu stehen und mit ihm zu weinen.“ Vergleiche: Hunger nach Bildung wie in „Streulicht“ Camus. der 1. Mensch Herkunft, Scham und Schulbildung Reflektion der Autorin Metapher mit Sisyphus: „Der Stein wird immer größer, den Annette auf den Berg zu stemmen hat, und immer höher wird der Gipfel. Unter der Last beginnt ihr Rücken sich nach und nach etwas zu krümmen.“ Fazit: Nach der Buchbesprechung fällt verschiedentlich der Entschluss, es unter dem Eindruck Dieser noch einmal „beherzt“ zu lesen, das Werk bleibt jedoch tendenziell nicht unumstritten. Um hier ein Zitat von Francis Bacon anzuwenden ;-) : An manchen Büchern muß man naschen, andre wollen verschlungen sein, wieder andere gründlich gekaut und verdaut.
- Lesekreis-Erfahrungen Die hellen Tage | Mysite
Lesekreis-Erfahrungen: Die hellen Tage: Kleine Einstimmung und freie Assoziation "Der hellen Tage", deren Geschichte in und um Heidelberg, später bis nach Rom führt ;-) Rom - mit freundlicher Genehmigung und zur Verfügung-Stellung von Frau Marliese Will Wie hat es uns gefallen? Ein Mut-Mach-Buch über das Erwachsenwerden mit immer wieder positiven Elementen und Wendungen des Lebens. In der Erzählung finden sich Alle wieder. Mit dem Aspekt des häufigen Draußen-Seins, bereichert durch die Wahrnehmung des Kindes, das alle Umstände noch heller, noch strahlender, glücklicher empfinden lässt. Die Geschichte beginnt mit der Kindheit in den 60er Jahren und endet um die Zeit des Mauerfalls. Sie lässt uns teilhaben am Erwachsenwerden, der Pubertät, dem Abschied vom Zuhause und dem Aufbruch zum Studium nach Rom und schließlich die Rückkehr. Inhaltlich geht es außerdem um Trauer, Verluste und Verlassenwerden, Verrat und Lügen. Wie finden wir die Beschreibungen? Bildreich und farbig, geradezu poetisch die Beschreibung der Farben, Stimmungen, Landschaften und die Gefühlswelten der Protagonisten. Dadurch fühlt man sich schnell in die Geschichte „mit hineingenommen“. Die Autorin berichtet mit viel Einfühlungsvermögen, jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger. Die Erzählperspektive hat Tagebuch-Charakter. Sie ist fortlaufend chronologisch, es wird nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart gewechselt. Welche der Figuren stehen uns am nächsten? Allen voran die unkonventionelle Evi, die mit all ihren Schrulligkeiten sehr liebenswert wirkt. Im Prinzip sind alle Figuren sympathisch, weil in ihrer Gefühlswelt nachvollziehbar, lediglich Ellen und Zigi könnte teilweise Egoismus unterstellt werden, was beide unsympathischer erscheinen lässt. Zigi gewinnt allerdings am Ende wieder an Sympathie, da er seine Bedürfnisse zugunsten von Evis Erkrankung hintenanstellt. Die weiblichen Figuren, insbesondere die Mütter, werden als starke Persönlichkeiten geschildert, die maßgebliche Stützen für andere sind. Zusammen flechten sie ein tröstliches Netzwerk, das die Kindheit und Problematik der besonderen Umstände auffängt und trägt. Unsere Lieblingsstellen / Zitate: Zitat Seri: „Wir laufen durch Kirchblüt, und alles ist anders, wir haben es verloren, so wie wir die Orte unserer Kindheit verlieren, zum 1. Mal, wenn wir keine Kinder mehr sind, und später noch einmal, wenn wir als Erwachsene zurückkehren und uns wundern wie sie wirklich aussehen“ „Wir hatten unsere Mütter, und trotz deren kleinen und großen wunden, die sie uns zufügten, klammerten wir uns an sie und hielten uns fest an ihren Händen, als könnten wir sonst umfallen, als könne uns etwas zustoßen, in der Zeit, in der wir Abschied nahmen von den vielen Dingen, die unsere Kindheit eingerahmt hatten“. Was hat am meisten berührt? Einig waren wir uns bei der Szene, in der Evi ihren Wunsch nach einer Grabinschrift äußert: „Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Schicksal zurück.“ Darüber hinaus haben uns viele unterschiedliche Szenen sehr stark berührt, weil man sich den Figuren durchwegs sehr nahe fühlt. Würden wir das Buch empfehlen? Das Buch würden wir in jedem Fall empfehlen und darüber hinaus auch verschenken, evtl. mit dem Hinweis, sich nicht von über mehreren Zeilen ausufernden Sätzen abschrecken zu lassen. – Wir befinden vom Buchhandel zu Recht als „Hochkaräter“ bezeichnet!
- Tonio Schachinger: Echtzeitalter | Mysite
Tonio Schachinger: Echtzeitalter Klappentext: Ein elitäres Wiener Internat, untergebracht in der ehemaligen Sommerresidenz der Habsburger, der Klassenlehrer ein antiquierter und despotischer Mann. Was lässt sich hier fürs Leben lernen? Till Kokorda kann weder mit dem Kanon noch mit dem snobistischen Umfeld viel anfangen. Seine Leidenschaft ist das Gamen, konkret das Echtzeit-Strategiespiel Age of Empires 2. Nach dem Tod seines Vaters wird für ihn aus dem Hobby eine Notwendigkeit. Ohne dass jemand aus seinem Umfeld davon wüsste, ist Till mit 15 eine Online-Berühmtheit. der jüngste Top-10-Spieler der Welt. Nur: Wie real ist so ein Glück? Im Abschlussjahr 2020 kommt für Till, in der Schule und im Leben, alles noch einmal ganz anders als gedacht zum Autor: Tonio Schachinger, geboren 1992 in Neu-Delhi.. Wikipedia zum Buch: Genre: Roman, liter. Fiktion, Coming of Age Verlag: Rowohlt-Verlage erschienen: 2023 Seitenzahl: 368 zu unseren Lesekreis-Erfahrungen:
- Marie Benedict: Frau Einstein | Mysite
Marie Benedict: Frau Einstein Klappentext: Die amerikanische Autorin Marie Benedict stellt uns in ihrem Roman Frau Einstein Mileva Marić vor, die erste Ehefrau von Albert Einstein. Der Roman basiert auf – und orientiert sich an – historischen Begebenheiten. Diese werden mit erfundenen Wahrheiten angereichert. Wieviel Dichtung steckt in der Wahrheit? Oder umgekehrt: wieviel Wahrheit verbirgt sich in genau dieser Dichtung? Um diese Fragen wird der Leser von Frau Einstein nicht herumkommen. Wir kennen Mileva Marić nicht. Aber alle Welt meint, Albert Einstein zu kennen. Das irre Genie mit der wilden Frisur. Der Erfinder, der Entdecker oder der Vater der Relativitätstheorie, der uns frech seine Zunge entgegenstreckt. Auch mit diesem Albert Einstein macht uns Marie Benedict in Frau Einstein bekannt. Und soviel sei vorab verraten: sie lässt kein gutes Haar an dem brillanten Wuschelkopf. Und alles – somit auch der Weg zur Relativitätstheorie – ist relativ. zur Autorin: Heather Bendedict Terrell schreibt einige ihrer Romane als Marie Benedict ist geboren 1973, studierte am Boston College Geschichte und Kunstgeschichte und an der Boston University School of Law. Sie ist Anwältin und lebt mit ihrer Familie in Pittsburgh. Quelle: Wikipedia Klick hier: Das Thema und vielleicht auch Leidenschaft der Autorin ist es, die verborgenen Geschichten bedeutender Frauen zu erzählen. Es soll eine Reihe entstehen: Frau Einstein, 2. Buch Lady Churchill, in Arbeit: Mrs. Agatha Christie Frau Einstein ist ein historischer Roman von 337 Seiten, keine Biografie Uns hat gefallen: Das Buch ist gut recherchiert, lässt sich lebendig und flüssig lesen, wobei der Focus als Antipathie-Träger mit Fortschreiten der Geschichte immer mehr statt weniger Herr Einstein ist und bleibt. – Hier relativiert sich nichts! Was hat uns gestört Das Buch hat uns gemeinsam zu dem Ergebnis kommen lassen, dass Albert Einstein in der Erzählung bei aller fachlichen Genialität eine emotionale Dysfunktion bescheinigt werden kann. Er erscheint charakterlich als egozentrischer Narzisst. Diesen Eindruck vermitteln auch die Nachforschungen, die zum Thema Mileva Maric in einem WDR-Beitrag verarbeitet: https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag3312.html Berührt hat uns die Stimmung im Werk Die Ohnmacht von Mileva stimmt fast aggressiv. Die Haltung der Mutter mit ihrem Rat, die erst- und unehelich geborene Tochter in ihrer Obhut zu lassen und Einstein nach Bern zu folgen. Ein Entschluss, den Mileva bitter bereuen sollte. Zitate: „Du bist ein Genie. Aber in Herzensangelegenheiten versagst du völlig“ S.248 Einzige Auflehnung gegen Albert nach Schlag ins Gesicht, S.322 -„Ich beschloss lieber Albert schlecht dastehen zu lassen“ – die Grenzen der Loyalität! Zeitgeist Ebenso ist Einigkeit in der Lesegruppe, dass der Zeitgeist, der in der Jahrhundertwende vorherrschte, die Umstände prägte. Eine Männerdomäne, nur durchbrochen von sehr wenigen Frauen, die es wagten und auch durchsetzen konnten, eher weniger denn mehr gleichberechtigt identische Studiengänge zu belegen. – In Mileva Maric’s Fall unterstützte ihr Vater sie aus dem Gedanken heraus, dass diese als behinderte Person, mit einem höherem Bildungsniveau ihr eigenes Einkommen zu verdienen in der Lage wäre, und dadurch Glück und Zufriedenheit zu erlangen. Nach Meinung der Eltern würde ihr kein Ehemann / Versorger „beschieden“ sein. – Die fragwürdigen damaligen Moralvorstellungen bei Scheidung Die Frau in der Ehe emotional, ordnend, beflissen den Gatten unterstützend, aber niemals doch bitte dominierend! Immer wieder: und drinnen waltet die züchtigte Hausfrau – manchmal sogar ge-züchtigt. Daher sah Mileva den Ausweg der Scheidung für sich sehr spät, (29. Juli 1914 S.344) da sie die Stigmatisierung in der Gesellschaft als geschiedene Frau fürchtete. Wir sprachen über: Geschlechter- Rollenverständnis heute In der Diskussion versuchten wir uns mit dem Thema, inwieweit sich das traditionelle Rollenbild tatsächlich bis heute gewandelt hat. Haben wir unterschwellig noch diese stereotypen Geschlechterrollen? Was haben wir als die Generation der Eltern unserer Kinder getan, um dies aufzubrechen? Den Mann als Familienoberhaupt, Ernährer gibt es nicht mehr, die Männer müssen sich als gleichberechtigte Partner in der Familienkonfiguration finden und verstehen. Pionier*innen der Wissenschaft, die ebenfalls in dieser Zeitspanne, Epoche lebten : Lise Meitner, https://de.wikipedia.org/wiki/Lise_Meitner in Preußen durften zu der Zeit die Frauen noch nicht studieren, so musste sie durch den Hintereingang das Gebäude betreten und durfte die Vorlesungsräume und experimentierräume der Studenten nicht betreten. dies fiel erst 1909 als das Frauenstudium in Preußen offiziell eingeführt wurde. Sie wurde 1906 als 2. Frau an der Wiener Universität promoviert! Marie Curie, https://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Curie die gleichberechtigt mit ihrem Mann forschen durfte und von ihm Unterstützung erhielt, als 1. Frau und 1. Professorin, die 1908 an der Sorbonne lehrte. Die Universität Hamburg zog 1985 in ihrem Begleitheft zur Ausstellung Frauen in den Naturwissenschaften das folgende Fazit: „Marie Curie ist wegen der von ihr erhaltenen Nobelpreise in Physik (1903, gemeinsam mit Pierre Curie und Becquerel) und Chemie (1911) die wohl bekannteste Physikerin. Weniger bekannt pflegen die Schwierigkeiten zu sein, auf die sie stieß: sie wurde nicht zum Studium an der Warschauer Universität zugelassen, verdiente das Geld für ihre ersten Forschungen als Mädchenschullehrerin, und noch 1911 (!) wurde ihr die Aufnahme in die französische Akademie der Wissenschaften verweigert. Ähnlich unbekannt scheint auch ihr Engagement beim Völkerbund zu sein: Von 1922 bis 1934 war sie Vizepräsidentin der internationalen Kommission für geistige Zusammenarbeit beim Völkerbund. Auch die Möglichkeiten einer medizinischen Nutzung ihrer Entdeckungen interessierten sie stark.“[91] Zu benennen gewesen wäre sicher auch Clara Immerwahr https://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Immerwahr , die mit dem späteren Nobelpreisträger Fritz Haber verheiratet, ebenfalls der Ehe ihre Karriere geopfert hat, und sich jung später das Leben nahm. Fazit: Die Frage, wo ist der Charme der guten alten Zeit? ;-) unsere Lesekreis-Erfahrungen:
- Samantha Harvey: Umlaufbahnen | Mysite
Samantha Harvey: Umlaufbahnen Aus dem Englischen von Julia Wolf. Ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2024. Von oben betrachtet sieht die Welt gleich ganz anders aus: Sechs Astronauten schweben in einer Raumstation durchs All. Den Planeten Erde umkreisen sie einmal in 90 Minuten, sechzehnmal in 24 Stunden. Die zwei Frauen und vier Männer aus ganz unterschiedlichen Nationen arbeiten, essen und schlafen auf engstem Raum - und doch ist alles losgelöst vom Alltag, Schwerkraft und Zeitempfinden sind außer Kraft gesetzt. Was passiert, wenn man seine Heimat nur aus weiter Ferne durch ein kleines Fenster sieht? Wie verändern sich Denken und Fühlen? In dem Zeitraum von nur einem Tag, während die Sonne sechzehnmal auf- und untergeht, betrachtet dieser ungewöhnliche, kraftvoll poetische Roman die großen und kleinen Fragen der Menschheit und bringt uns der Schönheit des Universums ganz nahe. zur Autorin: Samantha Harvey, 1975 geboren, lebt und arbeitet als Autorin in Bath, England. 2024 erhielt sie für ihren Roman Orbital den Booker-Prize. Quelle: Wikipedia zum Buch: erschienen: 2024 Übersetzerin: Julia Wolf Verlag: DTV Verlagsgesellschaft Genre: Gegenwartsliteratur Seitenanzahl : 224 zu unseren Lesekreis-Erfahrungen