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- Nathaniel Hawthorne: Der scharlachrote B | Mysite
Nathaniel Hawthorne: Der scharlachrote Buchstabe ..der scharlachrote Buchstabe, im Original The Scarlett Letter, ist ein Roman von Nathaniel Hawthorne, der 1850 erstmalig erschienen ist. Der scharlachrote Buchstabe – Wikipedia zum Autor: Nathaniel Hawthorne... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: tragischer Roman Verlag: dtv erschienen: erstmals 1850 Neu übersetzt u. kommentiert: Jürgen Brocan Seitenzahl: 479 zur Lesekreis-Erfahrung
- Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers | Mysite
Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers Klappentext: Norwegen 2017 Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt ich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot und einer ganz besonderen Fracht versucht sie die französische Küste zu erreichen. Dort will sie den Mann zur Rede stellen, der einmal die Liebe ihres Lebens gewesen ist. Frankreich 2041 Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden, es ist längst nicht genug Trinkwasser für alle da. Doch bei dem jungen Vater David und seiner Tochter Lou keimt Hoffnung auf, als sie in einem vertrockneten Garten ein altes Segelboot entdecken. Signes Segelboot. zur Autorin: Maja Lunde, 1975 in Oslo... Wikipedia zum Buch: Genre: Dystopie, Belletristik Verlag: btb erschienen: 2018 Übersetzung: aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein Seitenzahl: 476 unsere Lesekreiserfahrungen: Wie hat es uns gefallen: Mehrere unserer Lesekreisteilnehmerinnen hätten vom Buch mehr erwartet. Die Themenvielfalt ist gegeben, neben dem zentralen Thema Wasser werden auch Themen wie Familie, Verlust, Hoffnung und die Auswirkungen des Klimawandels behandelt. Sie werden allerdings oft nur angerissen, gehen nicht in die Tiefe, und Verschiedenes löst sich nicht auf, passt nicht. Dies führt beim Lesen zur Unzufriedenheit. Relativierend ist festzustellen, das jede Leser*in ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven einbringt, mit ihren persönlichen Symbol-Deutungen. Eine gute Möglichkeit das Buch zu lesen, die vielleicht der Leser*in eine tiefere Auseinandersetzung mit den Themen wie menschliche Beziehungen und Umweltbewusstsein ermöglicht. Was hat uns gefallen: Lunde schafft durch detaillierte Beschreibungen der Umgebung und der Natur eine dichte Atmosphäre, die die Leser in die verschiedenen Zeitperioden und Orte hineinzieht. Was hat uns gestört: Die Kritik beginnt beim Titel: Es ist KEINE Geschichte des Wassers, man hätte besser daran getan, „Blau“, wie es in der Originalfassung heißt, als Titel zu behalten. Gestört haben die teilweise sehr ausufernden Tätigkeitsbeschreibungen von Signes Sailing, ebenso wurde in epischer Breite der Sex von Signes Eltern bzw. Davids mit Marguerite geschildert. Am unwahrscheinlichsten und unglaubwürdigsten erscheint der „Showdown“, das Zusammentreffen von Magnus und Signe zum Ende von Signes Reise. Da hätte es doch etwas mehr Einfallsreichtum gebraucht! Figuren, die uns am nächsten stehen: Für die beiden Hauptakteure des Romans konnten keine Sympathien aufgebracht werden, Signe in ihrer Verbissenheit, David, der den Ernst der Lage viel zu spät erkennt, obwohl seine Frau schon sehr frühzeitig gehen will. Fazit im Lesekreis : Der Roman bietet zwar Elemente, die an kitschige Liebesgeschichten erinnern, doch er regt gleichzeitig zum Nachdenken über Umweltbewusstsein an und liefert wertvolle Diskussionsvorlagen.
- Ina Westmann: Heute beissen die Fische n | Mysite
Ina Westmann: Heute beissen die Fische nicht Klappentext: Eine Familie verbringt ihren Sommer auf einer abgelegenen Insel im finnischen Schärengarten. Vater, Mutter, Kind - Joel, Emma und Fanni.: Die Idylle könnte perfekt sein. Doch Emma, die Fotojournalistin ist oft und häufig in Krisengebieten unterwegs, wird von Kopfschmerzattacken und Halluzinationen geplagt: Treibt dort aus dem Nebel wirklich ein verlassenes Boot auf sie zu? Und sitzt da vorne auf dem Stein wirklich eine dunkelhäutige Frau und blickt aufs Meer? Oder sind es nur Erinnerungsfetzen an ein vergangenes Geschehen, das Emma bis in ihr Sommerrefugium verfolgt und droht, sie von sich selbst und ihren Liebsten zu entfremden? zum Autorin: Ina Westmann, geboren 1974, ist Schriftstellerin, renommierte Bloggerin und Kommunikationsmanagerin in der Verlagsbranche in Helsini. (Text Mare-Verlag) zum Buch: Genre: Roman, Belletristik, Drama Verlag: Mareverlag Übersetzer: Stefan Moster erschienen: 2021 Seitenzahl: 256 zu unseren Lesekreiserfahrungen:
- Lesekreis-Erfahrungen Anleitung ein an | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Edouard Louis: Anleitung ein anderer zu werden Wieder ist es ein junger Schriftsteller, der uns beschäftigt. Der Klappentext ist gleichzeitig „Die Eröffnung“. Mehr auf den Punkt bringt es der französische Originaltitel „Methode“. Es ist kein schönes Buch, keine Wohlfühl-Lektüre. Es regt zum Diskutieren an 😉. Die „Anleitung“ reflektiert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit sich selbst, seinem Klassenaufstieg durch Bildung, seinem Wunsch nach Anerkennung und Glück, aber die Veränderung bewirkt auch Entfremdung , Scham und Schuld. Schlüsselsatz Seite 165: „Mein Privileg bestand darin, dass ich ein Leben ohne Privilegien kennengerlernt hatte.“ Wie hat es uns gefallen : Louis Sprachstil ist gehoben, gepflegt und elegant, erinnert in Teilen an Mercier, in der Schonungslosigkeit an Annie Ernaux. Seine Intension findet sich im 2. Prolog Seite 22: „ob ich jemals eine solche Szene würde schreiben können, eine Szene die ungeheuer weit weg von dem Kind war, das ich einst gewesen bin, und von seiner Welt, (….) alles zu erzählen, was zu dieser Szene geführt hatte,(…...) in dem Versuch,.in der Zeit zurückzugehen.“ Was hat uns gefallen: Die Meinungen sind ambivalent und meist nicht zu seinen Gunsten: Er schreibt strikt subjektiv aus seiner eigenen Perspektive, so dass der Blickwinkel einseitig bleibt. Die Selbstreflexion sind fiktive Aussprachen mit dem Vater: „Imaginäres Gespräch vor dem Spiegel“ Er will dem Milieu entfliehen, das ihn geprägt und verletzt hat. Seine Rachegedanken für eine Kindheit in einem Dorf aufzuwachsen, dessen Atmosphäre von Armut, Alkoholismus, Gewalt, Aggression, Homophobie und Rassismus durchzogen war, lesen sich wie eine Abrechnung. Die „Cuts“, („Weitere Bilder, eine Erinnerung“) die er fortwährend bei seinem Weg, den er einschlägt, begeht, sind sehr hart und lassen ihn als fast schon beziehungsunfähig dastehen. Er lässt Menschen zurück, sei es seine Familie, die 1. Freundin Elena, sowie deren Mutter, die ihn unterstützt und gefördert haben, die Bibliothekarin und später die Theaterdirektorin Babeth, die ihn fast wie einen Sohn behandelt (S.107), daher seine Schuldgefühle gegenüber denen, die ihm geholfen haben. Der Versuch, alles abzustreifen, und sein schlechtes Gewissen ihnen gegenüber – („Bitte denke nicht schlecht von mir“ ) Interessanterweise sind es überwiegend Frauen. Kein Platz für Liebe, gegenseitige Freundschaft. Seite 194: - Egoismus in Reinkultur? Seite 226: „Er musste ein Millionär sein, ein Prinz, ein bekannter Politiker, egal was, Hauptsache jemand der meinem Rachedurst angemessen war – Die Besessenheit zu gefallen, und dann: „(bitte verurteile mich nicht, ich versuche nur, so ehrlich wie möglich zu sein“ Einzig mit Didier Eribon (1953 geboren) , Journalist, Autor, Soziologe und Philosoph, der sein prägender akademischer Lehrer wird, verbindet ihn bis heute eine intensive Freundschaft. Nicht gefallen: hat der ironisch-bittere Unterton, der vermitteln kann, dass er sich wohlfühlt, in der Opferrolle. hat, dass er ausschließlich um die Befindlichkeiten einer, nämlich Seiner Person kreist, mit der Transformation als Selbstrettung. hat die fragmentierte Erzählweise, unzusammenhängende bruchstückhafte Szenen, müssen manchmal puzzleweise zusammengefügt werden. der Epilog, das Versöhnliche, schwer glaubhaft, die Annäherung an die Familie. Wirkt es berechnend ehrlich - oder doch wie der Ausdruck jener Transformation, die jede Entwicklung vom Kind über den Teenager zum jungen Erwachsenen durchläuft, ganz gleich, mit welchen Geburts- oder Lebensumständen man antritt? Er spricht von „langen Stunden, in denen ich mein Leben erlernte, als wäre es eine Theaterrolle“. Dies ist der Vorwurf, der in der Gruppe mehrfach wiederholt wird: sein Text lese sich, als würde er die spätere Verfilmung bereits mitdenken. - Auch das Ende kann so ausgelegt werden -, Besonders berührt hat: seine Hartnäckigkeit im Aneignen von Wissen und die Besessenheit nach Erfolg, Ruhm, Anerkennung. Seite 71: „Also tat ich für das Lachen dasselbe wie für den Dialekt: ich übte; Ich beschloss ein neues Lachen zu lernen, allein durch Willenskraft". Scham und Schuld: Seite 267 „Ich glaube, ich schreibe, weil ich manchmal alles bereue, wie ich manchmal bereue, mich von der Vergangenheit abgekehrt zu haben, weil ich mir manchmal nicht sicher bin, ob die Bemühungen zu irgendetwas nütze waren. ….um ein Glück gekämpft, das ich nie gefunden habe.“ Seite 268: "Ich vermisse die Gegenwart" Unser Fazit: Egal wie sehr du dich „neu“ erfindest, du schleppst deinen „Rucksack“ mit dir, was zu Scham und Schuldgefühlen gegenüber denjenigen führt, die du auf deinem Weg nach oben zurücklässt.
- Deniz Ohde: Streulicht | Mysite
Deniz Ohde: Streulicht Klappentext: zur Autorin: Deniz Ohde (* 1988 in Frankfurt am Main ) ist eine deutsche Schriftstellerin . "Streulicht" ist ihr Debütroman. Quelle Wikipedia Klick hier! Erfahrungen im Lesekreis: Industrieschnee markiert die Grenzen des Orts, eine feine Säure liegt in der Luft, und hinter der Werksbrücke rauschen die Fertigungshallen, wo der Vater tagein, tagaus Aluminiumbleche beizt. Hier ist die Ich-Erzählerin aufgewachsen, hierher kommt sie zurück, als ihre Kindheitsfreunde heiraten. Und während sie die alten Wege geht, erinnert sie sich: an den Vater und den erblindeten Großvater, die kaum sprachen, die keine Veränderungen wollten und nichts wegwerfen konnten, bis nicht nur der Hausrat, sondern auch die verdrängten Erinnerungen hervorquollen. An die Mutter, deren Freiheitsdrang in der Enge einer westdeutschen Arbeiterwohnung erstickte, bis sie in einem kurzen Aufbegehren die Koffer packte und die Tochter beim trinkenden Vater ließ. An den frühen Schulabbruch und die Anstrengung, im zweiten Anlauf Versäumtes nachzuholen, an die Scham und die Angst - zuerst davor, nicht zu bestehen, dann davor, als Aufsteigerin auf ihren Platz zurückverwiesen zu werden. Deniz Ohde erkundet in ihrem Debütroman die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Satz für Satz spürt sie den Sollbruchstellen im Leben der Erzählerin nach, den Zuschreibungen und Erwartungen an sie als Arbeiterkind, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit, der verinnerlichten Abwertung und dem Versuch, sich davon zu befreien. Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist KEIN landläufig zu nennen „schönes“ Buch. Der Schreibstil ist emotional sehr distanziert, wirkt Tatsachenbericht ähnlich, was als Selbstschutz der Protagonistin empfunden wird. Die Erzählung gleicht einer Dokumentation mit protokollarischer Ausführlichkeit, dennoch ist die innere Anspannung spürbar und der Ton nie moralisierend oder zensierend. Was hat uns gefallen? Die Protagonistin zeichnet sich durch ihre Resilienz aus. Die Beharrlichkeit mit der sie den gesellschaftlichen und familiären Umständen trotzt (doppelt fremd- isoliert -fühlend als Arbeiterkind mit türkischem Elternteil) und ihr Studium aufnimmt. Schön wird auch die 3er Beziehung aufgenommen: Die Protagonistin mit „geheimen Namen“, Sophia und Pikka erinnert die Gruppe an die 3er- Freundschaft in „ Helle Tage“ Was hat uns gestört? Eltern von Pikka und Sophia wirken leblos – als Originale geboren, die zur Kopie wird. Die Traumatas der Familie: „wir waren 2 x ausgebombt“ der Vater, schwer in der Fabrik arbeitend, alkoholabhängig, jähzornig, Messi „wir stehen unter Beobachtung“, der Vater gegenüber der Mutter, gebürtige Türkin nur nicht auffallen „Man durfte zu keiner Zeit zur Bürde der Anderen werden“ die Protagonistin Eigene Reflektionen zum Thema Schulsystem, Ignoranz und Toleranz „Es war keine Identität die sich heraus bildete, sondern eher wurde sie mir entzogen, verschwand im Keller der Schule, zwischen bis in die 60er zurückreichenden Akten, weil ich die Einzige aus meinem Jahrgang war, die nicht auf eine höherer Schule wechselte…“ „Ich betrachtete die Tintenschrift, manchmal durch Tränenflüssigkeit verwischt, was ich damals zum Zeichen meiner Überforderung stehen gelassen hatte, in der Hoffnung, jemand würde es verstehen...“ Die Situationen des Werks erinnerten an: Max Frisch "Du bist nicht", sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte: "wofür ich Dich gehalten habe." Und wofür hat man sich denn gehalten? Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat. Am Meisten am berührt hat uns: Der Gedankengang zur Selbstmord-Attentäterin in der Kirche – für die Protagonistin eine Form des Davongehens: „Im Alter von zehn Jahren stellte ich mich auf meine Fensterbank und schaute nach unten auf die Straße. Es könnte vorbeisein, dachte ich“. Lieblingszitate: „Ich stehe ja am Rande der Gesellschaft“, sagte ich und lachte in die Runde (….) Über mich selbst lachen, damit die anderen es nicht taten.“ - Ironie der Verzweiflung Zeitgeist: Zugehörigkeit und Identität „Du bist Deutsche“, „du kannst nicht gemeint sein“ sagt die Mutter. Die Protagonistin ist in Deutschland geboren und hat einen deutschen Pass. –Die Integration fehlt. Wie empfinden wir die Stimmung im Werk? Die Stimmung wir als deprimierend empfunden „kein Garten umschloss unser Haus, keine Birke spendete mir Schatten, denn aus Schatten bestand ja unser ganzes Grundstück, und unsere Wohnung war ein Geheimnis, das wir zu hüten hatten, dessen wir uns schämten“ Fazit / Empfehlung: Ein Buch, das nicht nur einmal gelesen werden kann (muss), mit vielen Ansätzen zur Selbstreflektion. Zum Nachdenken, wie man selbst reagieren würde, oder schon hat. Was sind meine Empfindungen, habe ich mich schon ähnlich verhalten. Es läßt den Leser*in erschüttert und in sich gekehrt zurück.
- Janet Frame: Ein Engel an meiner Tafel | Mysite
Janet Frame: Ein Engel an meiner Tafel Klappentext: Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Lilian Faschinger. Janet Frames autobiografischer Roman erzählt die Lebensgeschichte einer der eigenwilligsten Autorinnen der Weltliteratur. Die junge Janet Frame wächst unter ärmlichen und tragischen Umständen an der Küste Neuseelands auf: ihr Bruder erkrankt an Epilepsie, und ihre beiden Schwestern ertrinken bei Badeausflügen. Nach einem Selbstmordversuch in die Psychiatrie eingeliefert, rettet die junge Autorin nur wenige Tage vor einer geplanten Hirnoperation ein Literaturpreis, und sie wird nach acht Jahren entlassen. "Ein Engel an meiner Tafel" liefert den Beweis für die lebensspendende Kraft der Literatur, erzählt von einer Autorin, die ihr Leben dem Schreiben widmete und bis zum Ende aus dieser Kraft schöpfte. zum Autor: Janet Frame... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Autobiographie Original-Verlag: C.H.Beck erschienen: 2012 Seitenzahl: 288 aus dem Englischen von Lilian Faschinger zur Lesekreis-Erfahrung Der Klappentext lässt eine besondere Gemeinsamkeit mit unserem letzten Buch erkennen: Die Protagonisten sind äußerst tragische Figuren, die ihre Emotionen nicht zulassen können. Der Roman ist eine Autobiographie, also vom Standpunkt der Verfasserin erzählt. Es ist ein trauriges Buch Janets Geschichte, wenn auch mit positivem Ausgang. Die Autorin schreibt nüchtern und knapp, ohne Schnörkel, es sind die Metaphern in ihren Gedichten, die die Gefühlswelt widerspiegeln und sich ebenfalls im Werk befinden. Tod der Mutter Seite 236: „….die Dezembersonne, glühendste Todesanwältin, in diesem ihrem dreiundsechzigsten Jahr(…)“ Schon die Kindheit beginnt tragisch, in einer Familie in ärmsten Verhältnissen. Der Bruder leidet an schweren Epilepsie-Anfällen, und 2 ihrer Schwestern werden bei Bade-Unfällen unabhängig voneinander aus dem Leben gerissen. In ihrer Studienzeit fällt die furchtbare Fehldiagnose Schizophrenie, derentwegen sie acht Jahre lang unter entsetzlichen Bedingungen weggesperrt wurde. Wie hat es uns gefallen: Wir empfanden als Leser oft die Ängste ihrer Wahrnehmung und die damit verbundenen Einflüsse auf ihr Gemüt befremdlich. Sie scheint eingeschlossen In ihrem Kokon aus Einsamkeit, grenzenloser Naivität, Scham und Schüchternheit. Schwierig ist ihre soziale Phobie, Angst vor alltäglichen Situationen nachzuempfinden. Seite 27: „Viel von meiner Zeit und meinen Erfahrungen als Studentin ist mir heute verschlossen (…)...Ich hatte keinen Begriff vom Ausmaß meiner Einsamkeit. Ich klammerte mich an die Werke der Literatur, wie ein Kind sich an seine Mutter klammert.“ Sie erscheint uns oft sehr herb, fast herzlos. Das emotionslose Schildern der Erlebnisse lässt keine Bilder aufsteigen, nur Verwunderung und kommt manchmal einer Aufreihung der Tätigkeiten oder Ereignisse sehr nahe. Beispiele: Sehr unverständlich das Verhältnis, der Umgang mit der Mutter, ihre Einschätzung der Liebe ihrer Mutter: „so herzlos wie sie möchte sie nie sein.“ Seite 227: „ich komme nie mehr zurück nach Willowglen. Meine Worte waren verletzend und ich wusste es.“ Seite 233: „Niemand erwartete von mir, dass ich an Mutters Begräbnis teilnahm.; ich erfüllte die Erwartungen meiner Familie, indem ich mich nicht dazu imstande fühlte.“ Wir empfanden als besonders berührend: Ihr fehlendes Selbstwertgefühl, die Schwermut, Wer glaubt an mich ? Seite 156:“Statt mich einer Lobotomie zu unterziehen, wurde ich als Person mit einem gewissen Wert behandelt, als menschliches Wesen…„ Seite 158: „Nola starb vor wenigen Jahren im Schlaf. Das Vermächtnis ihrer entmenschlichenden Veränderung lebt zweifellos weiter in allen, die sie kannten, ich trage es für immer in mir." Seite 273:“ .. das Land verlassen…(…) aus einem Land zu fliehen, in dem meine Andersartigkeit , die in meinem Wesen lag, und selbst mein Wunsch zu schreiben..(..) als Anzeichen von Abnormalität betrachtet wurden.“ …(..) Wir sprachen über: Die furchtbaren Behandlungsmethoden der damaligen Zeit, wo Janet durch die Fehldiagnose Schizophrenie über 200 Elektroschock-Behandlungen erleiden musste. Seitens der Eltern fanden wir positiv bemerkenswert, dass sie in den 40er Jahren trotz Armut, als junge Frau studieren durfte. Die Ambivalenz ihrer Person: Seite 89: „Innerlich lächelte ich überheblich. Von wegen Begabung für das Schreiben! Das Schreiben würde mein Beruf werden.“ Seite 31: „Meine Unzufriedenheit mit meinem Zuhause und meiner Familie war groß. Die Unwissenheit meiner Eltern machte mich wahnsinnig.“ Seite 30: „..wenn ich die Münzen einwarf. Ich starb beinahe vor Scham.“ Seite 36: „Nur drei oder vier Mal war ich kühn genug, mir ein Exemplar des Critic zu nehmen“… Seite 48: „…bei der Vorstellung, mit Isabell ‚zurande kommen‘ zu müssen, überfiel mich Panik" Zum Buchtitel: Ein Engel...: Ein Schutzengel?, der sie im quasi letzten Augenblick vor der Lobotomie bewahrte?; oder: Der „Retter“ (Engel) Frank Sargeson: Seite 208 „Der Preis, den ich für den Aufenthalt in der Militärbaracke zahlte, war das Bewusstsein der Wertlosigkeit meines Körpers. (…) Im Austausch gegen diese mangelnde Selbstachtung als Frau gewann ich ein Leben, wie ich es mir gewünscht hatte." Fazit: Nichts ist umsonst, sie zahlte einen hohen Preis. Eine Frau, deren Obsession das Schreiben war, das sie als Dreh- und Angelpunkt in ihrem Leben empfand. Vergleich: Besonders eindrücklich mit poetischen Bildern ist die Trilogie des Lebens von Janet Frame adaptiert in dem preisgekrönten Film von Jane Campion, den wir sehr empfehlen. 😉
- Mariana Leky: Was man von hier aus sehen | Mysite
Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann Klappentext: Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman. 'Was man von hier aus sehen kann' ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Für Luise zum Beispiel, Selmas Enkelin, gilt es viele tausend Kilometer zu überbrücken. Denn der Mann, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan … zur Autorin: Mariana Leky, geboren 1973 in Köln ist eine deutsche Autorin... siehe Wikipedia-Link ... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Belletristik, Fiktion erschienen im: Dumont Verlag herausgegeben: 2017 Seitenzahl: 320 unsere Lesekreis-Erfahrungen: Die Zauberwelt Luises, der Protagonistin in der Coming of Age Erzählung, oder: Die Welt, in der wir gerne leben möchten? Once upon a Time in einem kleinen westerwäldischen Dorf in den 80er Jahren, wo die Menschen skurril, sehr Erd- und Mystik- verbunden sind, verschroben in der ihnen eigenen kleinen Welt. Wir stellen fest: Eine Bearbeitung der Geschichte mit pragmatischen, praktischen oder gar zweckmäßigen Überlegungen ist nicht möglich, und wird nur zu Enttäuschungen führen, hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit der Ereignisse und Begebenheiten. 😉 Alles ist aus Sicht des neunjährigen Mädchens Luise und ihrer Wahrnehmung geschrieben. So werden beispielsweise keine zum Einsturz gefährdeten Böden repariert, sondern lediglich als außerordentliche Gefahrenstelle kenntlich gemacht. Der Roman umfasst 20 Jahre Entwicklung des 9-jährigen Kindes, bis zu dessen Abitur. Erwachsenwerden und Ausbildung zur Buchhändlerin bei Buchhändler Rödder, wir leiden mit beim erstmaligen Erleben Luises von Freundschaft, Liebe und Verlust. Was sich als logisch aufdrängt, wird oftmals ausgeblendet, manche Akteure sind mit ihrem Berufsstand und gleichsam mit ihrer Charaktereigenschaft oder ihren Gemütszustand beschrieben, aber nicht „benamt“. Bemerkenswert: etwa der tatsächliche Name des verliebten Optikers in (Oma) Selma kommt erst auf den letzten Seiten ans Licht, indem er während eines Telefonats sich namentlich vorstellt. Die Figurenzeichnungen der Personen und ihrer Charaktere sind sehr lebendig: Da ist der Schulkamerad MARTIN, der „Hochheber“ (Idol der Kran von Schachty), kommt bei Zugunfall ums Leben - sein Vater Palm ist Alkoholiker SELMA, Luises Oma, unbewusste Doppelgängerin von Rudi Carell 😉, sieht durch Okapi-Traum den Tod voraus …“Selma trug eine große violette Rüschen-Badehaube, die aussah wie eine Hortensie und die sie sich von Elsbeth geliehen hatte, damit Rudi Carrells Frisur nichts geschah“. OPTIKER– Dietrich Hahnberg, Liebesbriefschreiber, Mitarbeiter des Monats der der einzige Mitarbeiter ist. -ist schon seit Jahren in Selma verliebt, unzählige Briefe angefangen, nie zu Ende gebracht, oder gar abgeschickt. Selma und der Optiker sind beide maßgeblich in die Erziehung, Entwicklung und Bildung von Luise und Martin involviert. Die Ehe der ELTERN Luises ist weder harmonisch, noch funktioniert sie, beide wirken eher als Nebendarsteller, immer zweifelnd, ob man sich nicht besser trennen sollte. Mutter Astrid (Besitzerin des Blumenladens Blütenrein) hat es ewig eilig, und ein Verhältnis mit dem Eisdielenbesitzer Alberto mit Vorliebe für klingende Namen seiner Produkte z.B. „Flammende Versuchung, Heißes Verlangen“. Vater Arzt und Aussteiger, lebt in dem Gefühl etwas verpasst zu haben, möchte die Welt sehen und geht dann auf Reisen. „Ein bisschen mehr Welt hereinlassen“. HUND ALASKA als Metapher für Schmerz (des Vaters eingekapselter, der so externalisiert werden soll laut. Dr. Maschke), Mischling irischer Wolfshund mit Pudel (wer kann sich darunter etwas vorstellen?) Die abergläubige ELSBETH, Kräuterhexe wohnt am Dorfende stellt u.a. Schneckensalbe her, die graue Haare wieder blond machen soll. FREDERIC, der Mönch aus dem Wald, konvertiert zum Buddhismus, lebt in einem Kloster in Japan. „Luise liebt einen Buddhisten, der nicht zölibatär in Japan lebt und uns in drei Wochen besucht“ S. 162 Die immer schlecht gelaunte, traurige MARLIES, deren Tante hat sich mit 92 Jahren erhängt hat, und Marlies fand, „da lohnte das Aufhängen auch nicht mehr“ S 56 Besonders gefallen hat uns: Der Ton der Erzählung ist bewusst dem Alter Luises und Zeitgeist der 80er Jahre angepasst. Beispielsweise die Pralinen Mon Cheri zum Geburtstag Selmas, „da die Füllung so entspannend sei“ 3. Teil des Buches Kapitel S 147 „Unendliche Weiten" Star-Treck-Serie (Raumschiff Enterprise), der Märchenwelt, Heinrich, der Wagen bricht S.279, Der Froschkönig, Detailliert wie nur Kinderaugen zu beobachten, registrieren,die Beschreibungen der „Anzugsordnung“ der traurigen Marlies, die die Farbe ihrer Unterhosen mit einem ausgeleierten Norwegerpullover kombiniert. Es mag manchen Leserinnen mitunter allzu viel des Guten sein, amüsiert jedoch durch die Bildhaftigkeit, die hängen bleibt. Es wurde kritisiert: Unstimmig: Luise ist 1 Jahr jünger als Martin und macht ihm die Hausaufgaben Fragwürdig: Die „Läuterung Palms, (Vater Martins), der nach dem Verlust des Sohnes vom Alkoholiker zum bibeltreuen Gläubigen. Der Hintergrund des Mönchs fehlt, er kommt aus dem nichts, Familie? Zu viele Wiederholungen, wiederkehrende Sätze und Szenen. Was hat uns besonders berührt: Das Wort/Ähnlichkeitsspiel mit Oma Selma, Optiker, Martin und Luise, S. 50, überhaupt, ihre Hingabe zu den Kindern Zitate: "Keiner ist alleine, solange er noch WIR sagen kann" (S. 287) "Wenn wir etwas anschauen", S. 162) "Martin erkannte einen jungen Braunbären der sich sowohl mit seiner Farbe als auch mit dem Westerwald vertan hatte". Frederic: "Du bist verschwommen, Luise" Der Roman endet mit der Entscheidung Luises, hinaus in die weite Welt zu treten. Geht gut aus, stimmig und nicht abrupt. Zum Buchtitel: "Wenn man etwas gut Beleuchtetes lange anschaut, und dann die Augen schließt, sieht man dasselbe vor dem inneren Auge nochmal als unbewegtes Nachbild, in dem das was eigentlich hell war, dunkel ist, und das was eigentlich dunkel war, hell erscheint." Prolog Seite 9 Fazit: Vergleich zu „Helle Tage“ ein Resilienz- und Mutmach-Buch, wir würden es verschenken, empfehlen.
- Lesekreis-Erfahrungen Hausbrand | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: HAUSBRAND von Kamila Shamsie Vorbemerkungen zum Buch: Die Autorin hat sich sehr bewusst für eine Adaption bzw. die Neuinterpretation von Sophokles Stück Antigone entschieden. Die Erzählung spielt unter britischen Muslimen. Die Ersterscheinung des Buchs war 2017. Das Thema war brisant, aufgrund des Attentats im Mai 2017 in Manchester, noch explosiver jetzt, nach dem schrecklichen Ereignis in Solingen, den Ängsten und Bedenken der Menschen in der heutigen Zeit. Unser Fokus liegt auf der modernen Neuerzählung von Sophokles' "Antigone". Wir vergleichen die zeitlosen Themen des Originals mit der aktuellen Relevanz in „Hausbrand", die in modernen Kontexten neu interpretiert werden können. Die Romangeschichte bewegt sich in 2014 + 2015 und erzählt über Familienbande, Loyalität und Vorurteile in der modernen Welt. Wie Antigone thematisieren beide Werke zentrale Fragen von Loyalität, Moral, Identität, und dem Konflikt zwischen individuellen Überzeugungen, Religion und staatlichen Gesetzen, Recht und Gerechtigkeit. Familienloyalität vs. staatliche Autorität: In "Antigone" steht die Protagonistin vor der Wahl, die Gesetze des Staates zu befolgen oder ihrer familiären Pflicht nachzukommen, indem sie ihren Bruder beerdigt. Auch Aneeka sieht sich in diesem ethischen Zwiespalt: Soll man die Gesetze des Staates über die moralischen Verpflichtungen gegenüber der Familie stellen? Aneeka / Isma Seite 194: „Was ist mit seinem Körper? „ „Das ist bloß eine Hülle, wie ein Muschelhaus.“ „Halt dir ein Muschelhaus ans Ohr, und du hörst noch den Ozean , aus dem es gekommen ist (…)..Er wünscht sich nach Hause zu kommen –(…) dass ich ihn nach Haus hole, und sei es in Form eines Muschelhauses.“ Identität und Zugehörigkeit: Ebenso erkunden sie die Themen Identität und Zugehörigkeit. In "Antigone" ist die Identität der Protagonistin stark mit ihrer Familie und deren Traditionen verbunden. In "Homefire" wird die Identität der Charaktere durch ihre muslimische Herkunft und die Herausforderungen, die sie in der westlichen Gesellschaft erleben, geprägt. „Für Mädchen war es unvermeidlich, Frauen zu werden; Für Jungen war es ein Ehrgeiz Männer zu werden.“ Konflikt zwischen Geschwistern: In beiden Geschichten gibt es einen starken Fokus auf die Beziehung zwischen Geschwistern. Antigone und Ismene in "Antigone" sowie die Geschwister in "Homefire" müssen sich mit den Entscheidungen und dem Schicksal ihrer Geschwister auseinandersetzen, was zu Konflikten und tragischen Konsequenzen führt. „Wir sind nicht in der Position, den Staat unsere Loyalität in Frage stellen zu lassen. Verstehst du das nicht?“ Isma zu Aneeka Tragödie und Konsequenzen: Beide Werke enden tragisch und zeigen die weitreichenden Konsequenzen von Entscheidungen, die aus einem tiefen Sinn für Gerechtigkeit und Loyalität getroffen werden. Die Charaktere müssen die Folgen ihrer Handlungen tragen, was zu einem Gefühl der Unausweichlichkeit führt. Seite 205: „Hier würde sie mit ihrem Bruder sitzen, bis sich die Welt änderte, oder sie beide zu Staub zerfielen .“ Uns hat besonders gut gefallen: Die Gliederung des Romans teilt sich in 5 Erzählperspektiven der jeweiligen Protagonisten. Shamsie schafft es, ohne Wertung jede Person unvoreingenommen und vorurteilsfrei zu zeichnen, die Beweggründe ihres Handelns und ihrer Standpunkte darzulegen. Die einzelnen Abschnitte sind unterteilt mit einem geometrischen Muster, das ebenso für ein Labyrinth wie für griechische Wandfriese stehen kann. Isma – sie übernimmt als 12jährige die Mutterrolle für die Zwillinge Aneeka + Parvaiz Seite 13: Flughafenkontrolle: „Aber Sie sehen sich als Britin?“ „Ich habe mein ganzes Leben hier verbracht.“ Sie wollte damit sagen, dass es kein anderes Land gäbe, dem sie sich zugehörig fühlen könnte, aber ihre Worte hörten sich wie eine Ausflucht an." Eamonn – ist der Sohn des Innenministers, ein junger Mann, dem es gut geht, der ziemlich unbedarft in die Welt blickt. Seite 116: “Mein Fehler, wiederholte sein Vater mit trauriger Stimme. (…) ich bin derjenige, der nie wollte, dass du erfährst, wie es sich anfühlt, wenn einem Türen vor der Nase zugeschlagen werden. Wenn man sich den Zutritt erkämpfen muss. Ich hatte nicht gedacht, dass dich das so selbstgefällig macht, ein solches Anspruchsdenken in dir weckt.“ Aneeka + Parvaiz deren besondere Beziehung zusätzlich durch die Zwillings- Ähnlichkeit betonte wird. Parvaiz +Anneka beide haben ihren Vater nie kennengelernt Karamat ist der Vater von Eamon, britischer Innenminister, selbst Moslem und führt einen harten Kampf gegen Hardliner, fordert von britischen Muslimen, dass sie angepasst leben. Er sieht sich mit der Loyalität zu seiner Familie, der Religion und den Erwartungen der Gesellschaft konfrontiert. Was hat uns besonders berührt: Wir fanden besonders anrührend und die Sprache poetisch: S. 185: „Schmerz manifestierte sich auf alle möglichen Weisen, nur nicht als Schmerz: Schmerz löschte alle anderen Gefühle aus außer dem Schmerz; Schmerz veranlasste einen Zwilling , tagelang das gleiche Hemd zu tragen, um den Morgen zu bewahren, an dem der Tote noch gelebt hatte;“ Anneka / Eamonn: “The world was dark and then there you were, blazing with light. How can anyone fail to love hope?“ Die Welt war dunkel, und dann warst du da, strahlend vor Licht. Wie kann man die Hoffnung nicht lieben? Letzter Satz: „Einen Moment lang sind sie ein Liebespaar im Park unter einem alten Baum, vom Sonnenlicht gesprenkelt, schön und in Frieden“. Wir sprachen über: Die Rolle der Medien, bei der Zuspitzung der Ereignisse von Shamsie sehr geschickt eingeflochten, deren Berichterstattung oft aufrührerisch beschämend, sehr parteilich aber nicht unbekannt ist. Fazit: Wir wissen nicht, ob wir es empfehlen können, es ist sehr schwere „Kost“ in jeder Beziehung. Eine unserer Teilnehmerinnen erklärte die Frage ist, „wem es zuzumuten ist“, Ich finde das trifft es sehr gut.
- Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb | Mysite
Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb Klappentext: Stevens dient als Butler in Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Peron: Niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Er stellt sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herrn. Auch die vorsichtigen Annäherungsversuche von Miss Kenton, der Haushälterin, weist er brüsk zurück. Viele Jahre lang lebt er ergeben in seiner Welt, bis ihn eines Tages die Vergangenheit einholt. Das kritische Porträt einer von Klassen und Hierachien geprägten Gesellschaft und eine bittersüße Liebesgeschichte, erzählt von einem, der seinen Stand nie hinterfragt und der nie auch nur geahnt hat, dass er liebte. zum Autor: Kazuo Ishigiguro... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: historischer Roman Original-Verlag: Blessing erschienen: 1989 Seitenzahl: 288 aus dem Englischen von Hermann Stiehl Lesekreis-Erfahrung The Remains of the Day, Was vom Tage übrig blieb, ist ein historischer Roman, die Handlung und Personen des Werks sind fiktiv, die Ereignisse geschichtlich nachgewiesen. Während einer 6-tägigen Reise, die Butler Stevens nach 30 Jahren Dienst 1956 unternimmt, ist es wahrscheinlich die 1. Selbstreflexion, die er zulässt. Die Reise fasst er selbst als Dienstreise auf, um die ehemalige Hauswirtschafterin Mrs. Kenton zurückzuholen, wie er insgeheim hofft. Erstmalig gelingt es ihm, die Schönheit seines Landes zu erkennen und genießen, während er in Rückblenden die vergangenen Jahre betrachtet: Seite 41: 1. Tag der Reise Salisbury 1956, „es war in der Tat ein schönes Gefühl, dort oben zu stehen, umsummt von den Klängen des Sommers und umweht von einer leichten Brise“ dem gegenüber: Seite 17: „Es war mir vergönnt, Sir, im Laufe der Jahre innerhalb dieser Mauern das Beste von England zu sehen.“ 😉 Wie hat es uns gefallen: Es ist ein feinsinniges und getragenes Buch, keine leichte Kost, von wunderbarer Sprache. Die Figuren sind überaus lebendig gezeichnet und die Reisebetrachtungen Englands stimmungsvoll . Das Motiv WÜRDE zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk, insbesondere die Festlegung der Butler-Würde, wie sie von Stevens, überliefert durch seinem Vater, nicht nur verstanden und verinnerlicht, sondern auch gelebt wird. Hauptakteure, ihre Charakter und Konstellationen: Mr. Stevens, seit über 30 Jahren oberster Butler von Darlington Hall, fühlt sich als Hüter des Hauses, mit Ernsthaftigkeit und eiserner Disziplin ist er präzise, ordentlich und pflichtbewusst. Für Spaß und Ironie fehlt ihm der Sinn. Er ist ein Gefangener der anerzogenen bzw. (seines Vaters) übertragenen Überzeugungen bis zur Selbstaufgabe. In seinem Berufsverständnis eines „Großen Butlers“, geht es ihm um Professionalität. In seiner rationalen Gedankenwelt kann er lange seine Gefühle für Miss Kenton nicht zugeben. Miss Kenton: Sie verließ Darlington Hall vor 20 Jahren, um zu heiraten, ist emotional und sagt, was sie denkt - selbstbewusst und streitbar - und sie war in Mr. Stevens verliebt. Lord Darlington ist zu Beginn des Romans bereits verstorben….- in unehrenhaftem Andenken in der Bevölkerung Ein Great Britain Gentlemen des Establishments - Very britisch: Höflich, ordentlich und strukturiert, lädt zu Konferenzen mit britischen und nationalsozialistischen Politikern ein, vielleicht naiv…Den fragwürdigen Charakter dieser Treffen ignoriert Mr. Stevens vollständig. Er hält auch später daran fest, dass Lord Darlington in gutem Glauben (ein ehrenhafter Gentlemen!) gehandelt hat …“er war wirklich kein schlechter Mensch…“ -Das Schweigen der Hinterbliebenen- Mr. Farraday, neuer Besitzer von Darlington Hall und damit Dienstherr Mr. Stevens, ist Amerikaner, offen, unverkrampft und unkompliziert. Er bevorzugt laut Mr. Stevens eine Art der leichten, humorvollen Konversation! 😉 Farraday beobachtet belustigt /kritisch die steife, beherrschte Art von Mr. Stevens, und versucht, ihn zu Reaktionen oder Meinungsäußerungen zu ermuntern. Uns hat gestört: Neben seinem Beruf hat Stevens kaum Interessen. Dazu ist er kein zuverlässiger Erzähler. Er verleugnet sich selbst, seine Gefühle. Alle Schilderungen der Ereignisse werden aus seiner Sicht erzählt, die verbrämt ist, durch seine absolute Loyalität gegenüber Lord Darlington. Besonders berührt hat uns: …Als nicht einmal beim Tod seines Vaters sich Stevens Emotionen erlaubt. Er unterdrückt das Eingestehen seines großen Verlustes. Seite 135: „Stevens, fehlt Ihnen etwas?“…(…)“Es tut mir leid, Sir. Die Spuren eines anstrengenden Tages“. Die Eindrucksvolle Szene, die die Resignation, Ausweglosigkeit der Angestellten offenbart: Miss Kenton, der trotz anderer Denkweise nichts übrigbleibt, als zu akzeptieren, dass die beiden jüdischen Dienstmädchen entlassen werden. Eine Maßnahme wie die Kündigung ihrerseits, hätte für sie selbst ein Existenzproblem geschaffen. ..die Erkenntnis Stevens des Fortschreitenden Alters. Seite 285: „Ich gab ihm das Beste, das ich zu geben hatte, und jetzt – nun, jetzt sehe ich, dass nicht mehr viel übrig ist, was ich noch geben kann.“… …die Bitternis für Stevens, zu begreifen, dass die Sinndeutung der Werte, die er für unerlässlich hält, ihn daran hinderte, etwas für sich in Anspruch nehmen zu können, indem er Miss Kenton nicht nur aus dem Haus, sondern in die Arme eines anderen Mannes getrieben hat. Die Verabschiedung von Miss Kenton /Ms.Benn Seite 281: „Schließlich kann man die Uhr nicht mehr zurückdrehen….(….).. in diesem Augenblick brach mir das Herz.“ wir sprachen über: Klassendenken, Hierarchien, Privilegierte Die gesellschaftlichen Verhältnisse Englands in den 30er Jahren, die Vorherrschaft von "Tradition und Ordnung". Moral der High Society, reich, arrogant, einflussreich Seite 49: Die WAHRE gute Gesellschaft,… und die WAHREN Herrschaftshäuser Wie die Würde des Butler, ist auch die Definition eines englischen Gentlemen und dessen Würde festgeschrieben: nobler Instinkt und Ehre Fazit: Erschütternd am Ende: Nichts gelernt!! Seinem neuem Dienstherrn will sich Mr. Stevens durch „antrainierten“ Humor und Schlagfertigkeit anbiedern . Porträt eines GROSSEN Butlers: Ein Mann, dessen letzter Halt die Form, der Stil ist. .
- Jane Gardam: Ein untadeliger Mann | Mysite
Klappentext: Jane Gardam: Ein untadeliger Mann Aus dem Englischen von Isabel Bogdan. Alles an Edward Feathers ist ohne Fehl und Tadel - seine Garderobe, seine Manieren und sein Ruf als Anwalt mit glänzender Karriere in Hongkong. Nun ist er alt und muss mit dem Tod seiner Frau Betty zurechtkommen, so wie er immer mit allem zurechtgekommen ist. Seine perfekte Haltung täuscht alle und manchmal sogar ihn selbst. Doch mit Bettys Tod bricht etwas in ihm auf, und behutsam beginnt Feathers, vergangene Ereignisse ans Licht zu holen. An einem kalten englischen Wintermorgen setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden. zur Autorin: Jane Gardam, geboren 1928, ist eine englische Schriftstellerin... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Gegenwartsliteratur Verlag: Hanser Verlag erschienen: erstmals 2004 Übersetzung: Isabel Bogdan 2015 Seitenzahl: 352 zu unserer Lesekreis-Erfahrung
- Lesekreis-Erfahrungen Ein untadeliger | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Jane Gardam Ein untadeliger Mann Unser neuer Roman ist wirklich und wahrhaftig very britisch: innen und außen. Die Autorin, sowie deren Übersetzerin schafft es mit einer Leichtigkeit das Leben und die Psyche des Protagonisten „Old Filth“ , Kronanwalt in seinen hohen 80-ern, sowie seiner Ehefrau, sehr geschickt und warmherzig, ohne Wertung zu beleuchten. Die atmosphärischen Beschreibungen der Landschaften, die „Grillen“ Teddies und Bettys sind ein Juwel von Literatur und deren Übersetzung. Auch bei Filth‘s Reflektion gibt es ein Innen und Außen, seiner gedanklichen Reise in die Vergangenheit und dann in die reale Außenwelt. Dabei werden starke Emotionen gegenüber Freunden und alten Weggefährten wieder erinnerlich. . Alles mit viel Authenzität und Gespür für die Empfindungen der jeweiligen Person. Ohne Klischee-Bedienung haben die Figuren mit ihrer Charakteristik ein nuanciertes Eigenleben. Edward Feathers, ehemaliger Raj-Waise mit der für immer verletzten Seele, als Erwachsener skurril exzentrisch. Betty, seine Frau, Schottin in Peking geboren, spricht fließend Mandarin, die chinesischen Sitten und Gebräuche sind ihr vertraut, wie er fühlt sie sich damit wohl: „Sein ganzes Leben hatte er chinesische Werte hochgehalten: Die Höflichkeit, die plötzlichen Seitenhiebe, die unbedingte Gastfreundschaft, die Freude am Geld, die Schicklichkeit, die Wertschätzung des Essens, die Diskretion, die Cleverness.“ Betty und Teddie sind kinderlos. „Wer ohne Liebe aufgewachsen ist, kann kein Kind lieben. „Ich wurde seit ich 4 ½ Jahre alt war nicht mehr geliebt“, sagt Filth, der in diesem Alter seinem Heimatort und den Bezugspersonen entrissen wurde, um die englische Sprache und Wertvorstellungen zu lernen. der gefühlsarme Vater Eddies, dessen Herz ebenfalls gebrochen wurde traumatisiert und mit einer Kriegsverletzung. Seite 39: „Er bat nicht darum, das Baby (seinen Sohn) sehen zu dürfen..(..)..monatelang kam er dem Kind nicht näher“ Auntie May, Missionarin in Malaysia und Teddies erste Bezugsperson, die ihn seit Geburt kennt Vereint im Leid bei Ma Didds (Pflegefamilie) Brutalität und Gewaltherrschaft: die Cousinen Babs und Claire - Seite 189: „Anscheinend, sagte Claire, reißt Bettys Tod Grenzen ein. Spült Leichen an die Oberfläche.“ die verrückten englischen Tanten Muriel und Tilda, „Les Girls“, laut Einschätzung Eddies psysisch taub, sind tatsächlich nur mit sich selbst beschäftigt und frönen der Selbstwahrnehmung ihrer Rolle zu Teddie der konkurrierende Widersacher Anwalt Terry Veenering Seite 21 „sie kreuzten nicht nur die Säbel, sie gingen mit Krummsäbeln aufeinander los“ …als späterer Nachbar in England, Seite 23: „ein Stück Regenrinne für die Morgenzeitung „..er hat mir das mit der Regenrinne nachgemacht“, sagte Old Filth, „er war noch nie besonders originell „ das „Schlitzohr“ Albert Ross alias Colerdige, Weggefährte chin. Herkunft ohne Eltern, Teddie lernt ihn bei seiner Überfahrt zurück nach Singapur kennen. Vom Uhrendieb zum Rechtsanwalt, bringt er Filth letztendlich nach Hongkong und begründet so dessen Reichtum. Seite 318 („er hat mich aufs Pferd gesetzt") Father Tansy, herrlich aus der Sichtweise des Alters: ..“Seite 183 „..kam ein Luftzug durch die Kirche…(..)..ein lockiger Junge kam den Gang heruntergehüpft. Er trug ein Kollar und Jeans….(…)..Sie möchten beichten?“…und er stellte sich vor, wie das Priesterbübchen innen drin den Kopf an die Seite lehnte.“.. Seite 325: „Father Tansy wartete mit leuchtenden Augen, wie ein Eichhörnchen.“ Ein Buch, das gefangen nimmt und eintauchen lässt, in die Suche nach Heimat, Geborgenheit und Zugehörigkeit, reich an Perspektivwechsel. Die Szenen so herrlich gestaltet, gemalt, dass sie wie ein Film vor dem geistigen Auge des Lesers ablaufen. Ob es bspw. Teddies Fahrkünste und die Reaktion anderer Verkehrsteilnehmer darauf sind, oder die Beurteilung Filth’s die „Anzugsordnung“ der jüngeren Generation betreffend😉. Als die berührendsten Stellen empfanden wir: Die Angst des Verlassenwerdens, die ihn nie mehr verläßt, siehe seinen Heiratsantrag „ Lass mich nie allein.“ Seite 92: …“eines Tages werde ich meinen letzten Willen für dich aufschreiben. Mit meinen ganzen persönlichen Wünschen.“ - „Hast du noch so viele“ - „Nicht viele. Ein Ende in Frieden, vielleicht.“ - „Und dass du mich nie verlässt, dachte er“. Seite 325: „Mein ganzes Leben lang, seit ich ein kleines Kind war, wurde ich verlassen oder im Stich gelassen, oder durch den Tod von den Menschen getrennt, die ich geliebt habe und denen ich wichtig war.“ Die Szene im Hotel, als er beim Frühstück den Nachruf auf seine Betty in der Zeitung sieht. Er „weinte still hinter den Händen , während er an diesem unbekannten Ort saß“, der einzige Verbliebene in dem großen Speisesaal. Erst jetzt realisiert er seinen Verlust, erlaubt sich, daran zu denken, weint immer weiter. Um ihn herum werden die Tische, auch sein Tisch vom Personal abgeräumt, das Tuch gewechselt. „Sie sagten kein Wort.“ Sie lassen ihn still bei sich. Immer wieder liegen Tragik und Komik kunstvoll so nah beieinander und rutschen dennoch nie in Slapstick ab. Seite 131“ Betty duldete keinen Unfug, wenn es um Blumen ging (…..). Sie predigte Blumen.“ Der Tod im Tulpenbeet mit ihren „Schandperlen“: „Filth hatte es nicht so mit den Blumen. Er fand sie nichtssagend, manchmal feindselig. Die Tulpen waren es, dachte er, die Betty erwischt haben.“ Sehr schönes Zitat: Seite 306: „Mein Gedächtnis war immer zuverlässig. Vielleicht zu zuverlässig,. Es hat mich nie verschont Erinnerung und Sehnsucht … ohne Erinnerung und Sehnsucht ist das Leben sinnlos.“ Mit einem Super- Twist am Ende schließt die Autorin den Roman, als Teddie nach Vergebung sucht. Fazit: Ein Meisterwerk an Erzählkunst Tragik-Komik, Ironie. Lesen und genießen!!
- Lesekreis-Erfahrungen Verbrenn all mei. | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Alex Schulman: Verbrenn all meine Briefe Der Roman erzeugte in unserem Lesekreis gemischte Gefühle. Die Charaktere von Olof und Sven wurden als sehr extrem in ihren Persönlichkeiten erlebt und die Aufarbeitung familiärer Konflikte wurden als beklemmend empfunden. Unter dem Gesichtspunkt der transgenerationalen Weitergabe von Traumata aber auch als wichtig und fesselnd. Wie im Klappentext angekündigt, untersucht er seine historischen Wurzeln. Es ist kein Wohlfühl-Buch. Manchen wirkt es ein wenig zu aufgesetzt. Seite 158 der Autor: „Ich bin der allwissende Leser“ (der Briefe), „der weiß, wie es ausgehen wird.“ Und: Wir konnten keinen Sympathie-Träger küren 😉Der Roman wirkt auf uns stark und intensiv. Die Personen der Dreiecksbeziehung: Olof (*1911 - +2002) zu schwärmerisch, seine Texte oft sehr sentimental, schicksalsschwer Seite 156: „..das Tagebuch eines Todgeweihten…“ …(…..) Ein langsamer Weg in den Wahn…. 157: … "dass sie die Zeit hier vergoldet“ Seite 177 „sie schlafen miteinander, (…)…er spricht von verschmelzen“ Sven (*1905 – +1996) ist ein Egomane und Narzisst Verfasst Moralische Schriften über die Rolle der Frau – ein Despot, der nach einer überstandenen TB immer noch glaubte, bei jeder Krankheit auf dem Sterbebett zu liegen. „Im Sommer 1932 verlor ich den Glauben an die Menschheit“ . – wurde ich Opfer eines sexuellen Übergriffs“ - Den Gipfel des Narzissmus und seines Höhenflugs leistet sich Sven mit dieser Aussage. Unerträglich, einen Betrug gleichzusetzen mit dem Leid, das Opfer von Vergewaltigungen erfahren müssen. Karin (*1907 – +2003) Seite 212 „Mit Olof braucht sie nicht darüber nachzudenken, wie sie sich benimmt“ Seite 154: „Jeder Streit endet damit, dass er mich Hure nennt“. ….“Weil ich ein loses Frauenzimmer bin. Ich bin unrein.“ Die Darstellung von Karins Geschichte und ihr Umgang mit den gesellschaftlichen Erwartungen ist besonders berührend und kontrovers. Wir diskutierten: Als unverständlich wurde die Ambivalenz zwischen Karin, eine „gestandenen Frau“ mit Erfahrung und Intellekt, die sich auf ein Heimchen am Herd degradieren lässt, und verschüchtert bleibt, empfunden. Die Gruppe ist sich einig, dass das Geburtsjahr (1907) wahrscheinlich eine große Rolle gespielt hat, und zur Stigmatisierung einer geschiedenen Frau geführt hätte. Es wäre ihr vermutlich nicht möglich gewesen, mit Ihrer Stelle als Übersetzerin ihren Lebensunterhalt autark zu bestreiten, da sie vermutlich unter fadenscheinigen Ausreden abgewiesen worden wäre. Gibt es ein Familienkarma, das einen Teil der Familien-Geschichte weiterreicht? Wie können wir uns befreien? Die Aufarbeitungstechnik in der Familienaufstellung Wir fanden besonders bewegend: Eine der schlimmsten Szenen des Buches, ist Svens öffentliche Lesung der Abtreibung aus Karins vorehelicher Beziehung. Entwürdigung und Enttäuschung sind nicht ausdrucksstark genug, um die Meinung der Gruppe wiederzugeben. Seite 196 -199: „Brandschrift über den Verfall der Sexualmoral“. Einen Markstein der Resignation setzt die Situation nach dem „Autounfall, eher Mordversuch, der ein erweiterter Suizid war. Seite 40 , ein Mordversuch oder erweiterter Suizid …“nirgendwo in seinem Buch oder wenn er davon erzählte, erwähnte er, dass meine Großmutter auch mit im Auto gesessen hatte…..(…).. ihr Gesicht hatte Feuer gefangen, sie erlitt Brandwunden 3. Grades an Brust und Hals….“ Seite 266: Sind wir uns einig? Fazit: Insgesamt war der Roman eine intensive und tiefgründige Lektüre, eine Anregung für den Leser zum Nachdenken über die Auswirkungen vergangener Traumata auf die Gegenwart. Es steht schon auf Seite 40: „ Und das Gift wirkte über Generationen fort. Wir lernten alle, einander zu hassen. Jedoch: Bleiben SIE Positiv!!! 😉