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- Lesekreis-Erfahrungen Herzfaden | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Wie hat uns das Buch gefallen? "Herzfaden" wird in der Gruppe sehr unterschiedlich gesehen. Das Gros ist seit mehr als 50 Jahren Anhänger der Augsburger Puppenkiste, was hinsichtlich der Erwartungshaltung der Geschichte der Puppenkiste nostalgische Gefühle mit sich bringt. Zum einen wird die Stimmung im Buch als sehr poetisch, märchenhaft und metamorphisch bezeichnet, mit einer Fülle von Assoziationsmöglichkeiten. Andere haben keinen Zugang zum Roman gefunden, zeigen sich daher wenig begeistert, fast enttäuscht. Auf die Verknüpfung von Fantasie und Realität der beiden Erzählstränge kann sich hier nicht eingelassen werden. Was hat uns gestört? Es wird über fehlende Struktur geklagt. -Die Rolle des I-Phones gegenüber dem Kasper ist unklar. Interpretationsvorschlag die Taschenlampenfunktion ;-) Licht/Aufklärung ins Dunkel der Geschichte - -Die durchgehende „Kinderstimme / Naivität von Hatü, selbst im Erwachsenenalter ist es nicht die einer Erwachsenen. Über was haben wir diskutiert? Situationen werden als doppeldeutig und widersprüchlich bezeichnet, es gibt Zweifel, ob dies bewusst herbeigeführt ist. Viele dieser Ambivalenzen und Paradoxons werden als störend und nicht authentisch empfunden. als Beispiel: - Bei einigen entstand der Eindruck, trotz schlechter Zeiten war Bewirtung bei Sekt und Schnittchen „gängig"; - Eine Veranstaltung (Vernissage) bei der Nationalsozialisten, Künstler, Demokraten ohne Clush aufeinandertreffen – sogar vordergründig akzeptiert werden? Das mangelnde Mitgefühl Hatü’s gegenüber bester Freundin Vroni in Anbetracht ihres schweren Schicksals als Waise. Die zunehmende Entfremdung zu Hatüs bester Freundin Vroni stößt auf Unverständnis. Unser Blick auf die Buch-Cover- Form: Die liebevolle Gestaltung des Covers und des Buches selbst, wunderschön aufgemacht, die Zeichnungen der Figuren aus der Augsburger Puppenkiste ermöglichen einen inneren Rückblick für jeden Einzelnen der besonderen Art. Welche der Figuren standen der Gruppe am nächsten? Vroni, beste Freundin und zentrale Figur, berührte am meisten und wurde als Sympathieträgerin empfunden. - bewegend Ulla, die im Keller beim Bombenangriff für Hatü "Hänsel und Gretel" leise singt, um diese zu beruhigen- - überzeugend die Stimme des Vaters: „Der wichtigste Faden einer Marionette ist der Herzfaden. Nicht sie wird mit ihm geführt, sondern mit ihm führt sie uns. … macht uns glauben sie sei lebendig, denn er ist am Herzen der Zuschauer festgemacht“ „Wir müssen die Herzen der Jugend erreichen, die von den Nazis verdorben wurden. Und die Fäden, mit denen wir sie wieder an Kultur abknüpfen, das sind die Fäden meiner Marionetten“ Wie wurde die Aufrechterhaltung der Spannung, das Ende beurteilt? Teils wird beanstandet, dass geschilderte Situationen nur „angeschnitten“ und nicht vertieft werden, sie würden deshalb fragmentarisch wirken. - als Beispiel: Frau Brinkmann Anderen ist die "Erlösung" des Kaspers und seine Rolle in der perfiden Nazizeit für Hatü mehr als erschütternd. Zeitgeist Die Verdrängungsmechanismen der Kriegs- bzw. Nachkriegs-Generation, die Sprachlosigkeit, kann von vielen nachvollzogen werden. Geschichtlich zur Entstehung der Augsburger Puppenkiste ist für alle die Sehnsucht nach leichter Unterhaltung absolut verständlich, als ein Stück "heile Welt". Eine besondere Lieblingsstelle / Zitat: „Diese Kiste ist alles, was uns geblieben ist. Sie steht in den Ruinen. In sie sperren wir alles ein, was war. Verwandelt wird es wieder heraus kommen. Fazit?: Bei 7 Teilnehmerinnen würde es von 2 verschenkt, 2 verschenkt mit Hinweis auf Eigenwilligkeit, 3 nicht verschenkt.
- Amy Waldmann: Der amerikanische Architek | Mysite
Amy Waldman: Der amerikanische Architekt Klappentext: Eine Jury hat sich in Manhattan versammelt, um den besten Entwurf einer Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlags vom 11. September auszuwählen. Nach langwierigen Beratungen und einem zähen Ringen um das richtige Konzept öffnen die Juroren den Briefumschlag, der den Namen des bislang anonymen Gewinners enthält und sind schockiert. Eine heftige Auseinandersetzung um die Person des Architekten beginnt: Wer darf sich zum Fürsprecher der Trauernden erheben? Innerhalb der Jury setzt sich Claire Burwell am leidenschaftlichsten für den umstrittenen Gewinner ein. Als Betroffene, die ihren Mann bei dem Attentat verlor, hat ihre Stimme besonderes Gewicht. Doch als die Entscheidung an die Öffentlichkeit gelangt, gerät Claire ins Visier entrüsteter Familienangehöriger und wird zur Zielscheibe sensationshungriger Journalisten, radikaler Aktivisten und ehrgeiziger Politiker. Nicht zuletzt bringt der so komplizierte wie begabte Architekt sie an ihre Grenzen. zur Autorin: Amy Waldman, 1969 in den USA geboren, ist eine Journalistin und Autorin, die an der Yale-University studierte.... siehe Wikipedia -Link Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Gegenwartsliteratur Übersetzung aus dem Amerikanischen: Brigitte Walitzek erschienen im: Heyne Verlag (Taschenbuch) herausgegeben: 2011 Seitenzahl: 506 unsere Lesekreiserfahrungen: Zum Plot: Der gute Wille, die besten Absichten waren da…eine Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlags vom 9. September… Die Romanfiktion spielt 2 Jahre nach 9/11, als eine 13- köpfige Jury in einer anonymem Ausschreibung für eine Gedenkstätte entscheiden soll. Die Entscheidung der Jury fällt auf den Entwurf eines Architekten namens Mohammad K….. Schon ist der Selbstläufer einer Tragödie vorprogrammiert… Gefallen hat: Die Personen sind ausnahmslos lebendig gezeichnet, immer mit Hintergrundinformationen über deren Familien, Werdegang. Sehr realistisch die Darstellung der fortschreitend negativen Stimmung, gleich einem Hexenkessel. Gebannt folgen wir dem Fiasko, das, bei aller Bestürzung nachvollziehbar, zum Attentat und Tod Asma‘s führt. Als besonders eindrücklich werden die Entstehung von Fake-News aufgezeigt, und das unverantwortliche Verhalten der Regenbogenpresse : Das Spiel mit Emotionen, Informationen aus dem Konsens gerissen, Effekthascherei um jeden Preis. Seite 419 „ein Foto von Asma nahm die ganze Titelseite ein - lachend, den Kopf zurückgeworfen mit blitzenden Zähnen, als amüsiere sie sich über das Wort, das in riesigen Lettern über ihrem Gesicht stand: illegal“ Ebenso geschickt dargestellt die Einflussnahme der Presse: Seite 213: „Zweifelsfrei hat Mohammad Khan jedes Recht, seine Gedenkstätte zu bauen, hieß es in dem wöchentlichen Kommentar des Chefredakteurs des New Yorker. Die Frage ist, ob er sie bauen SOLLTE.“ Besonders berührend fanden wir : „Steinmännchen“ Seite 146 :„die Idee- impulsiv kreativ- hätte von Cal (Vater Williams) stammen können. Bevor sie aufbrachen, suchte Claire im Wörterbuch nach dem richtigen Begriff und fand Steinhaufen -als Grenz oder Orientierungszeichen, Denkmal etc., aber auch Steinmann, Steinmännchen aufeinander gestapelte Steine in Form kleiner Höhe oder Türmchen als Wegzeichen“. (…)dass er seinem Vater auf diese Weise half, den Weg nach Hause zu finden, ..).“ „kindliche Totenbeschwörung“. S.159: „William, der glaubte, auf diese Weise die Steine zum Leben erwecken, oder seinen Vater nachhause locken zu können.“ Versuch der Trauerverarbeitung: Seite 98: Sean„(...), wenn er abends zurück nach Brooklyn fuhr, war es, als kehrte er von einem Krieg nach Hause zurück… seine Frau sagte er rieche nach Tod und er konnte nicht verstehen, dass sie sich davon abgestoßen fühlte. der Staub, den er mit nach Hause brachte, war ihm heilig. Er schüttelte Schuhe und Hemd über Zeitungspapier aus, um ihn zu sammeln und aufzubewahren.“ Gestört hat uns: Am Ende des Romans gibt es einen exorbitanten Zeitsprung von 20 Jahren, Khan, nun nahe der 60, der inzwischen in Mumbai, dem früheren Bombay lebt, gibt 2 amerikanischen Reportern ein Interview, die einen Doku-Film über die damalige Ausschreibung und das Schicksal der darin verknüpften Personen gedreht haben. Für uns ein zu abrupter Break. Wir sprachen über: Problematik der illegalen Opfer: Asma Seite 122: „Wie konnte man tot sein, wenn man gar nicht existierte? Von den 40 Menschen aus Bangladesch die in den Tagen nach den Anschlägen bei ihrem Konsulat als vermisst gemeldet wurden, waren nur 26 legal im Land. Asma Anwars Mann gehörte nicht zu ihnen. Diejenigen die keine Dokumenten hatten könnten konnten bedauerlicherweise auch nicht gezählt werden, beharrten die Konsulatsmitarbeiter. (….)der Witwe keine finanzielle Unterstützung zukommen lassen. (…) es gab keinen Inam Anwa (….“, Die Gier nach Macht, der Egoismus der Politiker: Paul Seite 425: „Gouverneurinnen sollten besser eine Erklärung parat haben“. er fing sich einen finsteren Blick ein……., sie würde darlegen, dass sie nur versucht hatte, die Gedenkstätte, ganz Amerika, gegen die islamistische Bedrohung zu verteidigen. Selbst wenn der Staat das Verfahren verlor, würde sie gewinnen. Bisher waren ihre Umfragewerte jedes Mal, wenn sie gegen Khan in die Offensive gegangen war, gestiegen. Er war ihr Sauerstoff.“ Seite 427 „Die Gouverneurin führte die Attacke noch weiter: „ ich fühle mit Asma Anwar, aber sie stellt ein ernsthaftes Problem dar. wenn wir nicht aufpassen, wer durch unsere Türen kommt, sterben Tausende von Amerikanern. solange ICH diesen Staat leite, werde ich nicht zulassen, dass so etwas noch einmal geschieht.“ Populismus „hatten Politiker die Stimmung der Öffentlichkeit aufgepeitscht, geschürt vor den zahllosen nicht erfassen Muslimen aus Bangladesch, die es in New York gab, angefangen bei Asmas totem Ehemann. „auch wenn niemand sonst es tut, ich stelle die Frage“, hatte Lou Sarge in seiner Sendung gezetert: „.was hat ihr Mann in den Türmen gewollt?“ S. 427 Die Veränderung der Personen und ihrer Standpunkte: Mo wird zum praktizierenden Muslim. Nachdem er sich von seinen Landsleuten im Stich gelassen fühlt. Seite116/117: Gespräch mit Paul Rubin. „Ganz gleich, was für eine Art Muslim Khan bis jetzt gewesen war, es würde als ein aufgebrachter von hier weggehen.“ Seite 427: Asma resigniert „zu gehen war ihre eigene Entscheidung, irgendwie aber auch nicht. In den Tagen nachdem ihr illegaler Status bekannt geworden war, hatten Politiker die Stimmung der Öffentlichkeit aufgepeitscht, die Angst…. Seite 448: Sean überlegt, den Kampf gegen Khan aufzugeben, zu unterlassen. Zum Buchtitel - Die Übersetzung des Titels ins Deutsche: Die Doppeldeutigkeit der „Submission“ Die Unterwerfung Die Einreichung Die Einreichung - üblich im Baugewerbe bei Ausschreibungen, die Bewerbung um einen Auftrag. Die Unterwerfung – wer unterwirft sich wem? Mo letztendlich der öffentlichen Meinung? Er verlässt das Land, arbeitet nie mehr für die USA Veränderung Claire der öffentlichen Meinung, beispielsweise das Kinder-bullying Seite245? Sie stößt an ihre Grenzen, als Mo zu kompliziert, introvertiert ist, um sich zu erklären, Fazit: Der Roman ist ungeheuer vielschichtig. Ein Buch, das sehr stark die Selbstreflektion fordert: immer wieder fragt man sich, wie würdest du handeln, entscheiden? - Wir empfehlen es!! Die Realität ist immer noch schräger als die Fiktion Doris Dörrie
- Samantha Harvey: Umlaufbahnen | Mysite
Samantha Harvey: Umlaufbahnen Aus dem Englischen von Julia Wolf. Ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2024. Von oben betrachtet sieht die Welt gleich ganz anders aus: Sechs Astronauten schweben in einer Raumstation durchs All. Den Planeten Erde umkreisen sie einmal in 90 Minuten, sechzehnmal in 24 Stunden. Die zwei Frauen und vier Männer aus ganz unterschiedlichen Nationen arbeiten, essen und schlafen auf engstem Raum - und doch ist alles losgelöst vom Alltag, Schwerkraft und Zeitempfinden sind außer Kraft gesetzt. Was passiert, wenn man seine Heimat nur aus weiter Ferne durch ein kleines Fenster sieht? Wie verändern sich Denken und Fühlen? In dem Zeitraum von nur einem Tag, während die Sonne sechzehnmal auf- und untergeht, betrachtet dieser ungewöhnliche, kraftvoll poetische Roman die großen und kleinen Fragen der Menschheit und bringt uns der Schönheit des Universums ganz nahe. zur Autorin: Samantha Harvey, 1975 geboren, lebt und arbeitet als Autorin in Bath, England. 2024 erhielt sie für ihren Roman Orbital den Booker-Prize. Quelle: Wikipedia zum Buch: erschienen: 2024 Übersetzerin: Julia Wolf Verlag: DTV Verlagsgesellschaft Genre: Gegenwartsliteratur Seitenanzahl : 224 zu unseren Lesekreis-Erfahrungen
- Elizabeth von Arnim: Verzauberter April | Mysite
Elizabeth von Arnim: Verzauberter April Klappentext: Vier englische Damen entfliehen dem trüben Londoner Alltag und reisen gemeinsam nach Italien – eine Reise, die einige Überraschungen mit sich bringt. In einem Palazzo am Meer, zwischen Pinien und Glyzinien entdecken sie nicht nur die Verzauberungskraft des mediterranen Frühlings, sondern auch die Liebe … Von diesem verzauberten April erzählt Elizabeth von Arnim vergnüglich und mit viel Charme in ihrem bekanntesten und erfolgreichsten Buch Text: Thalia.de zum Autorin: Elizabeth von Arnim (1866-1941) war eine deutsch-britische Schriftstellerin, die vor allem für ihre Romane und Erzählungen bekannt ist. Sie wurde in Australien geboren, wuchs jedoch in Deutschland auf und lebte später in England. Zu ihren bekanntesten Werken zählt der Roman „Elizabeth und ihre Gartenliebe“ (1898), der von ihrer Leidenschaft für Gärten und das Landleben handelt. Ihre Werke sind oft von einem humorvollen und ironischen Stil geprägt und thematisieren häufig die Rolle der Frauen in der Gesellschaft.... Für eine umfassendere Darstellung über ihren Lebensweg und prägende Stationen bitte dem Wikipedia-Link folgen Wikipedia zum Buch: Genre: Klassische Belletristik Verlag: Suhrkamp Übersetzerin: Adelheid Dormagen erschienen: erstmals 1922, aktuell 2025 Seitenzahl: 306 zu unseren Lesekreiserfahrungen:
- Thomas Hettche: Herzfaden | Mysite
Thomas Hettche: Herzfaden Klappentext Ein zwölfjähriges Mädchen gerät nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einen Dachboden, wo Prinzessin Li Si, der klappernde Tod, Kater Mikesch und ein sprechender Storch auf es warten. Vor allem aber trifft es jene Frau, die all diese Marionetten geschnitzt hat und nun ihre Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die es gegründet und berühmt gemacht hat. Sie beginnt im 2. Weltkrieg, als Walter Oehmichen, ein Schauspieler des Augsburger Stadttheaters, für seine kleinen Töchter eine Marionettenbühne baut. In der Bombennacht, die 1944 Augsburg zerstört, verbrennt sie zu Schutt und Asche. "Herzfaden" erzählt, wie Walters Tochter Hatü mit ihrer Freundin dieses Puppentheater wieder auferstehen lässt und ihr neues Leben in den Ruinen erprobt. Es ist die Geburtsstunde von Figuren, die legendär geworden sind, wie dem Urmel oder Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer. zum Autor: Thomas Hettche ist ein deutscher Schriftsteller und Essayist. Er ist geboren 1964 in Treis, Landkreis Gießen. Über Leben und Wirken und die zahlreichen Auszeichnungen mehr... Quelle Wikipedia klick hier! Erfahrungen im Lesekreis klick hier::
- Tonio Schachinger: Echtzeitalter | Mysite
Tonio Schachinger: Echtzeitalter Klappentext: Ein elitäres Wiener Internat, untergebracht in der ehemaligen Sommerresidenz der Habsburger, der Klassenlehrer ein antiquierter und despotischer Mann. Was lässt sich hier fürs Leben lernen? Till Kokorda kann weder mit dem Kanon noch mit dem snobistischen Umfeld viel anfangen. Seine Leidenschaft ist das Gamen, konkret das Echtzeit-Strategiespiel Age of Empires 2. Nach dem Tod seines Vaters wird für ihn aus dem Hobby eine Notwendigkeit. Ohne dass jemand aus seinem Umfeld davon wüsste, ist Till mit 15 eine Online-Berühmtheit. der jüngste Top-10-Spieler der Welt. Nur: Wie real ist so ein Glück? Im Abschlussjahr 2020 kommt für Till, in der Schule und im Leben, alles noch einmal ganz anders als gedacht zum Autor: Tonio Schachinger, geboren 1992 in Neu-Delhi.. Wikipedia zum Buch: Genre: Roman, liter. Fiktion, Coming of Age Verlag: Rowohlt-Verlage erschienen: 2023 Seitenzahl: 368 zu unseren Lesekreis-Erfahrungen:
- Lesekreis-Erfahrungen Herkunft von Sas | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Saša Stanišić zum Buch Herkunft Herkunft ist Saša Stanišić's persönlichster Roman, er erzählt seine eigene Familiengeschichte, und von Jugoslawien, einem Land, das es nicht mehr gibt. Der Roman ist nach eigenen Aussagen essayistisch, fiktional, biografisch. Er ist am 7. März 78 in Višegrad geboren, heute Bosnien. Im Alter von 14 Jahren ist er mit der Familie 1992 nach Heidelberg vor dem Bosnienkrieg geflohen. In Heidelberg lebten sie in einem migrantisch geprägten Viertel der Stadt. Er erzählt von seinen Erinnerungen der Kindheit, von der Ankunft in einem fremden Land als Jugendlicher und die folgende Entwicklung. Ich möchte in diesem Zusammenhang bewusst auf den Begriff „coming-of-age“ verzichten. Es ist sein Anliegen, seine Geschichte und die seiner Familie festzuhalten, die Erinnerung zu „konservieren“. Sein Roman „Herkunft“ sei ein Fragen nach neuralgischen Punkten, betont er im Deutschlandfunk. Als die Eltern 1998 in die USA gehen, (sie wandern nach Florida aus, um der Abschiebung ins ethnisch gesäuberte Višegrad zuvorzukommen) bedeutet das für Saša eine weitere Phase der Entfremdung und Anpassung an neue Lebensumstände.- Seite 66: "Meine Familie lebt über die ganze Welt verstreut. Wir sind mit Jugoslawien auseinandergebrochen, und haben uns nicht mehr zusammensetzen können". Der Auslöser zum Schreiben des Romans sagt er in einem Interview, "war die Demenz meiner Großmutter Christina. Ihr Vergessen der Geschichten und der eigenen Geschichte, das dazu geführt hat, dass ich ihr Fragen stelle.“ Die Großmutter lebt bis zu ihrem Ende in Bosnien. „Ich habe nach ihren Erinnerungen gesucht, gleichzeitig hat sie ihre Erinnerungen verloren. „ Wie hat es uns gefallen: Wir sind alle einer Meinung: Das Buch hat uns beeindruckt, die Geschichte sehr berührt. In Ton und Sprache sind seine Episoden vielschichtig, mit sehr viel Liebe fürs Detail wiedergegeben, reich an Metaphern. Es ist in der Tat ein Lesevergnügen. NDR Kultur spricht mit Recht von einem "besonderen Stanisic-Ton" 😉 Was hat uns gefallen: Ohne den Ernst und die Trauer zu schmälern, gelingt ihm eine Leichtigkeit des Erzählens. Ein Mosaik aus Erinnerungen, Anekdoten, Parallelmontagen und Selbstreflektion. Seite 5: „Es ist der 7. März 2018 in Višegrad, Bosnien und Herzegowina. Großmutter ist siebenundachtzig Jahre alt und elf Jahre alt." Seite 38: „Die Schlange sieht von ihrem Baum auf mich herab und aus meiner Kindheit in mich hinein☹….) Schon bin ich 30 Jahre jünger, ein Junge in Višegrad. Es ist ein Sommer vor dem Krieg in den unruhig träumenden Achtzigern. Vater und Mutter tanzen.“ Seite 269: „Es ist der 17. August 1992. Mutter steigt in den Bus, ich folgte. Es ist der 27. April 2018. Mutter löscht die Zigarette und steigt wieder ein. Wir fahren weiter:“ Besonders berührt hat uns: Dr. Heimat Seite 175: Ein empathischer Zahnarzt, der seine Berufung lebt: Außer die Karies bei Saša und seinen Freunden unentgeltlich zu behandeln zu behandeln, versucht er die Einsamkeit des Großvaters zu lindern. – Er lädt den Großvater zum Angeln ein. Seite 184 : Die Scham – Saša möchte niemanden mitnehmen in sein zuhause in Heidelberg „Man sah ja, wie es uns wirklich ging“ Die Tragik Herkunft teilweise zu verschleiern, oder neu zu erfinden, um Stigmatisierung oder Festlegung zu umgehen. Seite 114: „Zoki kommt ins Klassenzimmer,..(…). Jeder trägt sich ein. Es gibt drei Spalten: Moslem / Serbe / Kroate. Alle versammeln sich, alle zögern. Seite 229 „Ich habe das Betrügerische der Erinnerung satt und das Betrügerische der Fiktion allmählich auch (….) Wie dünn Vater in Deutschland am Ende doch war.“ Wir haben diskutiert über die verschiedenen Möglichkeiten zum Ende des Romans: Die diversen Alternativen sind im Lesekreis auf wenig Gegenliebe gestoßen. Lieblingszitate: "Meine Großmutter besaß ein Nudelholz, mit dem sie mir Prügel androhte. Es kam nicht, ich habe aber bis heute ein reserviertes Verhältnis zu Nudelhölzern und indirekt auch zu Teigwaren." Seite 7 "Herkunft sind die süß-bitteren Zufälle, die uns dorthin getragen haben. Sie ist Zugehörigkeit, zu der man nichts beigesteuert hat." Seite 12 "Jedes Zuhause ist ein zufälliges dort wird du geboren, hierhin vertrieben…" Seite 119 "Ich glaube, dass es wenig Schlimmeres gibt, zu wissen wo man hingehört, aber nicht dort sein zu können ." Seite 170 „Herkunft bleibt doch ein Konstrukt, es ist doch nur eine Art Kostüm, das man ewig tragen soll, nachdem es einem übergestülpt worden ist. Als solches ein Fluch, oder mit etwas Glück ein Vermögen, das keinem Talent sich verdankt, aber Vorteile und Privilegien schafft.” Fazit: Wir stimmen der Verleihung "Deutscher Buchpreis 2019" absolut zu 😉, empfehlen das Buch und würden es auch verschenken - (habe ich schon getan) ...und natürlich noch einmal lesen, um wirklich alle Pointen und Spitzen in sich aufzunehmen!
- Thomas Mann: Der Tod in Venedig | Mysite
Unser Lesekreis-Klassiker: Thomas Mann – Der Tod in Venedig Im grauen Februar kehren wir zu einem vertrauten Klassiker zurück: Thomas Manns Erzählung vom Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der in Venedig zwischen Disziplin und Begehren, Kunstideal und Selbstverlust ins Wanken gerät. Eine dichte, zeitlose Novelle über Verführung, Vergänglichkeit und die gefährliche Nähe von Schönheit und Verfall. zum Autor: Thomas Mann (1875–1955) war ein deutscher Schriftsteller und einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Geboren in Lübeck, stammte er aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, deren Niedergang er literarisch in seinem frühen Erfolgsroman „Buddenbrooks“ (1901) verarbeitete. Für dieses Werk erhielt er 1929 den Nobelpreis für Literatur. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen außerdem „Der Zauberberg“, „Joseph und seine Brüder“, „Doktor Faustus“ und „Der Tod in Venedig“. Manns Werk verbindet psychologische Feinzeichnung, Gesellschaftskritik und philosophische Reflexion. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ging Thomas Mann ins Exil, zunächst in die Schweiz, später in die USA. Er engagierte sich öffentlich gegen das NS-Regime und setzte sich für Demokratie und Humanismus ein. Thomas Mann starb 1955 in Zürich. zum Buch: erschienen: 1911
- Lesekreis-Erfahrungen Eigentum | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Wolf Haas: Eigentum Wie hat es uns gefallen: Dieses Mal ist der Kritikanteil höher als bei anderen Werken, die bisher besprochen wurden. Das Mutter-Sohn- Verhältnis wird vom größten Teil der Gruppe als lieb- und respektlos wahrgenommen, der Humor des Autors kommt nicht an. Den Erzählstil empfinden sie als schonungslos und bissig, mit Sarkasmus das Leben der Mutter ins Lächerliche gezogen. Der Roman hat Zwei Handlungsstränge Das Leben der Mutter und zwar ausschließlich Der Aufgabe von Wolf Haas, der eine Poetiklesung, die er halten soll, vorbereitet, Er beginnt 2 Tage vor ihrem Tod, als der Autor noch kein Thema für seine Lesung erkoren hat, demzufolge ist auch kein Text vorhanden. Die Überlegung ist „kann man vom Leben schreiben“ Der Schauplatz ist vornehmlich das Alten- und Pflegeheim, in dem die Mutter ihn zur Welt brachte, und nun dem Tode entgegendämmert. Es wurde von einer Geburtsklinik in ein Pflegeheim umgewandelt. The Circle of Life S. 75: „weil ich in dem Gebäude, in dem meine Mutter starb, geboren wurde. Zuerst hat sie meinen Bruder hier zur Welt gebracht, vier Jahre später mich, jetzt starb sie hier. „Da wären wir wieder einmal. (….) Jetzt ging der Embryo nahezu 60 Jahre später zurück“. Vielleicht ein wenig zu pathetisch, aber auch sehr melancholisch Der Schreibstil: Bei den Erzählpassagen Mutter - Sohn, wechselt er gerne in die Sprache der Mutter in Dialekt und einfacher gehalten. Was hat uns gestört: Es wurde die Mutter als „vorgeführt“ empfunden, der Humor eher als makaber. Lästig wirkten auf viele auch die ständigen Wortwiederholungen. Am meisten berührt hat uns: Am meisten berührt negativ war für fast alle das Begräbnis der Mutter (Was könnte sie anhaben) die „Spielerei mit Beileid.. Am positivsten berührt hat uns das „Telefonieren“ mit dem Jenseits gleich zu Beginn des Buches und zum Ende, ebenfalls eine schöne Schließung des Kreises. Die Zusammenfassung der Fertigkeiten und Sprachgewandtheit seiner Mama auf Seite 116/117 präsentieren eine intelligente Frau, die alles konnte „nur nicht mit Leuten“ und zeigt liebevolle Zärtlichkeit und Hochachtung. „Nachdem sie ihren Traum, ihr eigenes Grundstück zu erwerben, aufgegeben und von keinerlei Eigentum Besitz ergriffen hatte, hatte etwas von ihr Besitz ergriffen: Niedergeschlagenheit.“ Vergleich: Wir fühlen uns erinnert an Alex Schulmans „Verbrenn all meine Briefe“ Lieblingsstellen Zitate: Über das Seufzen als vorsprachliche Äußerung Seite 21: das vorwurfsvolle, mitfühlende, Lustvolle, sentimentale, schmerzerfüllte. 😉 Wir sprachen über: Die Verbitterung dieser Frau, über ihre lebenslange Armut, die Entbehrungen und Auswirkungen der Weltkriege, die Inflation. Die prägende Erfahrung für Mutter und Kind Seite 34: „Schon als Fünfjähriger wusste ich, was Inflation war“ (….) Das ganze Geld hin. Kaputt. (…) Hast nichts mehr dafür gekriegt. (…) Alles hin.“ Eine Frau, die leider keinen Optimismus für sich in Anspruch nehmen konnte. Was ist unsere Meinung zur Stimmung im Werk: Der Sound des Buches ist uns zu düster, pietätlos, sein Humor gemessen am Thema für zu makaber, was bei der Beerdigung bspw. besonders kritisiert wird. Bei den meisten stellt sich ein unangenehm bedrückendes Gefühl ein. (Seite 147). Es kommt keine Spannung auf. Was ist unser Fazit, sind unsere Erkenntnisse? Vielleicht als Einstieg in die Haas-Sprache das falsche Buch!
- Francesca Melandri: Eva schläft | Mysite
Francesca Melandri: Eva schläft Klappentext: Der Roman einer Provinz ohne Vaterland und eines Mädchens ohne Vater. Eva ist Anfang vierzig, als sie einen Anruf von dem Mann erhält, der eine Zeitlang die Rolle ihres Vaters einnahm, bevor er verschwand. Vito Anania. Er liegt im Sterben und will Eva noch einmal sehen. Sie reist mit dem Zug von Südtirol quer durch Italien in den äußersten Süden. In ihrer Erinnerung entfaltet sich unterwegs ihre ganze Kindheit: Sie wuchs in einer Region auf, die Jahrzehnte lang der Spielball bedrohlicher Allianzen war und dann den Aufbruch wagte. Geprägt wurde Eva von der Liebe ihrer Mutter, die ihr Vorbild war und Schutz. Autorin Francesca Melandri, geboren in Rom, schrieb zahlreiche Drehbücher für Fernseh- und Kinofilme. "Eva schläft" ist ihr erster Roman und spielt vor dem Hintergrund der wechselnden Geschichte Südtirols, wo die Autorin 15 Jahre lebte. Verlag Wagenbach Wikipedia zum Buch: Genre: Gesellschafts- und Familienroman Verlag: Klaus Wagenbach TB 805 13. Auflage 2014 Übersetzung: aus dem Italienischen von Bruno Genzler erschienen: erstmals 2010 Seitenzahl: 434 zu unseren Lesekreiserfahrungen:
- Pascal Mercier: Der Klavierstimmer | Mysite
Pascal Mercier: Der Klavierstimmer Ein berühmter italienischer Tenor wird während der Aufführung von Puccinis "Tosca" auf offener Bühne erschossen. Die Kinder des Täters, die Zwillinge Patrice und Patricia, reisen nach Berlin, um zu verstehen, wie es zu dieser Tat kommen konnte. Schicht für Schicht legen sie die Beweggründe frei, die ihren Vater, einen legendären Klavierstimmer und glücklosen Opernkomponisten, zur Waffe greifen ließen. zum Autor: Pascal Mercier, dieses Jahr im Juni gestorben,... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: tragischer Roman Verlag: btb (als Taschenbuch) erschienen: erstmals 1998 Seitenzahl: 507 zu unserer Lesekreis-Erfahrung: Um den Klappentext nicht zu wiederholen, steigen wir ein mit den beiden Hauptthemen des Romans: die Lebensgeschichte des Klavierstimmers Frederic Delacroix, der in seinem Verlangen, seiner Gier nach Bestätigung und Ruhm, sich selbst trotz seines Bekanntheitsgrades in seinem Metier, nie genug wertgeschätzt fühlt. Die verbotenen Liebe seiner Kinder, des Zwillingspaars Patricia und Patrice, die der Anziehung voreinander geflüchtet, nach 6 Jahren einen Weg suchen in der heilenden Kraft des Schreibens. Wie hat es uns gefallen: Als Gliederung wird in 7 Heften die Geschichte eines Dramas erzählt. Die Selbstwahrnehmung des Zwillingspaars Patricia und Patrice der Ereignisse. Insgesamt erscheint der Roman als Inszenierung epischer Größe, eingebettet in die Tragik der Oper Tosca und der Verbindung zu Kleists Novelle Michael Kohlhaas, die Fritz Bärschi alias Frederic Delacroix unbedingt vertonen möchte, und damit endlich berühmt werden. Was hat uns gefallen: Der Schreibstil ist anspruchsvoll, emotional und packend. Ausnahmslos sind alle Romanfiguren glaubwürdig, plastisch und fein konturiert. Im Buch steht dem Lesekreis Patricia am nächsten. Die Sympathieträgerin ist durch ihre Erfahrungen gefestigt und gereift. Das Gegenteil wird mit dem Charakterbild der Mutter empfunden: Selbstmitleidig und egoistisch und eifersüchtig. Am meisten berührt hat uns: Die Szene anlässlich der Polsterung der Tür Seite 141/142 „Als es soweit war, strichst du mit den Händen über die dunkelrote Lederpolsterung…(..) „Probieren wir es aus, sagtest du mit deiner fürchterlichen Tapferkeit“(…..)“Nun? Ist (….) meine Musik jetzt still genug?“ …Seite 407 „Ihr habt nie nach meinem wirklichen Namen gefragt.(…) „Fritz Bärtschi mit Ä“ (…) Ein gewöhnlicher Name. (…..) Davon wolltet ihr nichts hören“ (Pseudonym vergleiche Klavierstimmer Fritz Bärtschi/Peter Bieri 😉?) Wir sprachen über: Die Anwendung des Schreibens als Therapie in der Psychoanalytik. Inzest als Familiengeschick? Chantal, die Mutter wird von GP (Großvater der Kinder) missbraucht, sie wiederum verführt ihren Sohn, ihre Eifersucht auf die Kinder, Seite 143; die Anziehung der Zwillinge Kindheitserlebnisse, die das ganze weitere Leben prägen Die Rolle der Musik im Buch – Emotionen und Stimmungen Was hat uns gestört: Es gibt sehr viele Nebenstränge. Wir sind der Meinung die Vielzahl von Themen überladen beinahe, der Ton ist oft theatralisch, was wiederum zur Oper passt. Lieblings – Zitate: Seite 144: „Blicke sind seltsam flüchtige Wesen: Es gibt sie nur, wenn jemand sie liest; dann aber sind sie beredter und genauer als alle Worte.“ Fazit: Das gesamte Werk lässt sich für uns als große Oper, also Tragödie verstehen: Schicksalsträchtig, brisant, pathetisch. Lesenswert, tiefgründig mit Überlegungen zur Selbstreflexion Das Vorwort passt ebenso als Schlusswort: Wir suchen unser Glück außerhalb von uns selbst, noch dazu im Urteil der Menschen, die wir doch als kriecherisch kennen und als wenig aufrichtig, als Menschen ohne Sinn für Gerechtigkeit, voller Missgunst, Launen und Vorurteile; wie absurd! La Bruyère.....und wie wahr ;-)
- Juli Zeh: Neujahr | Mysite
Juli Zeh: Neujahr Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femès. Damals hat sich etwas Schreckliches zugetragen - etwas so Schreckliches, daß er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute. zur Autorin: Klappentext: Juli Zeh (bürgerlich Julia Barbara Finck; geb. Zeh; Pseudonym Manfred Gortz; geboren 30. Juni 1974 in Bonn ist eine deutsche Schriftstellerin , Juristin und Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburgs , die mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde und auch durch ihr gesellschaftlich-politisches Engagement bekannt ist. Neben ihrer literarischen Arbeit betätigt sich Juli Zeh auch journalistisch. Sie schreibt u. a. Essays für Die Zeit und die FAZ . Quelle Wikipedia - klick hier Erfahrungen im Lesekreis: Wie hat es uns gefallen? Unser üblicher Einstieg in die Diskussion, ist in diesem Buch schlecht anwendbar. „Gefallen“ ist nicht die richtige Begrifflichkeit. Fesselnd mit Sicherheit, oft verstörend und aufwühlend. Es hat ein interpretationsfähiges Open End, bietet durchgängig Diskussionsgrundlagen. Sämtliche Muster von Kommunikationsstörungen treten zutage. Die menschlichen Abgründe und deren Folgen, zeigen die Hilflosigkeit mit der der Einzelne zu kämpfen hat – posttraumatische Belastungsstörungen – für Henning und seine Schwester Luna. Wie finden wir die Beschreibungen? Der Inhalt und Aufbau des Romans ist gut strukturiert, stellt das dunkle „ES“ des Protagonisten Henning in den Vordergrund. (Sigmund Freud des Unterbewusstseins „ICH und ES“). Seine Panikattacken, die er durch Sport auspowert und in den Griff zu kriegen sucht. Sein Ehrgeiz, der Rolle als gleichberechtigter Partner in einem zeitgemäßen Familien-Modell gerecht zu werden krampft. Er und Theresa, seine Frau kümmern sich zu gleichen Teilen um die Erziehung der Kinder, sowie den finanziellen Unterhalt. Er hat jedoch immer das Gefühl, es genügt nicht, sei nicht genug und fühlt sich überfordert, - ist es. Es geht ihm schlecht. Das Zerrbild einer modernen Familie entsteht, das Gefüge hält nicht zusammen. So hautnah beschrieben, dass die Szenerie an Munch’s „Der Schrei“ erinnert, so greifbar ist die Verzweiflung, die Aussichtlosigkeit, Depression. Welche der Figuren stehen uns am nächsten: Es gibt hier keine Lieblingsfiguren, Menschen, die man gerne näher kennen möchte, denen man gerne begegnet wäre. Es sind keine Identifikationsfiguren vorhanden, es ist rein Hennings seelenwundes Kindheitstrauma, seine Geschichte. Unsere Lieblingsstellen / Zitate: „Wenn er versucht, falsche Gedanken zu vermeiden rennt er wie ein gehetztes Reh durch den eigenen Kopf „ „Schließlich kommt es im Leben immer und überall darauf an, ob etwas funktioniert, und solange alles funktioniert, muss man eigentlich auch nichts machen“ Was hat uns am meisten berührt? Die furchtbare Situation der verlassenen Kinder, die Verzagtheit Hennings, alles „richtig“, verantwortungsbewusst mitdenkend zu machen, Luna gegenüber, nach Lob, Anerkennung der Eltern heischend. Die Kinder, die sich durch Stunden und Tage quälen, Henning immer in seiner Beschützerrolle für Luna. Bei manchen Teilnehmerinnen ist die Grenze der erträglichen Vorstellung anhand der Leiden der Kinder erreicht. Die Lieblosigkeit, das lange Schweigen der Mutter: „Ich hatte schon lange auf deinen Anruf gewartet“ Die Liebe der Geschwister, die gefühlte Verantwortlichkeit Hennings für Luna bis ins Erwachsenen-Dasein, die er nicht abgeben kann. Was hat uns nicht gefallen? Eindeutig der Schluss: Eventuell zu schnelles Ende einer dramatischen Entwicklung – Rauswurf Lunas, um für sie dadurch ihre Selbständigkeit zu erzwingen – fraglich - Befreiung für Henning - fraglich Würden wir das Buch empfehlen? Das Buch würden wir absolut empfehlen und auch verschenken, unter Umständen mit Vorwarnung, dennoch ein Lese-Erlebnis!