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- Thomas Hettche: Herzfaden | Mysite
Thomas Hettche: Herzfaden Klappentext Ein zwölfjähriges Mädchen gerät nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einen Dachboden, wo Prinzessin Li Si, der klappernde Tod, Kater Mikesch und ein sprechender Storch auf es warten. Vor allem aber trifft es jene Frau, die all diese Marionetten geschnitzt hat und nun ihre Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die es gegründet und berühmt gemacht hat. Sie beginnt im 2. Weltkrieg, als Walter Oehmichen, ein Schauspieler des Augsburger Stadttheaters, für seine kleinen Töchter eine Marionettenbühne baut. In der Bombennacht, die 1944 Augsburg zerstört, verbrennt sie zu Schutt und Asche. "Herzfaden" erzählt, wie Walters Tochter Hatü mit ihrer Freundin dieses Puppentheater wieder auferstehen lässt und ihr neues Leben in den Ruinen erprobt. Es ist die Geburtsstunde von Figuren, die legendär geworden sind, wie dem Urmel oder Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer. zum Autor: Thomas Hettche ist ein deutscher Schriftsteller und Essayist. Er ist geboren 1964 in Treis, Landkreis Gießen. Über Leben und Wirken und die zahlreichen Auszeichnungen mehr... Quelle Wikipedia klick hier! Erfahrungen im Lesekreis klick hier::
- Wolf Haas: Eigentum | Mysite
Klappentext: Wolf Haas: Eigentum Mein ganzes Leben lang hat mir meine Mutter weisgemacht, dass es ihr schlecht ging. Drei Tage vor dem Tod kam sie mit der Neuigkeit daher, dass es ihr gut ging. Es musste ein Irrtum vorliegen." Mit liebevoll grimmigem Witz erzählt Wolf Haas die heillose Geschichte seiner Mutter, die, fast fünfundneunzigjährig, im Sterben liegt. 1923 geboren, hat sie erlebt, was Eigentum bedeutet, wenn man es nicht hat. "Dann ist die Inflation gekommen und das Geld war hin." Für sie bedeutete das schon als Kind: Armut, Arbeit und Sparen, Sparen, Sparen. Doch nicht einmal für einen Quadratmeter war es je genug. zum Autor: Wolf Haas, Jahrgang 1960... Wikipedia zum Buch: Genre: Fiktion Verlag: Hanser Verlag erschienen: 2023 Seitenzahl: 156 zu unserer Lesekreis-Erfahrung:
- Lesekreis-Erfahrungen Eigentum | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Wolf Haas: Eigentum Wie hat es uns gefallen: Dieses Mal ist der Kritikanteil höher als bei anderen Werken, die bisher besprochen wurden. Das Mutter-Sohn- Verhältnis wird vom größten Teil der Gruppe als lieb- und respektlos wahrgenommen, der Humor des Autors kommt nicht an. Den Erzählstil empfinden sie als schonungslos und bissig, mit Sarkasmus das Leben der Mutter ins Lächerliche gezogen. Der Roman hat Zwei Handlungsstränge Das Leben der Mutter und zwar ausschließlich Der Aufgabe von Wolf Haas, der eine Poetiklesung, die er halten soll, vorbereitet, Er beginnt 2 Tage vor ihrem Tod, als der Autor noch kein Thema für seine Lesung erkoren hat, demzufolge ist auch kein Text vorhanden. Die Überlegung ist „kann man vom Leben schreiben“ Der Schauplatz ist vornehmlich das Alten- und Pflegeheim, in dem die Mutter ihn zur Welt brachte, und nun dem Tode entgegendämmert. Es wurde von einer Geburtsklinik in ein Pflegeheim umgewandelt. The Circle of Life S. 75: „weil ich in dem Gebäude, in dem meine Mutter starb, geboren wurde. Zuerst hat sie meinen Bruder hier zur Welt gebracht, vier Jahre später mich, jetzt starb sie hier. „Da wären wir wieder einmal. (….) Jetzt ging der Embryo nahezu 60 Jahre später zurück“. Vielleicht ein wenig zu pathetisch, aber auch sehr melancholisch Der Schreibstil: Bei den Erzählpassagen Mutter - Sohn, wechselt er gerne in die Sprache der Mutter in Dialekt und einfacher gehalten. Was hat uns gestört: Es wurde die Mutter als „vorgeführt“ empfunden, der Humor eher als makaber. Lästig wirkten auf viele auch die ständigen Wortwiederholungen. Am meisten berührt hat uns: Am meisten berührt negativ war für fast alle das Begräbnis der Mutter (Was könnte sie anhaben) die „Spielerei mit Beileid.. Am positivsten berührt hat uns das „Telefonieren“ mit dem Jenseits gleich zu Beginn des Buches und zum Ende, ebenfalls eine schöne Schließung des Kreises. Die Zusammenfassung der Fertigkeiten und Sprachgewandtheit seiner Mama auf Seite 116/117 präsentieren eine intelligente Frau, die alles konnte „nur nicht mit Leuten“ und zeigt liebevolle Zärtlichkeit und Hochachtung. „Nachdem sie ihren Traum, ihr eigenes Grundstück zu erwerben, aufgegeben und von keinerlei Eigentum Besitz ergriffen hatte, hatte etwas von ihr Besitz ergriffen: Niedergeschlagenheit.“ Vergleich: Wir fühlen uns erinnert an Alex Schulmans „Verbrenn all meine Briefe“ Lieblingsstellen Zitate: Über das Seufzen als vorsprachliche Äußerung Seite 21: das vorwurfsvolle, mitfühlende, Lustvolle, sentimentale, schmerzerfüllte. 😉 Wir sprachen über: Die Verbitterung dieser Frau, über ihre lebenslange Armut, die Entbehrungen und Auswirkungen der Weltkriege, die Inflation. Die prägende Erfahrung für Mutter und Kind Seite 34: „Schon als Fünfjähriger wusste ich, was Inflation war“ (….) Das ganze Geld hin. Kaputt. (…) Hast nichts mehr dafür gekriegt. (…) Alles hin.“ Eine Frau, die leider keinen Optimismus für sich in Anspruch nehmen konnte. Was ist unsere Meinung zur Stimmung im Werk: Der Sound des Buches ist uns zu düster, pietätlos, sein Humor gemessen am Thema für zu makaber, was bei der Beerdigung bspw. besonders kritisiert wird. Bei den meisten stellt sich ein unangenehm bedrückendes Gefühl ein. (Seite 147). Es kommt keine Spannung auf. Was ist unser Fazit, sind unsere Erkenntnisse? Vielleicht als Einstieg in die Haas-Sprache das falsche Buch!
- Lesekreis-Erfahrungen Snowflake | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Snowflake - Louise Nealon Wie hat es uns gefallen: Bei unserer aktuellen Autorin handelt es sich um eine der Jüngsten, die wir bisher besprochen haben, das spiegelt sich deutlich in der Sprache ihres Romans wider. Wir sind uns einig, dass unser Leseverständnis generationsbedingt einen Unterschied reflektiert. Der Ton wird von uns als deftig, aber unaufgeregt und authentisch aufgenommen. Er soll provokant, und bewusst von unserer Perspektive abweichend sein, wobei Tabubrüche genutzt werden, um Identität und Rebellion auszudrücken. In einem Interview mit der Irish Times, erklärt sie, dass sich schon der Titel „“Snow Flake an ihre Generation richtet, die oft abfällig als Schneeflocke bezeichnet wird. Die „Welt“ Weicheier-Alarm: Die verhätschelten „Schneeflocken“ und ihre Feinde - spricht von einem Schmähbegriff in Großbritannien und der USA, inzwischen ist er wohl ebenso in Deutschland angekommen. Die Autorin hat viele Aspekte ihrer eigenen Erfahrung in die Figur der Protagonistin Debbie und ihrem Erwachsenwerden integriert. Autobiografisch inspiriert thematisiert sie die Konflikte zwischen ihrer Herkunft, ihrem Zuhause, einer irischen Milch-Farm und den Erlebnissen während ihres Studiums, erschwert durch ihre Depression. Dieser Kontrast, Land- und Stadtleben, wird zusätzlich durch eine Familie erschwert, die man alles andere als intakt nennen kann. Was hat uns gefallen: Es fehlt nicht an Situationskomik, die nicht jeden Geschmack trifft, aber sie ist da. Humor (Cemetry Sunday) S. 65: "Zur alljährlichen Freiluftmesse strömt das ganze Dorf auf den Friedhof. Es ist ein Event, das gleichermaßen Spektakel und ehrlicher Aufwand ist – eine Kreuzung aus Schweigewallfahrt und dem langweiligsten Open-Air-Konzert der Welt." Briefwechsel S. 154 "Debs! Meditation ist so ein richtiger Gamechanger für mich. Das musst du unbedingt auf dem Hof probieren. Ich schreibe zurück: Ich meditiere seit Jahren auf dem Hof. Bei uns heißt das Kühe melken." Poesie: Seite 64: "Ozean. Sprich es laut aus. Den Klang kannst du schmecken. Das Wort Ozean leitet sich vom griechischen Titanen Okeanos ab, einem großen Gewässer, das die ganze Welt umfließt. Egal, wo auf der Welt Wasser ist, am Ende findet es immer den Weg zurück nach Hause in seinen Körper, wo der stete Wellenatem es in den Schlaf wiegt. Im Ozean träumt das Wasser." Träume und Realität: "Sobald Regen das Meer berührt, wird er nicht mehr Regen genannt. Sobald ein Träumer einen Traum betritt, gibt es keinen Träumer mehr." Seite 111: „Wendeltreppenschnecke „Muscheln und Schneckenhäuser sind Gedankenfossilien – versteinerte Träume…(…) Innen drin ist eine Wendeltreppe, die nur darauf wartet, dass der Schlaf herabpurzelt." Kritisiert wurde: Wir kommen auf die Sprache zurück 😉 Die Unterhaltungen mit Freundin Xanthe, oft roh und düster - sexuelle Details, die keiner wissen wollte. Es wird teilweise sehr sprunghaft und unzusammenhängend erzählt. Wir fanden besonders berührend: Besonders belastend und dramatisch war für uns die Schilderung der Situation, als Debbie die manisch-depressive Mutter nach dem Tod des Lebensgefährten in die Psychiatrie einliefern lassen muss. Lieblingsfigur des Romans: Am liebenswertesten fanden wir den exzentrischen Onkel Billy, der mit seiner griechischen Mythologie lebt, und einer Heilgabe 😉. Er versucht trotz Alkoholismus alles nach besten Kräften zusammenzuhalten. Herzlich und herzerwärmend die Klavierlehrerin Audrey: Seite 281 „Ich klammere mich an sie, will mich vergewissern, dass sie echt ist, habe Angst, dass sie verschwindet, wenn ich loslasse.“ Fazit / Botschaft: Dieses Buch ist kein Wohlfühl-Buch. Louise Nealon ist der Umgang mit psychischen Erkrankungen sehr wichtig, insbesondere über das Schweigen darüber in ihrem Land. Die Liebe zu Familie und Freunden spielt eine zentrale Rolle sich selbst zu respektieren und die eigene Identität zu wahren. Ein liebevoller Umgang miteinander hilft. Auch in Zeiten zahlreicher Krisen ist entscheidend, dass wir Verbindungen knüpfen und Beziehungen pflegen.
- Susanne Abel: Stay away from Gretchen | Mysite
Susanne Abel: Stay away from Gretchen Klappentext: Eine große Liebe in dunklen Zeiten. Der bekannte Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die immer mehr vergisst. Was anfangs ärgerlich für sein scheinbar so perfektes Leben ist, wird unerwartet zu einem Geschenk zur Autorin: Susanne Abel, 1971 im badischen Dorf (Kork) an der französischen Grenze geboren.... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Erzählende Romanliteratur erschienen im: DTV Verlag herausgegeben: 2021 Seitenzahl: 528 unsere Lesekreis-Erfahrungen: Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten – Zitat August Bebel im Roman Zur Story : Die Geschichte der 84-jährigen Greta, die an Alzheimer leidet, und ihrem Sohn Thomas genannt Tom, der nun erfährt, warum seine Mutter während seiner Kindheit nicht so für ihn da war, wie er sich das erhofft, gewünscht hätte, sie oft in Psychiatrischen Kliniken behandelt wurde. Susanne Abel erzählt hier eine Seite der Nachkriegsgeschichte, die weniger in der Öffentlichkeit verbreitet wurde, und dennoch nicht weniger erschütternd ist. Es sind 2 Erzählstränge vorhanden: die Geschichte Greta (Gretchens) 1931 geboren, ihre Kindheit bis in die 50er Jahre, Drittes Reich, Zweiter Weltkrieg und die Flucht. In der Zeit zwischen 1948 und 1955 kamen zirka 4800 sog. „Brown Babys“ auf die Welt, Kinder deutscher Mütter und Afro-Amerikaner. Sie wurden diskriminiert und schikaniert, von der deutschen Bevölkerung, sowie dem amerikanischen Militär. Nicht selten wurden sie zwecks Adoption in die USA gebracht. Und die des 45-jährigen Journalisten Thomas (Tom), Sohn von Greta, die in 2015 spielt, er lebt als Nachrichtensprecher und Korrespondent in Köln. Wie hat es uns gefallen: Der Roman lässt sich rasch und flüssig lesen. Wenn auch sprachlich nicht einwandfrei, gelingt es Susanne Abel ihre Leser*innen emotional absolut in Bann zu ziehen, dergestalt mitzunehmen, dass es schwerfällt, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Wir sind uns einig: Ein echter „Page Turner“ eben ;-) Was hat uns gefallen: Das Brückenschlagen der Chronik, die Dramen der Menschen, die im 2. Weltkrieg flohen, mit denen die aus Afghanistan und Syrien 2015 auf der Flucht waren. „ich will kein Flüchtling mehr sein“ Seite 156 - Vergleich Dinah Nayeri, „Der undankbare Flüchtling“ Welche Figuren, Charaktere standen uns am nächsten: Am besten gefallen hat uns die Beschreibung des Charakters Gretas. Ihr Mut, die Keckheit, ihr Wille und Galgenhumor als Heranwachsende und blutjunge Frau sind sehr gut herausgearbeitet. Auch die intuitive Schlagfertigkeit Gretchens, die sie sich in Anbetracht ihrer Demenz erhalten hat, ist schön ausgeführt. Am meisten berührt: In diesem emotionsgeladenen Roman ist es schwierig, die Ereignisse zu evaluieren. Besonders bewegend fanden wir die Szene, als der geliebte Vater völlig verändert endlich nachhause kommt. Vergleich Wolfgang Borcherts, „Draußen vor der Tür“ Auch der Sorgerechtsentzug von Marie, der kleinen Tochter Gretchens mit 4 Jahren. „Opa schlug ihr die aktuelle Ausgabe der Rhein-Neckar-Zeitung hin…Überschrift: Start in ein neues Leben- Acht Mischlingskinder auf dem Weg in eine glückliche Zukunft“ Nicht gefallen: Der Charakter Thomas‘ kommt in der Gruppe nicht gut an, zu sehr Macho, Lebemann mit Alkoholexzessen, Freizeitallüren. Ebenso die Flapsigkeit der Sprache, „Jesus-Verschnitt, Gas- Wasser- Scheiß-Heini“ findet keine Begeisterung. Die Ernsthaftigkeit bzw. Langlebigkeit des Verhältnisses von Jenny und ihm wird von der Gruppe angezweifelt. Viele Szenen scheinen unseren Teilnehmerinnen zu kurz angerissen, eventuell auch von der „Kultur des Schweigens“ der Nachkriegszeit herrührend. Fazit: Ein Roman, der viel Anlass zu Gesprächen und Diskussionen bietet und niemanden kalt lässt. – Wir würden es verschenken 😉
- Anne Weber: Annette, ein Heldinnen-Epos | Mysite
Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos Klappentext: zur Autorin: Was für ein Leben! Geboren 1923 in der Bretagne, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher - wofür sie von Yad Vashem später den Ehrentitel "Gerechte unter den Völkern" erhalten wird -, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung… und noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne Beaumanoir in einem biografischen Heldinnenepos. Die geschilderten Szenen werfen viele Fragen auf: Was treibt jemanden in den Widerstand? Was opfert er dafür? Wie weit darf er gehen? Was kann er erreichen? Anne Weber, 1964 in Offenbach am Main geboren, ist eine deutsche Autorin und literarische Übersetzerin... Quelle Wikipedia klick hier: Lesekreis-Erfahrungen: Der Lesekreis ist sich darüber einig, dass das Werk ein experimentelles Lese-Erlebnis ist. Eine Ode mit Ironie und Witz an eine Frau, deren Entwicklung zur Widerstandskämpferin und Vita wir nachspüren. Im Schreibstil des Epos wird Brechts Verfremdungseffekt angewandt: Immer mit dem Focus auf: es hätte so sein KÖNNEN, manchmal widersprüchlich zur Realität, immer in einem neuen, anderen Licht Viele der Teilnehmerinnen sind durch die sehr dicht erzählten Zusammenhänge irritiert, es bringt aus dem Konzept, erschwert den Überblick über die Geschehnisse. Gefallen: Die Mannigfaltig der Ironie: „…Carminus, Hainbuche…was vielleicht nicht von Carmen kommt, aber dochnebenbei noch Charme und Zauber heißt. Sie sehn sich unter diesem Baum zum letzten Mal.- Wer sich für Wurzeln interessiert, kann unschwer in Erfahrung bringen, dass unter den vielfältigen Wurzelwerken, die es in der Natur so gibt, die Hainbuchenwurzel eine ist, die im Querschnitt einem Herzen gleicht und deshalb auch Herzwurzel heißt.“ „…so stehts in seinem Buch Les demnés de la terre (Frantz Fanon), Vorwort von Sartre: -denn in der ersten Zeit der Revolte muss getötet werden-..-wer einen Europäer umbringt, schlägt zwei Fliegen mit einem Streich; schafft einen Unterdrücker aus der Welt und eine Unterdrückten.- Wobei Sartre vergisst, dass er selbst Europäer ist.“ ..beim Prozess: „“Da sie sich umdreht, ihn zu begrüßen, erhob er sich und küsste ihr die Hand. (Für eine Verfilmung ihres Lebens raten wir sehr zu dieser Szene ;-) ). Als störend empfunden wurde: Der blinde Gehorsam der Protagonistin im Widerstand; Die Folgen ihres Handelns und Denkens für die Familie, der Stellenwert besonders der Kinder, die bei der Loyalität zur Sache, ihrem Gerechtigkeitssinn, nie an 1. Stelle kamen, was letztendlich auch zur Entfremdung geführt hat. Zeitgeist: Es geht um die Macht von Männern, MACHT UND Veränderung Genderfrage, Frauen- und Männerbild zum aktuellen Zeitpunkt Im Widerstand ist sie zunächst als sehr junger Mensch für „Hilfsdienste“ zuständig, kleine Aufgaben als“ Fahrrad-Kurier“ erfüllend. Sie ist nie in einer „führenden“ Position, bereitet lediglich Missionen vor. Berührend: „Die Tür hat sich hinter den dreien längst geschossen, da steht er noch und möchte weinen weinen weinen, und wir, wir stehen in der fernen Zeit und stehen und finden keinen Satz und keinen Vers und keine Zeile, die etwas andres möchte als zu stehen und mit ihm zu weinen.“ Vergleiche: Hunger nach Bildung wie in „Streulicht“ Camus. der 1. Mensch Herkunft, Scham und Schulbildung Reflektion der Autorin Metapher mit Sisyphus: „Der Stein wird immer größer, den Annette auf den Berg zu stemmen hat, und immer höher wird der Gipfel. Unter der Last beginnt ihr Rücken sich nach und nach etwas zu krümmen.“ Fazit: Nach der Buchbesprechung fällt verschiedentlich der Entschluss, es unter dem Eindruck Dieser noch einmal „beherzt“ zu lesen, das Werk bleibt jedoch tendenziell nicht unumstritten. Um hier ein Zitat von Francis Bacon anzuwenden ;-) : An manchen Büchern muß man naschen, andre wollen verschlungen sein, wieder andere gründlich gekaut und verdaut.
- Martin Suter: Melody | Mysite
Martin Suter: Melody Klappentext: In einer Villa am Zürichberg wohnt Alt-Nationalrat Dr. Stotz, umgeben von Porträts einer jungen Frau. Melody war einst seine Verlobte, doch kurz vor der Hochzeit - vor über 40 Jahren - ist sie verschwunden. Bis heute kommt Stotz nicht darüber hinweg. Für die Ordnung des Nachlasses stellt der alte Herr einen Studenten ein, der diesen Job dringend braucht. Nach und nach stellt sich Tom die Frage, ob Dr. Stotz wirklich ist, wer er vorgibt zu sein. zum Autor: Martin Suter, geboren 1948... Wikipedia zum Buch: Genre: Roman, liter. Fiktion Verlag: Diogenes erschienen: 2023 Seitenzahl: 320 unsere Lesekreis-Erfahrungen: Wir sind uns einig, dass es bessere Werke Suters gibt. Er gilt als einer der besten Erzähler der Gegenwart, die Geschichten sind ebenso intelligent wie unterhaltend, bergen immer eine Überraschung, ein Geheimnis. Der Roman ist ein Page-Turner der seine Leser*innen in die schillernde Welt der Reichen und Schönen eintauchen lässt. Der Stoff ist klar: Das zentrale Thema ist die Liebesgeschichte von Dr. Stotz zu Melody. - Die Kamingeschichten des Dr. Stotz. Darüber hinaus geht es um Illusion versus Wahrheit. Mit dem Wunschdenken eine Illusion schaffen, die von der harten Realität ablenkt. Es ist der Wunsch, dass die Dinge anders sind, als sie tatsächlich sind. Zitate Dr. Stotz: "Die Erinnerungen sind eine seltsame Sache je älter du wirst, desto weniger weißt du, ob sie echt sind oder einfach entstanden wie Stalaktiten in einer Tropfsteinhöhle." " Ich habe mein ganzes Leben versucht der Welt von mir ein bestimmtes Bild zu vermitteln, ihre Aufgabe besteht darin, dieses auch für die Nachwelt zu bewahren". " ..ich liebe die Fiktion wesentlich mehr als die Realität... .Ich möchte keine Geschichtsfälschung, sondern -Gewichtung" 😉 Wunschdenken und Realität sind zwei Konzepte, die oft in einem spannungsgeladenen Verhältnis zueinanderstehen. So sei diesmal eine kleine nicht zwingend ernst zu nehmende Karikatur gestattet: Wie im Märchen,... lebte ein sehr betagter Mann, einst erfolgreicher Wirtschaftsmagnat, in Gesellschaft und Politik angesehen und hoch dotiert, in einem Schloss, respektive einer Villa. Über deren Eingang war in Stein gemeißelt, passend zum Thema „Tempus fugit, amor manet“, der Leitgedanke. Dieser setzte sich in den Räumen mit entsprechenden „Altären“ seiner großen Liebe fort. Im Schloß sorgten die Bediensteten – eine begnadete Köchin, die mehr Sterne als ein Michelin-Restaurant verdiente, und ein Butler, so perfekt, dass er selbst Freddie Frinton (Butler James, Dinner for one) in den Schatten stellte, dafür, dass alles nach Plan lief. Und während der alte reiche Mann, nicht verkraften konnte, dass seine wesentlich jüngere Liebe ihn gegen einen jugendlicheren, vlt. besseren Mann eingetauscht hatte, in seiner Trauer schwelgte, hielt er mit aller Macht seine Version des einsamen Liebenden aufrecht. Schließlich war Stil das letzte Gesetz. Der äußere Schein war für ihn so wichtig wie der letzte Schliff an einem teuren Anzug. Als Bösewicht kam ein eifersüchtiger Bruder aus der Familie der Braut in die Szene, mit einem Herzen voller Missgunst, die getarnt war mit der Sorge über die zusätzliche Problematik der religiösen und kulturellen Unterschiede des Paares. - Und dann war da noch die Nichte des alten Mannes, die sich in Tom, den "Memoiristen" ad hoc verliebte. Das junge Paar, charmant und frisch , sorgte sich ernsthaft darum, ob sie mit dem ererbten Reichtum umgehen konnten. Schließlich war es nicht leicht, die Verantwortung für ein Vermögen zu tragen, das sie nicht einmal selbst verdient hatten! ....und wenn sie nicht... Die Beobachtungen im Lesekreis sind, dass die Charaktere mit ihrer Identität oder ihrem Selbstbild kämpfen, sich dabei aber nicht entwickeln. Die grundsätzliche Idee ist gut, aber ein wenig Selbstironie statt Theatralik hätte bisweilen nicht geschadet. Die Figuren sind zu sehr stereotyp, angefangen bei dem Narzissten Dr. Stotz, bis zum ewigen Studenten Tom Elmer, Rest siehe Märchen. Es geht uns zu viel um Mahlzeiten und den natürlich passenden!! Alkohol. Fazit: Wer sich einlassen, verzaubern lassen möchte, vom Ambiente der Superlative, auch was die Reisen des leidenden Dr. S angeht, kann bei diesem Buch Butler Roberto sagen hören: It is served. 😉
- Isabel Bogdan: Der Pfau | Mysite
Klappentext: Isabel Bogdan: Der Pfau "Einer der Pfauen war verrückt geworden." Dummerweise geschieht das gerade, als Chefbankerin Liz und ihre vierköpfige Abteilung sich mitsamt einer Psychologin und einer Köchin zum Teambuilding in die ländliche Abgeschiedenheit der schottischen Highlands zurückgezogen haben. Der verrückt gewordene Pfau , das rustikale Ambiente und ein spontaner Wintereinbruch sorgen dafür, dass das Wochenende ganz anders verläuft als geplant. So viel Natur sind die Banker nicht gewohnt. Isabel Bogdan, preisgekrönte Übersetzerin englischer Literatur, erzählt in ihrem 1. Roman pointenreich von der pragmatischen Problemlösung durch Lord McIntosh, von der verbindenden Wirkung guten Essens und einer erstaunlichen Verkettung von Ereignissen, die bald keiner der Beteiligten mehr durchschaut. zur Autorin: Isabel Bogdan, ist eine deutsche Literatur-Übersetzerin, Schriftstellerin... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Gesellschafts-Satire Verlag: Kiepenheuer & Witsch erschienen: 2016 Seitenzahl: 256
- Lesekreis-Erfahrungen Die hellen Tage | Mysite
Lesekreis-Erfahrungen: Die hellen Tage: Kleine Einstimmung und freie Assoziation "Der hellen Tage", deren Geschichte in und um Heidelberg, später bis nach Rom führt ;-) Rom - mit freundlicher Genehmigung und zur Verfügung-Stellung von Frau Marliese Will Wie hat es uns gefallen? Ein Mut-Mach-Buch über das Erwachsenwerden mit immer wieder positiven Elementen und Wendungen des Lebens. In der Erzählung finden sich Alle wieder. Mit dem Aspekt des häufigen Draußen-Seins, bereichert durch die Wahrnehmung des Kindes, das alle Umstände noch heller, noch strahlender, glücklicher empfinden lässt. Die Geschichte beginnt mit der Kindheit in den 60er Jahren und endet um die Zeit des Mauerfalls. Sie lässt uns teilhaben am Erwachsenwerden, der Pubertät, dem Abschied vom Zuhause und dem Aufbruch zum Studium nach Rom und schließlich die Rückkehr. Inhaltlich geht es außerdem um Trauer, Verluste und Verlassenwerden, Verrat und Lügen. Wie finden wir die Beschreibungen? Bildreich und farbig, geradezu poetisch die Beschreibung der Farben, Stimmungen, Landschaften und die Gefühlswelten der Protagonisten. Dadurch fühlt man sich schnell in die Geschichte „mit hineingenommen“. Die Autorin berichtet mit viel Einfühlungsvermögen, jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger. Die Erzählperspektive hat Tagebuch-Charakter. Sie ist fortlaufend chronologisch, es wird nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart gewechselt. Welche der Figuren stehen uns am nächsten? Allen voran die unkonventionelle Evi, die mit all ihren Schrulligkeiten sehr liebenswert wirkt. Im Prinzip sind alle Figuren sympathisch, weil in ihrer Gefühlswelt nachvollziehbar, lediglich Ellen und Zigi könnte teilweise Egoismus unterstellt werden, was beide unsympathischer erscheinen lässt. Zigi gewinnt allerdings am Ende wieder an Sympathie, da er seine Bedürfnisse zugunsten von Evis Erkrankung hintenanstellt. Die weiblichen Figuren, insbesondere die Mütter, werden als starke Persönlichkeiten geschildert, die maßgebliche Stützen für andere sind. Zusammen flechten sie ein tröstliches Netzwerk, das die Kindheit und Problematik der besonderen Umstände auffängt und trägt. Unsere Lieblingsstellen / Zitate: Zitat Seri: „Wir laufen durch Kirchblüt, und alles ist anders, wir haben es verloren, so wie wir die Orte unserer Kindheit verlieren, zum 1. Mal, wenn wir keine Kinder mehr sind, und später noch einmal, wenn wir als Erwachsene zurückkehren und uns wundern wie sie wirklich aussehen“ „Wir hatten unsere Mütter, und trotz deren kleinen und großen wunden, die sie uns zufügten, klammerten wir uns an sie und hielten uns fest an ihren Händen, als könnten wir sonst umfallen, als könne uns etwas zustoßen, in der Zeit, in der wir Abschied nahmen von den vielen Dingen, die unsere Kindheit eingerahmt hatten“. Was hat am meisten berührt? Einig waren wir uns bei der Szene, in der Evi ihren Wunsch nach einer Grabinschrift äußert: „Die hellen Tage behalte ich, die dunklen gebe ich dem Schicksal zurück.“ Darüber hinaus haben uns viele unterschiedliche Szenen sehr stark berührt, weil man sich den Figuren durchwegs sehr nahe fühlt. Würden wir das Buch empfehlen? Das Buch würden wir in jedem Fall empfehlen und darüber hinaus auch verschenken, evtl. mit dem Hinweis, sich nicht von über mehreren Zeilen ausufernden Sätzen abschrecken zu lassen. – Wir befinden vom Buchhandel zu Recht als „Hochkaräter“ bezeichnet!
- Mary Ann Shaffer & Annie Barrows: Deine | Mysite
Mary Ann Shaffer and Annie Barrows: Deine Juliet Klappentext: London in den späten vierziger Jahren: Die temperamentvolle junge Schriftstellerin Juliet erhält eines Tages einen erstaunlichen Brief. Absender ist Dawsey Adams, ein Bauer von der Kanalinsel Guernsey. Er hat antiquarisch ein Buch erworben, das zuvor ihr gehörte. Zwischen der Literatin und dem Bauern entspinnt sich ein Briefwechsel, durch den Juliet von der Existenz eines literarischen Clubs erfährt, den die Inselbewohner gründeten, um sich über die schwere Kriegszeit hinwegzuhelfen. Je mehr Juliet über Dawsey und die anderen erfährt, desto neugieriger wird sie. Sie beschließt, auf die Insel zu reisen. Dort stößt sie auf die Geschichte von Elizabeth und deren großer Liebe zu einem deutschen Offizier. Und sie lernt Dawsey kennen... zu den Autorinnen: Mary Ann Shaffer und Annie Barrows... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Brief-Roman Übersetzung aus dem Englischen: Margarete Längsfeld und Martina Tichy erschienen im: btb (Taschenbuch) herausgegeben: 2008 Seitenzahl: 304 unsere Lesekreiserfahrungen: Same procedure...: Ergänzung zum Klappentext- Inhalt: Die junge und aufstrebende Autorin Juliet Ashton ist auf der Suche nach einem Thema, einer Idee für ein neues Buch, als ein Inselbewohner Guernseys sie anschreibt, um sich für ein Buch, dessen Vorbesitzerin sie war, zu bedanken. Ihre Definition von Schriftsteller*innen: Seite 38 “...ist von Berufs wegen verpflichtet, die Nase in anderer Leute Angelegenheiten zu stecken.“ 😉 Man schreibt 1946, das Jahr nach Beendigung des 2. Weltkrieges, einer Gewaltzeit, die die Menschen traumatisiert und nicht nur ihrer Illusionen beraubt, hinterlassen hat. Auch Juliet wurde in London ausgebombt. Wie hat es uns gefallen? Einmal mehr haben wir es mit einer starken Persönlichkeit als Protagonistin zu tun, Juliet ist fortschrittlich, selbstbewusst. Das Buch liest sich flüssig und unterhaltsam dazu mit amüsanter Note also sehr erbaulich. Es sollte jedoch deshalb nicht heruntergebrochen werden auf flache Unterhaltungsliteratur. Ohne die Traurigkeit und Tragik der schwierigen Nachkriegs- Besatzungszeit in irgendeiner Weise zu beschönigen, werden die Zustände von Not, Hunger, Verzweiflung geschildert. Berichtet wird gleichermaßen von der Verbitterung der Inselbewohner und deren quälenden Auflagen durch den Feind, als auch vom Leid und Elend der Zwangsarbeiter. Was uns gefallen hat: Der Schreibstil ist ein Brief-Roman, in fortlaufender chronologischer Reihenfolge von Januar -September 1946, in denen im Briefwechsel die Begebenheiten von Juni 1940 - 1945, der Invasion der Deutschen auf Guernsey, erzählt werden. Der Briefwechsel ist in der Sprache der 40er Jahre verankert. Die Figurenzeichnungen passen zur jungen, sehr begeisterungsfähigen Protagonistin. Die Charaktere sind eindringlich dargestellt. Die Hauptakteure: Juliet, engagiert, temperamentvoll und bezaubernd erfrischend, mit einem sonnigen Gemüt, und einem gehörigen Schuss britischen Humor! Sie gibt zwei Empfehlungen (auf Nachfrage der Leiterin des Buchclubs, bevor sie Interna mit ihr teilen möchten), um ihren Charakter beurteilen zu können : Positiv: Hochwürden Simon Simpless Negativ: Lady Bella Taunton, sie ist überzeugt, Juliet hat keinen Verstand (Seite 49) Dawsey Adams, zurückhaltend und schüchtern, aber im Ernstfall mit viel Überzeugungskraft, ein Mann der Tat, umsichtig und hilfsbereit. Er schätzt und sammelt die Bücher von Charles Lamb 1774-1834, Essayist. Markham Reynolds, ein vermögender Amerikaner ist Juliets Verehrer,, selbstherrlich, mit Hang zur Arroganz - Seite 77 : Juliet: „Opernkarten sind schwer zu bekommen“…Mark: „Er wird sich mit einem Stehplatz begnügen…(..)“ Isola Pribby liebt Tiere, Eingemachtes und ihre Elixiere …und: Die Sturmhöhe von Emily Bronte Amelia Maugery mag die Natur und Landwirtschaft, daher jede Menge Fachbücher darüber, was die Auswahl des frisch gegründeten Buchclubs bei den Büchern erschwert, und Die Pickwickier von Charles Dickens Eben Ramsey, der „Postmeister“ entscheidet sich für Shakespeare eine Auswahl Dickens + Wordsworth Seite 71: „Hätte ich die Worte -der klare Tag ist hin, im Dunkel bleiben wir- denken können, wäre ich ein wenig getröstet und bereit gewesen.“ (zum Tag der Landung der Deutschen) John Booker - alias von 1940 -44 Lord Tobias Penn-Piers (die Idee Elizabeths, da die Mutter Jüdin ist. Seite 98) Er schwört auf Seneca und liest mit Hingabe immer dasselbe Buch. Seite 98: "Es scheint, dass man mit Senecas Wort gut fährt –" Seite 101: „Mit der Zeit liebte ich unsere Büchertreffen – (…)ich blieb Seneca treu. Manchmal hatte ich das Gefühl, er spräche zu mir. Sie halfen mir, die Besatzung erträglich zu machen.“ Adelaide Addison, die Missgünstige und Gehässige in „christlicher“ Besorgnis und Bestürzung Und … Elizabeth!!, das Herz am rechten Fleck, mutig, sehr hilfsbereit und empathisch, von ungeheurem Einfallsreichtum. Juliet fühlt sich mit ihr seelenverwandt, die Liebe zu Büchern, ästhetischer Blick für schöne Dinge. Das hat uns besonders berührt: Ganz besonders zu Herzen gehend war für uns die Stelle der Kinderverschickung Seite 82 in Eben Ramseys Brief, der seinen Enkel verabschieden musste (Elis Mutter war hochschwanger und konnte nicht mitkommen), und Seite 135: „Die kleinsten Kinder waren ganz aufgeregt..(..) Manche dachten, es sei so etwas wie ein Sonntagschulausflug und sie würden bei Einbruch der Dunkelheit zurück sein..(..).Die älteren Kinder wie Eli wussten es besser. Sehr bewegend auch die innige Bereitwilligkeit des Buchclubs: In der Hauptverantwortung kümmert sich nach ihrer Verhaftung Amelia Maugery um Elizabeths verwaistes Kind. Der Freundeskreis unterstützt sie abwechselnd wochenweise in der Betreuung, so dass es in der dörflichen Gemeinschaft behütet ist. Wir sprachen über: Die Entwicklungsform von Elizabeth zur Hauptfigur des Romans, den Juliet schreibt. Die Bewältigung der Situationen durch Literatur, der Verbindung der Menschen durch Literatur, als Kultur. Sie erfahren so ein neues Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, Verbundenheit und Gemeinsamkeit. Der Buchclub als Zufluchtsort. Aus Dorfnachbarn, Bekannten, nahezu Fremden wurden Freunde. „Beim Disputieren wuchsen sie sich gegenseig immer mehr ans Herz.“- Die Landschafts-Stimmung> <der Kanalinsel ist im Roman sehr schön nachempfunden, die Liebe seiner Bewohner zu ihr wird mit Juliet begeistert geteilt. Seite 151: „es gibt keine schönere Anfahrt nach Guernsey als von der Seeseite - im Licht der untergehenden Sonne, mit goldgeränderten, schwarzen Gewitterwolken oder der aus dem Nebel auftauchenden Insel“ - „ immer wieder der Blick von den Klippen, Wiesen mit Wildblumen , hohe Gräser und Ginster“, Seite 181 „bewaldete Täler, Herrenhäuser, Dolmen, wilde Klippen, Hexenwinkel, Scheunen im Tudorstil und normannische , steinerne Cottages“ ...u.v.m. Lieblingszitate: Schön schräger britischer Humor: „Möchtest du zu mir kommen? Ich habe eine Wurst. Juliet“ -Seite 142 „Lieber Mark, (…)..hinterher können wir uns die Mumien anschauen – Juliet“ - Seite 109 Nach dem Unfall Sidneys: „…etwas schicken, was zur Genesung beiträgt? Bücher, Schallplatten, Pokermarken, meine Blut?“ - Seite 93 „Was sagt der Arzt zu deinem Bein, Sidney – Du hattest ja inzwischen genug Zeit, dir ein neues wachsen zu lassen. Grüsse und Küsse deine Juliet“ - Seite 123 Fazit: Lesen!! Zum Vergnügen, wobei ich mich hier Brecht’s Gedicht bediene: Vergnügen: Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen Das wiedergefundene alte Buch Begeisterte Gesichter Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten Die Zeitung Der Hund Die Dialektik Duschen, Schwimmen Alte Musik Bequeme Schuhe Begreifen Neue Musik Schreiben, Pflanzen Reisen Singen Freundlich sein😉
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Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Heute beissen die Fische nicht von Ina Westmann Wie hat es uns gefallen: Eine idyllische Insel im finnischen Schärengarten, 3 Protagonisten und deren ernster Hintergrund: Die Geschichte schickt uns durch eine emotionale Reise durch die Gedankenwelt der Charaktere: Emma , psychologisch, sozial und physisch leidend unter den Auswirkungen ihrer Arbeit als Fotojournalistin oft in Krisen- Gebieten. Die Symptome der traumatischen Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit wirken sich zu Problemen auf das Familienleben aus. Emma kämpft darum ihre Vergangenheit mit ihrer Gegenwart in Einklang zu bringen. Ihre Halluzinationen verwischen die Grenzen zwischen Realität und Illusion. Dieser Aspekt der Geschichte, wirft Fragen über die Wahrnehmung und die Zuverlässigkeit der eigenen Erfahrungen auf. Joel , Pädagoge, steht auf der Seite der Wissenschaft, still, eher introvertiert. Joel hadert, kämpft mit Emmas Zustand, er möchte sie vor ihren Dämonen beschützen und gleichzeitig Stabilität für seine Tochter schaffen. Um in der maritimen Symbolik zu bleiben, er möchte der Anker der Familie sein. Fanni , die gemeinsam adoptierte Tochter aus Kenia ist 5 Jahre alt und auf der Suche nach ihren Wurzeln, ihrer Identität. Sie ist ein aufgewecktes Kind mit dunklen Haaren, das in der Gesellschaft der vermutlich hellhäutigen finnischen Küstenbewohner fremdartig wirkt und auffällt. Was hat uns gefallen: Geschickt setzt die Autorin die Abgeschiedenheit der Insel ein, die die Beziehungen und Konflikte innerhalb der Familie intensiviert. Joel, Emma und ihre adoptierte Tochter Fanni leben auf engem Raum, ohne große Ablenkungen. Es gibt keine Fluchtmöglichkeiten in die äußere Welt. Sie sind gezwungen, zwischen Realität und Visionen zu unterscheiden und diese in Einklang zu bringen. Das Buch gliedert sich in kurze, prägnante Kapitel, mit poetischer schöner Sprache, die wie Flash-Backs der einzelnen Protagonisten wirken. Bei der aufgezeigten Problematik ist der Schreibstill nie wertend oder moralisierend. Die kurzen Abschnitte sind wohltuend und begünstigend für den Lesefluß. Kritik – Eindruck: Das Meinungsspektrum der Lese-Gruppe geht diesmal von einem „sehr vielschichtig“ (angenehm) bis zu Themen überladen (unangenehm). Familien- Dynamik und Isolation psychische Gesundheit und Trauma Identität und Selbstfindung Adoption und Zugehörigkeit, Integration Rassismus Kriegs-Traumata Flucht und Migration Krisengebiete mit Hungersnot Umweltprobleme Uns hat am meisten berührt: Sehr berührend empfanden wir die Gespräche zwischen der kleinen Fanni mit dem Großvater. Die Familie im Jetzt und im Jenseits. Die besondere Wahrnehmungsfähigkeit von Kindern, die oft intuitiv Atmosphären und Stimmungen intensiver als Erwachsene erfassen, wird hier einfühlsam dargestellt. Die spirituelle Verbindung Fannis mit dem Großvater , den sie als guten Geist aus dem Jenseits und unsichtbaren Freund erlebt, ist sehr bewegend, geht unter die Haut und berührt das Herz. Unser Lieblingscharakter: Als Favorit wurde Joel gewählt, der sich bemüht, Emma zu helfen, sie zu unterstützen und Halt zu geben auf ihrer Suche nach sich selbst, ihrem inneren Frieden. Gleichzeitig versucht er, sie in Einklang mit Fanni zu bringen. Trotz seiner Ängste und Unsicherheiten, möchte er die Familie schützen, und seinen Werten wie Umweltschutz und vegetarische Lebensweise treu bleiben. Zeitgeist: Gerade bei dem Thema Familiendynamik wurde darüber diskutiert, ob der Zugang zu einer Fülle von Informationen, darunter auch Fehlinformationen, die heutige Familiensituation möglicherweise zusätzlich belasten könnte. Die im Roman angesprochenen Themen spiegeln dabei viele der persönlichen und kollektiven Herausforderungen wider, mit denen moderne Familien konfrontiert sind und als Belastung empfunden werden. Fazit: Noch einmal werden wir maritim 😉: Fische als metamorphisches Symbol für verborgene Wahrheiten und Erinnerungen, die nicht immer leicht zu fassen sind. In den Tiefen unserer Seele schwimmen Erinnerungen wie scheue Fische, - manchmal beißen sie, manchmal nicht.
- Lesekreis-Erfahrungen Verzauberter Apri | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Verzauberter April - Elizabeth von Arnim Der Roman erzählt von vier englischen Frauen, die dem trüben Londoner Alltag entfliehen und gemeinsam einen Frühlingsmonat in einem italienischen Castello verbringen. Die Handlung spielt in den 1920er Jahren und folgt den Protagonistinnen: der schüchternen Lotty Wilkins, rothaarig, (nach Ansicht Mrs. Fishers zu direkt - die Wandlung von schüchtern zu direkt geschieht mit dem Betreten des Palais) der frommen Rose Arbuthnot, (Die, lt. Mrs. Fisher, mit der anständigen Frisur und der sanften Stimme) dunkeläugig, der verehrten Lady Caroline wunderschön, anmutig, 28 Jahre, unverheiratet, und eben der missmutigen Mrs. Fisher habsüchtig, egoistisch, spröde (ist 65 geht am Stock, seit 11 Jahren verwitwet immer noch Schwarz tragend). Vier Frauen, die sich zunächst kaum kennen, aber durch die Anzeige eines zu vermietenden Castellos in den sonnenverwöhnten Hügeln Italiens mit seinem mediterranen Flair zusammengeführt werden. Angezogen von dem gemeinsamen Wunsch nach Sinnstiftung, seien es vernachlässigte Ehen, gesellschaftlicher Druck oder Einsamkeit, begeben sie sich auf ihr Abenteuer. In und um das Castello paradiesische Zustände, üppige Landschaft, die vor Farben und Leben strotzt, und die den Protagonistinnen neues Selbstbewusstsein und Perspektiven der in der Selbstreflexion erfahren lässt. Im Laufe der Tage entdecken die Frauen, dass das Castello nicht nur ein Zufluchtsort vor ihren Problemen , sondern auch ein Ort der Heilung und Erneuerung ist. Die Ehefrauen erleben eine Renaissance der Wertschätzung und Anerkennung ihrer Männer. Am Ende wurde das Castello zu einem Heiligtum der Transformation 😉 Wie hat es uns gefallen: Es ist ein Märchen, anrührend und modern, trotzdem voller Frauenpower. Einfach erfrischend erquicklich, ob der ständig präsenten Problematik der Weltlage, sei es gesellschaftlich, politisch, oder klimatisch. Ein kleiner Auszug aus dem Feuerwerk der Naturbeschreibungen: Seite 87: „Die Glyzinen überschlugen sich in exzessiver Lebenslust, Blütenüppigkeit,; und da, wo die Pergola aufhörte, strahlte die Sonne auf scharlachrote Geranien, wahre Büsche und Unmengen von Kapuzinerkresse und leuchtenden Ringelblumen, die zu brennen schienen, auf rote und rosafarbene Löwenmäulchen, und jede Pflanze übertraf die andere an Leuchtkraft der Farbe.“ Was hat uns gefallen: Der "triviale Schmelz" wird immer wieder sehr geschickt ironisch gebrochen, die Autorin schrieb verschmitzt. Seite 199: „ (..)aber es war seltsam, es nach über fünfzig Jahren wieder zu verspüren. Sie hätte gern mit jemanden darüber gesprochen, aber sie schämte sich. Ein unsinniges Gefühl in ihrem Alter. Doch immer häufiger und mit jedem Tag stärker hatte Mrs. Fisher das lächerliche Gefühl, als würde sie bald knospen. ..“ Trotz Ihrer mürrischen Art verspürt Lotti Mitgefühl für Mrs. Fisher. Die anderen Damen haben Vorbehalte und Respekt, besonders vor ihrer scharfen Zunge und kritischen Art. Daher wirkt der gewaltlose Widerstand von Lotti gegenüber ihr, besonders geschickt. Die Wirkung von Schönheit, in diesem Fall die füllige Landschaft mit all ihren Sinneseindrücken, das geteilte ästhetische Erleben, verbindet die Menschen und schafft Gemeinsamkeit, ein Gefühl der Verbundenheit. Kritisiert wurde: dass die Ehemänner diese Idylle (gewünscht/gewollt) der Frauenrunde unterbrechen, sie werden recht karikiert ((bestimmt gewollt, aber ein wenig too much) dargestellt, die "Verwandlung" von Lotti, für unseren Geschmack etwas zu schnell vorangetrieben wird. Vergleiche mit: Sturmhöhe von Emily Bronte Zimmer mit Aussicht von E.M. Forster Der Geheime Garten von Frances Hodgson Burnett Fazit: Wir würden es empfehlen und verschenken, der Roman hat mit großer Leichtigkeit auch Tiefgang in den Fragen zur Selbstverwirklichung und weiblichen Rollenbildern der damaligen Zeit, einfach zum "Abtauchen"