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- Lesekreis-Erfahrungen offene S | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Benjamin Myers: Offene See Robert erzählt die Geschichte seiner Künstlerwerdung im hohen Alter, wie er als Sechzehnjähriger, introvertiert und verträumt, gegen familiären Zwang rebelliert. Er bricht aus der Familientradition aus, die unweigerlich aus der finanziellen Situation dem Bergbau verschrieben ist und sucht seinen eigenen Weg in einer Selbstfindungsphase. – Aus dem Kohleschacht hinauf ans Meer. Auf seiner Wanderung lernt er Dulcie kennen, erfahren, schätzungsweise in ihren 60ern. Sie stellt mit ihrer Erscheinung sowie ihrem Verhalten seine wenigen bisherigen Erfahrungen komplett auf den Kopf. Sie führt einen anarchischen Lebensstil und predigt den Genuss des Augenblicks., zeigt und erklärt ihm die Welt der Bücher, von denen ihn besonders der englische Naturdichter und Romantiker John Clare inspiriert. Wie hat es uns gefallen: Das Buch behandelt mit 2 Protagonisten und einem Hund 😉 3 gewichtige Themen: Die Geschichte zeigt das damalige Gesellschaftsbild Englands im Jahr 1946,, besonders die Lebensumstände seiner Menschen nach dem 2. Weltkrieg sehr gut auf. - Den Krieg gewonnen, dennoch unter den Folgen leidend. Das 2. Thema ist die Suche nach Identität und Freiheit des jungen Robert, sein Coming-of Age. Dazu stellt sich heraus, dass Dulcie, die wir als rätselhaft, undurchsichtig und manchmal übergriffig gegenüber dem unerfahrenen Robert beurteilen, ein tragisches Schicksal mit sich trägt. Was hat uns gefallen: Wunderbar sind die Naturschilderungen des Autors, und Roberts Gefühl dabei, mit sich selbst im Reinen zu sein: Seite 52 „Ich spürte eine Verstärkung und Verfälschung der Sinne, sonderbar, aber durchaus lustvoll, als erlebte ich die Pflanzen- und Tierwelt um mich herum in einem gesteigerten und intensiveren Masse. Als erlebte ich sie nicht nur, sondern als wäre ich ein Teil von ihr dann (... ) Ich atmete tief ein, roch Erde, Bärlauch, Kräuter schwebende Pollen und den Duft des salzigen Seeluft. Ein Sinnenschmaus.“ Seite 95 „ stattdessen ging ich tief hinein in die Wildwiese und streckte mich für einige Momente dort aus, lauschte Ihrem Surren und Rascheln und spürte wie die Sonne mir Strahlenkränze auf die geschlossenen Lider malte.“ Angetan hat es uns die Figur der Dulcie, die sich der Bohemian Lebensart verschrieben hat, liebt ihre Individualität, Kunst, Musik, und ein einfaches, aber erfülltes Leben. Durch ihre Beziehungen und Kontakte kann sie sich auch gewisse Schrulligkeiten leisten unter anderem gutes Essen leisten.. Sie raucht, nur in Verbindung mit Lyrik 😉 (S.211), stört sich nicht an gesellschaftlichen Normen und Konventionen. Sie ermuntert Robert, seinen eigenen Weg zu gehen, fördert ihn. S. 109 „ Leute wie ich gehe nicht studieren. - Was meinst du mit Leute wie ich? – Bergmannsleute. - Aber du hast ein funktionsfähiges Organ in deinem Schädel oder? - ich hoffe es“. Nach Dulcies buntem Querschnitt, was er lesen sollte, schenkt sie ihm einen Stapel Bücher: Seite 118 „Es tut gut, ein bisschen auszumisten. Außerdem sind nicht die Bücher das Wesentliche, Robert. Die sind bloß Papier, aber sie enthalten ganze Revolutionen. Die meisten Diktatoren lesen kaum etwas anderes als die schmeichelhaften Biografien, die irgendwelche Schleimer über sie verfassen. Und das ist ihr Fehler: nicht genug Poesie in Ihrem Leben“ Verschiedene von uns haben das Werk ebenso als Anti-Kriegs-Buch und eine Lanze für den Pazifismus gesehen: Seite 49 „ … habe ich gelernt dass sie alle so ziemlich gleich sind: Menschen sind Menschen. Ich spreche da aus Erfahrung manche Menschen sind tapfer und andere töricht und fast alle haben Angst. Krieg ist Chaos mehr nicht. Deutsche oder Briten, Armenier, Holländer oder Tongaer - die meisten Menschen wollen bloß ein ruhiges Leben. Ein gutes Essen, ein bisschen Liebe. Einen Abendspaziergang. Einen geruhsamen Sonntag.“ S. 200 Nachkriegssituationen: „ überall um uns herum hatte der Krieg Spuren hinterlassen, und die Art des ländlichen Lebens änderte sich. Die Rationierung hatte einen Appetit geweckt, der sich als unstillbar erwies, und landwirtschaftliche Flächen wurden aufgekauft und auf Massenproduktion umgestellt. Die große Angst war jetzt der Hunger, nicht mehr der bewaffnete Konflikt.“. Was hat uns gestört: Einfach to much, manchmal geht es mit ihm (dem Autor) durch 😉 oder er möchte es immer noch besser machen: Seite 29: „Hecken umsäumten mich und ich kaum an Kühen vorbei deren Euter wie Partyballons herum baumelten, gelegentlich auch an Pferden die auf tristen Kuppeln angebunden..(…) und deren Rippen hervortraten wie die Rümpfe von gestrandeten Booten“ Seite 119: „ Der Himmel grollte. Die Ohren des Hundes stellten sich auf: 2 haarige, aufs Meer hinaus gerichtete Schallspiegel, die den Umschwung in der Atmosphäre aufnahmen.“ Solche alternativen Bildfelder passen nicht. Pädagogisch nicht besonders wertvoll fanden wir den „Ausrutscher„ Dulcies, als sie Robert zum exzessiven Alkoholgenuss verführt. Besonders bewegend/ anrührend: Ein besonders bewegender Moment war, als Dulcie das Atelier ihrer verstorbenen Partnerin für Robert vorbereitete und ihm zeigte, dass der gravierte Buchstabe "R" nicht nur für Romy, sondern auch für Robert steht. So hatte Dulcie hat einen Weg gefunden, ihr Schicksal anzunehmen. Vergleich: Der "Leben eines Taugenichts" ist eine Novelle von Joseph von Eichendorff, die die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der sein Zuhause verlässt, um sein Glück in der Welt zu suchen. Auf seiner Reise erlebt er verschiedene Abenteuer und lernt wichtige Lebenslektionen. Letztendlich findet er sein Glück und seine Erfüllung in der Natur und in der Liebe. Fazit: Wir empfehlen es uneingeschränkt. Wie schon eingangs geschrieben, ein Lesestoff der nach vielerlei Richtung den Leser fesselt. Die wunderschönen Bilder wurden von einem Lesekreis-Mitglied zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!!
- Nicola Kabel: Kleine Freiheit | Mysite
Nicola Kabel: Kleine Freiheit Klappentext: Gerade vierzig geworden, kümmert sich die Richterin Saskia in Elternzeit um ihre beiden Söhne, während ihr Mann Christian zwischen dem Heimatort in der norddeutschen Provinz und einer Kanzlei in Hamburg pendelt. Da bringt ein geplanter Windpark vor ihrer Haustür Saskias geordnetes Leben ins Wanken. Als sie sich in einer Bürgerinitiative engagiert, schenkt ihr Joachim Wedekamp besondere Aufmerksamkeit. Sie gerät in seinen konservativen Zirkel und erlebt beunruhigt, dass sich hinter dessen Widerstand gegen den Windpark eine viel grundsätzlichere Kritik an der heutigen Gesellschaft, der Zuwanderung, dem Wertewandel verbirgt. Wedekamp steht mit seiner väterlich-höflichen Art im Kontrast zu ihrem eigenen Vater, dem Alt-68er Hans, den sie liebt und der ihr oft doch peinlich ist. Bei ihm sind Saskia und ihre kleine chaotische Schwester Sophie in bunten WGs aufgewachsen, nachdem die Mutter die Familie verlassen hatt. Als Jurist durchaus erfolgreich, hat er sich dennoch seine wütende Kritik an der grassierenden Ungleichheit, am globalen Kapitalismus und der Konsumgesellschaft bewahrt, ist so unkonventionell wie eh und je und schont auch keine Verwandten. In ihrem feinfühligen Debütroman erzählt Nicola Kabel eine berührende Vater-Tochter-Geschichte, die zugleich den Finger in Wunden legt, die die Zerreißroben der Gegenwart uns zufügen. zur Autorin: Nicola Kabel, geboren 1978, studierte Geschichte und öffentliches Recht in Hamburg und war mehrere Jahre Redakteurin. Der Deutschen Presse-Agentur. Seit 2912 arbeitet sie in der politischen Kommunikation. Sie lebt mit ihrer Familie in Lübeck. Quelle: Einband C.H.Beck-Verlag unsere Lesekreis-Erfahrung: Wie hat es uns gefallen Das Buch ist flott zu lesen, oft mit leichter Belustigung bei der evtl. sich einstellenden eigenen Reflexion (was möchten doch die erwachsenen Kinder bei der Erziehung ihrer Kinder wiederum nicht alles besser und anders machen ;-)) Was hat uns gefallen Die Aktualität der Themen angesichts des allerorten spürbaren Klimawandels und des wie- damit- Umgehens, sorgen für Spannung und Erwartung. Was hat uns gestört Die Lesekreisteilnehmerinnen fanden die Themen teilweise nur angerissen und nicht in die Tiefe gehend. Die Figuren wirkten auf sie oft, vielleicht auch gewollt, klischeehaft überzeichnet. Nicht hineinpassend, ohne Zusammenhang, erscheint die Szene der Fast-Affäre mit dem Nachbarn Markus, (Klischee liebenswerter Lebenskünstler). Welche Figuren stehen uns am nächsten Die Entwicklung der Protagonistin Saskia, deren Kinder- und Jugendzeit, erfahren wir im Rückblick im Roman. Ein Aufwachsen mit Eltern, die versuchen ihren Traum zu leben, das Lebensgefühl der Flower-Power-Zeit, mit der Ablehnung von bürgerlichen Wertvorstellungen und Zwängen, antiautoritär und antihierarchisch. Saskia und ihre Schwester Sophie, leben in einer Kommune bei Gorleben, die die Mutter irgendwann verlässt. Die Geschwister werden von Hans oft weitergereicht an andere Kommunen-Mitglieder, von denen sich die warmherzigen Bezugspersonen (Georg und Ruth) später für das sogenannte bürgerliche Leben, das verachtete Family-Glück entscheiden. Es bleiben als Familienverband nur die Großeltern, Saskia die Wut und Enttäuschung auf den Vater, der die Kinder abschiebt. Sie möchte in der Erziehung, dem Aufwachsen ihrer Kinder nicht diese Fehler machen, Kontrolle und Ordnung sind ihr sehr wichtig. Der Vater Hans ist trotz seiner Vorstellungen, Überzeugungen und Grundsätzen in der 68-er Bewegung ein erfolgreicher Jurist, zwischenzeitlich gut etabliert. Seine Widerstände gegen Spießigkeit und kleinbürgerlicher Zwänge demonstriert er nur im Fehlen der Krawatte, zweier offenstehender Hemdsknöpfe und dem mittlerweile graugewordenen Pferdeschwanz. #109 „Plötzlich verdiente Hans Geld, etwas mehr als 40 Jahre alt. Erstmals bügelte der Hemden. Er reihte sich ein in die Herde: morgens im Anzug raus aus der U-Bahn…“ Am meisten berührt hat uns Besonders berührend fanden wir die Not von Sas, die nach dem Weggang der Mutter die Fürsorgerolle dieser übernimmt: Das Pausenbrot für die kleine quirlige Schwester, ebenso wie Abwasch, Wäschewaschen etc.. Ebenso ihre Fluchten und Auswege um ihren Altersgenossen vorzuspielen, dass sie dazugehört. Sie will nicht die Außenseiterin sein, kauft sich heimlich zum Beweis selbst Weihnachtsgeschenke, deren Finanzierung sie ebenfalls organisieren muss, da zuhause kein Weihnachtsfest gefeiert wird. #85 „Dabei hatte Saskia gar nicht gelernt, wie Weihnachten geht. Mal feierten die Frauen in dem großen, gelben Haus Wintersonnenwende.“ Einen bitteren Geschmack fühlt man ebenfalls als Hans Ex- 68er, erkennt, dass er ohne seine Familie, die Kinder, die er nicht wollte, an Weihnachten einsam dasteht, nicht weiß wohin, was tun. Was ist unsere Meinung zur Stimmung im Werk? Die Stimmung im Werk ist bedrückend, das Gefühl der Unzufriedenheit der Protagonisten mit sich selbst, förmlich greifbar. Erschreckend, wie wenig die einzelnen Familienmitglieder voneinander wissen, bis zum Ende. Titel, Cover Der Titel" kleine Freiheit" – Jeder nimmt sich nur seine „kleinen Freiheiten?“ Das Cover zeigt Greifvögel „ im Sog der Windräder“ Wir sprachen über: Jugendrebellion von 68 – Protest gegen starre Strukturen – anti-autoritäre Erziehung, Freie Liebe, Wilde Ehe, Auflehnung an die bestehende Wirtschaftsordnung Heutige Jugendbewegung/en) Fridays for Future Den Wandel unserer gesellschaftlichen Werte Fazit: Wir würden es empfehlen, verschenken
- Ina Westmann: Heute beissen die Fische n | Mysite
Ina Westmann: Heute beissen die Fische nicht Klappentext: Eine Familie verbringt ihren Sommer auf einer abgelegenen Insel im finnischen Schärengarten. Vater, Mutter, Kind - Joel, Emma und Fanni.: Die Idylle könnte perfekt sein. Doch Emma, die Fotojournalistin ist oft und häufig in Krisengebieten unterwegs, wird von Kopfschmerzattacken und Halluzinationen geplagt: Treibt dort aus dem Nebel wirklich ein verlassenes Boot auf sie zu? Und sitzt da vorne auf dem Stein wirklich eine dunkelhäutige Frau und blickt aufs Meer? Oder sind es nur Erinnerungsfetzen an ein vergangenes Geschehen, das Emma bis in ihr Sommerrefugium verfolgt und droht, sie von sich selbst und ihren Liebsten zu entfremden? zum Autorin: Ina Westmann, geboren 1974, ist Schriftstellerin, renommierte Bloggerin und Kommunikationsmanagerin in der Verlagsbranche in Helsini. (Text Mare-Verlag) zum Buch: Genre: Roman, Belletristik, Drama Verlag: Mareverlag Übersetzer: Stefan Moster erschienen: 2021 Seitenzahl: 256 zu unseren Lesekreiserfahrungen:
- Benjamin Myers: Offene See : | Mysite
Klappentext: Benjamin Myers: Offene See Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. zum Autor: Benjamin Myers, geboren, 1976, ist Journalist und Schriftsteller.. Dumont Buchverlag zum Buch: Genre: Coming- of- Age-Roman Verlag: Dumont Buchverlag erschienen: 2021 aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann Seitenzahl: 265 zu den Lesekreis-Erfahrungen
- Jane Gardam: Ein untadeliger Mann | Mysite
Jane Gardam: Ein untadeliger Mann Klappentext: Aus dem Englischen von Isabel Bogdan. Alles an Edward Feathers ist ohne Fehl und Tadel - seine Garderobe, seine Manieren und sein Ruf als Anwalt mit glänzender Karriere in Hongkong. Nun ist er alt und muss mit dem Tod seiner Frau Betty zurechtkommen, so wie er immer mit allem zurechtgekommen ist. Seine perfekte Haltung täuscht alle und manchmal sogar ihn selbst. Doch mit Bettys Tod bricht etwas in ihm auf, und behutsam beginnt Feathers, vergangene Ereignisse ans Licht zu holen. An einem kalten englischen Wintermorgen setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden. zur Autorin: Jane Gardam, geboren 1928, ist eine englische Schriftstellerin... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Gegenwartsliteratur Verlag: Hanser Verlag erschienen: erstmals 2004 Übersetzung: Isabel Bogdan 2015 Seitenzahl: 352 zu unserer Lesekreis-Erfahrung unsere Lesekreiserfahrungen: Jane Gardam Ein untadeliger Mann Unser neuer Roman ist wirklich und wahrhaftig very britisch: innen und außen. Die Autorin, sowie deren Übersetzerin schafft es mit einer Leichtigkeit das Leben und die Psyche des Protagonisten „Old Filth“ , Kronanwalt in seinen hohen 80-ern, sowie seiner Ehefrau, sehr geschickt und warmherzig, ohne Wertung zu beleuchten. Die atmosphärischen Beschreibungen der Landschaften, die „Grillen“ Teddies und Bettys sind ein Juwel von Literatur und deren Übersetzung. Auch bei Filth‘s Reflektion gibt es ein Innen und Außen, seiner gedanklichen Reise in die Vergangenheit und dann in die reale Außenwelt. Dabei werden starke Emotionen gegenüber Freunden und alten Weggefährten wieder erinnerlich. . Alles mit viel Authenzität und Gespür für die Empfindungen der jeweiligen Person. Ohne Klischee-Bedienung haben die Figuren mit ihrer Charakteristik ein nuanciertes Eigenleben. Edward Feathers, ehemaliger Raj-Waise mit der für immer verletzten Seele, als Erwachsener skurril exzentrisch. Betty, seine Frau, Schottin in Peking geboren, spricht fließend Mandarin, die chinesischen Sitten und Gebräuche sind ihr vertraut, wie er fühlt sie sich damit wohl: „Sein ganzes Leben hatte er chinesische Werte hochgehalten: Die Höflichkeit, die plötzlichen Seitenhiebe, die unbedingte Gastfreundschaft, die Freude am Geld, die Schicklichkeit, die Wertschätzung des Essens, die Diskretion, die Cleverness.“ Betty und Teddie sind kinderlos. „Wer ohne Liebe aufgewachsen ist, kann kein Kind lieben. „Ich wurde seit ich 4 ½ Jahre alt war nicht mehr geliebt“, sagt Filth, der in diesem Alter seinem Heimatort und den Bezugspersonen entrissen wurde, um die englische Sprache und Wertvorstellungen zu lernen. der gefühlsarme Vater Eddies, dessen Herz ebenfalls gebrochen wurde traumatisiert und mit einer Kriegsverletzung. Seite 39: „Er bat nicht darum, das Baby (seinen Sohn) sehen zu dürfen..(..)..monatelang kam er dem Kind nicht näher“ Auntie May, Missionarin in Malaysia und Teddies erste Bezugsperson, die ihn seit Geburt kennt Vereint im Leid bei Ma Didds (Pflegefamilie) Brutalität und Gewaltherrschaft: die Cousinen Babs und Claire - Seite 189: „Anscheinend, sagte Claire, reißt Bettys Tod Grenzen ein. Spült Leichen an die Oberfläche.“ die verrückten englischen Tanten Muriel und Tilda, „Les Girls“, laut Einschätzung Eddies psysisch taub, sind tatsächlich nur mit sich selbst beschäftigt und frönen der Selbstwahrnehmung ihrer Rolle zu Teddie der konkurrierende Widersacher Anwalt Terry Veenering Seite 21 „sie kreuzten nicht nur die Säbel, sie gingen mit Krummsäbeln aufeinander los“ …als späterer Nachbar in England, Seite 23: „ein Stück Regenrinne für die Morgenzeitung „..er hat mir das mit der Regenrinne nachgemacht“, sagte Old Filth, „er war noch nie besonders originell „ das „Schlitzohr“ Albert Ross alias Colerdige, Weggefährte chin. Herkunft ohne Eltern, Teddie lernt ihn bei seiner Überfahrt zurück nach Singapur kennen. Vom Uhrendieb zum Rechtsanwalt, bringt er Filth letztendlich nach Hongkong und begründet so dessen Reichtum. Seite 318 („er hat mich aufs Pferd gesetzt") Father Tansy, herrlich aus der Sichtweise des Alters: ..“Seite 183 „..kam ein Luftzug durch die Kirche…(..)..ein lockiger Junge kam den Gang heruntergehüpft. Er trug ein Kollar und Jeans….(…)..Sie möchten beichten?“…und er stellte sich vor, wie das Priesterbübchen innen drin den Kopf an die Seite lehnte.“.. Seite 325: „Father Tansy wartete mit leuchtenden Augen, wie ein Eichhörnchen.“ Ein Buch, das gefangen nimmt und eintauchen lässt, in die Suche nach Heimat, Geborgenheit und Zugehörigkeit, reich an Perspektivwechsel. Die Szenen so herrlich gestaltet, gemalt, dass sie wie ein Film vor dem geistigen Auge des Lesers ablaufen. Ob es bspw. Teddies Fahrkünste und die Reaktion anderer Verkehrsteilnehmer darauf sind, oder die Beurteilung Filth’s die „Anzugsordnung“ der jüngeren Generation betreffend😉. Als die berührendsten Stellen empfanden wir: Die Angst des Verlassenwerdens, die ihn nie mehr verläßt, siehe seinen Heiratsantrag „ Lass mich nie allein.“ Seite 92: …“eines Tages werde ich meinen letzten Willen für dich aufschreiben. Mit meinen ganzen persönlichen Wünschen.“ - „Hast du noch so viele“ - „Nicht viele. Ein Ende in Frieden, vielleicht.“ - „Und dass du mich nie verlässt, dachte er“. Seite 325: „Mein ganzes Leben lang, seit ich ein kleines Kind war, wurde ich verlassen oder im Stich gelassen, oder durch den Tod von den Menschen getrennt, die ich geliebt habe und denen ich wichtig war.“ Die Szene im Hotel, als er beim Frühstück den Nachruf auf seine Betty in der Zeitung sieht. Er „weinte still hinter den Händen , während er an diesem unbekannten Ort saß“, der einzige Verbliebene in dem großen Speisesaal. Erst jetzt realisiert er seinen Verlust, erlaubt sich, daran zu denken, weint immer weiter. Um ihn herum werden die Tische, auch sein Tisch vom Personal abgeräumt, das Tuch gewechselt. „Sie sagten kein Wort.“ Sie lassen ihn still bei sich. Immer wieder liegen Tragik und Komik kunstvoll so nah beieinander und rutschen dennoch nie in Slapstick ab. Seite 131“ Betty duldete keinen Unfug, wenn es um Blumen ging (…..). Sie predigte Blumen.“ Der Tod im Tulpenbeet mit ihren „Schandperlen“: „Filth hatte es nicht so mit den Blumen. Er fand sie nichtssagend, manchmal feindselig. Die Tulpen waren es, dachte er, die Betty erwischt haben.“ Sehr schönes Zitat: Seite 306: „Mein Gedächtnis war immer zuverlässig. Vielleicht zu zuverlässig,. Es hat mich nie verschont Erinnerung und Sehnsucht … ohne Erinnerung und Sehnsucht ist das Leben sinnlos.“ Mit einem Super- Twist am Ende schließt die Autorin den Roman, als Teddie nach Vergebung sucht. Fazit: Ein Meisterwerk an Erzählkunst Tragik-Komik, Ironie. Lesen und genießen!!
- Dörte Hansen: Zur See | Mysite
Dörte Hansen: Zur See Klappentext: Die Fähre braucht vom Festland eine Stunde auf die kleine Nordseeinsel, manchmal länger, je nach Wellengang. Hier lebt seit fast 300 Jahren die Familie Sander. Drei Kinder hat Hanne großgezogen, ihr Mann hat die Familie und die Seefahrt aufgegeben. Nun hat ihr Ältester sein Kapitänspatent verloren, ist gequält von Ahnungen und Flutstatistiken und wartet auf den schwersten aller Stürme. Tochter Eske, die im Seniorenheim Seeleute und Witwen pflegt, fürchtet die Touristenströme mehr als das Wasser, weil mit ihnen die Inselkultur längst zur Folklore verkommt. Nur Henrik, der Jüngste, ist mit sich im Reinen. Er ist der erste Mann in der Familie, den es nie auf ein Schiff gezogen hat, nur immer an den Strand, wo er Treibgut sammelt. Im Laufe eines Jahres ändert sich das Leben der Familie Sander von Grund auf, erst kaum spürbar, dann mit voller Wucht. zur Autorin: Dörte Hansen, geboren 1964 in Husum... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Gegenwartsliteratur Verlag: Penguin Verlag erschienen: 2022 Seitenzahl: 253 unsere Lesekreis-Erfarungen: Erzählt werden die Lebensläufe mehrerer Inselbewohner, insbesondere der Familie Sanders. Es geht um das, was uns letztendlich prägt, sei es die Landschaft, die Umgebung in der wir aufwachsen, oder die Geschichte unserer Eltern, Großeltern und Vorfahren. Unsere Identität, unsere Wurzeln und um den Wandel und die Veränderung, die der Tourismus mit der Kultur der Menschen macht. Personenkonstellationen: Die Sanders: Eltern Hanne und Jens: Seite 186: „Zwei Sprösslinge aus altem Inseladel, füreinander wie gemacht.“ Jens Sanders Vorfahren waren Walfänger, auch er ist zur See gefahren, bevor er dann 20 Jahre Vogelwart auf der Insel wurde, isoliert, nur er und die Vögel. Hanne hat ihr eigenes „autonomes Feld“, sie stellt sich den Realitäten des Wandels, beginnt mit Touristenvermietungen. Außerdem engagiert sie sich für das „Heimatmuseum“. Ryckmer, der älteste Sohn - hat traumatisierte Erlebnisse zur See (er sah die weiße Wand der Nordsee) und hat deshalb eine Negativ-Karriere vom Kapitän zum Fährmann erreicht. Er ist Trinker und spielt nun den Seebären für die Touristen. Ryckmer hat die Rolle des Erzählers und „Bewahrers“ der Traditionen, Geschichten und Balladen. Seite 16: „Auf allen Inseln gibt es einen, der die Sagen kennt, die alten und die neuen Mythen.“ Tochter Eske, ist studierte Sprachforscherin, hat promoviert, arbeitet jetzt auf der Insel als Altenpflegerin. Sie ist die „Rebellin“ in der Familie, bezieht besonders Front gegen ihre Mutter, deren Unternehmen, Treiben sie verachtet. Sie hat eine Beziehung zu Freya, die Tätowiererin ist. Henrik Sander, das jüngste Kind ist Künstler, Treibgut-Sammler, der einzige Sander, den es nie auf ein Schiff gezogen hat. Er feiert im Buch gerade seinen 30. Geburtstag. Sommers wie winters ist er barfuß, lehnt Schuhe ab. Wir vermuten, dass er sich vielleicht so mit der Erde verbunden fühlt, geerdet. Inselbewohner: Fleming Jespersen, ein Däne, der die Sprache der Inselbewohner „analysieren“ will. Er ist die Vertrauensperson, dem Ryckmer vom Missbrauch als Kind durch einen Touristen erzählt. Der „schöne“ Pastor Lehmann, hegt Zweifel an seiner Berufung, ist desillusioniert, hat eine Beziehungskrise mit seiner Frau. Er joggt über die Insel, denn: Seite 26 ..“ein schlendernder Pastor ist leichte Beute für all die Einsamen und Angeknickten, chronisch Kranken …(..)… Henri Brix „ist froh, dass er nicht mehr zur See muss, wie die Väter,“ fährt dafür die Touristen mit der Kutsche über die Insel. Wie hat es uns gefallen? Wir sind begeistert von der Art der Sprache und ihrer Poesie. Wir können in diesem Fall keinen absoluten Sympathieträger in der Geschichte küren, weil für alle Verständnis und Zuneigung besteht. Obwohl die Dialoge fehlen, klingen die Stimmen der Akteure, wie auch ihre Gedanken, im Kopf. Die Szenen wirken emotional sehr nach. Der Ton ist abgeklärt, gewollt trocken und nüchtern, manche Satzteile, um die Wirkung zu untermauern, auch redundant. Was hat uns gefallen? Herrlich spezielle Wortschöpfungen in ihrer Ironie bereiten uns besonderes Vergnügen: Pastor Lehmanns Kurzandacht zur Mittagszeit „Seelensnacks im Inselkirchlein“ Seite 24 „Kurztripper nennt Eske diese Feiertagstouristen“.. Seite 181 „fifty shades of beige“ Seite 121, gemeint sind Birte Diecks Strickjacken, die, Seite 130 „die Farbe von verdorrtem Gras haben“. Die Ergebung des Pfarrers, Seite 130: „Zeit für das Schlichtkleid, Pastor Lehmann“ Seite 81: Hanne über Henrik „und heute sammeln Kunstversteher seine Treibholzwerke“. Besonders berührt hat uns: Das Stranden des Pottwals und dessen Tod, das „Jahrmarktsspektakel“, das es auslöst, auch in den Gefühlen Jens Sanders. Seite 155 „und jede Nacht, bevor er schläft, sieht er das Auge dieses jungen Wals vor sich, der sterben musste, weil er sich verschwommen hatte.“ Besonders obsessiv erscheint, als Henrik im Blut des Wals beim Zerteilen steht. Seite 145: „Neben ihnen steht der Mann der heute Morgen barfuß kam, jetzt ragt nur noch sein Oberkörper aus der dunkelroten Masse.“ Wir denken an die Mythologie von Moby Dick/ Kapitän Ahab. Wir sprachen über: Es bilden sich bildende Parallelgesellschaften auf der Insel: Insulaner und Touristen. Wir fragen uns, ob der Brecher der Intimsphäre der Inselbewohner der Tourist ist. Seite 183: „Die Insel schien, wenn die Saison begann, auf einmal zu vibrieren…(…). Die Kinder zogen in die Sommerkammern, und die Mütter standen unter Strom“. Henri Brix, S.190: „Auf jeder Fahrt gibt es die Räsonierer und Blasierten, für die ein Mensch auf dem Kutschbock ein Idiot ist, oder ein Lakai. Und einen pensionierten Besserwisser, der einem unbedingt den Tidenhub erklären muss…..(…) Man zahlt ein Seelengeld für dieses Leben.“ Die Rolle der Inselfrauen, einsam, wartend, stark, und ihre Energie, Organisationstalent. Lieblingszitate: Geschickt verwebt Dörte Hansen ein altes Seemannlied mit der Situation von Vater Jens und Sohn Ryckmer: Die Bedeutung verändert, von der "Stimmungsmache" zur Melancholie „What shall we do with the drunken Sailor.“. Jens über seinen Sohn Ryckmer Seite 154: „Er ist wohl kaum der Mann, der seinem Sohne mit guten Ratschlägen zu kommen braucht.“ Poesie pur: Seite 23:„Man muss, wenn man auf einer Insel lebt die Tagesränder suchen. Die Dämmerzeiten..“ Seite 173: „der Quittenbaum in ihrem Garten blüht in diesem Jahr für zwei. Die Krone ist wie eingeschäumt, in seinen Zweigen summen die Insekten." Seite 179: „Heute früh war es fast sechs, als sie auf ihren Wecker sah. Die Amseln lasen ihr schon die Leviten“. Fazit: Ein schönes Buch! Auch das Cover gelungen, stellt man das Buch auf den Kopf, befinden sich an der Flute des Wals Marionettenfäden, nämlich die Leinen des stürzenden Seemanns zum Walfang😉 Zum Abschluss Dörte Hansens Kontext zum Seemanns-Symbol, auch für Tattoos: Glaube Liebe Hoffnung – Der Glaube ist ein krankes Kind, die Liebe ist ein Biest, die Hoffnung ist nicht klein zu kriegen!!
- Kamila Shamsie: Hausbrand | Mysite
Klappentext: Kamila Shamsie: Hausbrand Aus dem Englischen von Nikolaus Hansen. Es ist kein Zufall, dass man Isma am Londoner Flughafen derart in die Mangel nimmt. Schon ihr Vater war ein Dschihadist, und nun hat sich ihr kleiner Bruder dem IS angeschlossen. Der ultimative Verrat, denn ihn und seine Zwillingssschwester Aneeka hat Isma großgezogen. Nach dem frühen Tod beider Eltern hatte sie ihr Studium abgebrochen, um für die jüngeren Geschwister die Mutterrolle zu übernehmen. Als die Zwillinge auf eigenen Füßen stehen können, bekommt Isma in den USA ein Stipendium und könnte dort weiterstudieren. Und das Wunder geschieht - sie darf einreisen. Dort angekommen freundet sie sich mit Eamonn an, einem jungen Engländer, der wie sie pakistanische Wurzeln hat, aber aus priviligierten Verhältnissen stammt. Als ihr kleiner Bruder dem IS den Rücken kehren will, könnte Eamonns einflussreicher Vater - er ist der Innenminister Großbritanniens - helfen. Doch der ist ein Hardliner, wenn es um die 'Sicherheit' der Engländer geht. zur Autorin: Kamila Shamsie, 1973 ... Wikipedia zum Buch: Genre: Fiktion, zeitgen. Romantik Verlag: Piper Verlag erschienen: 2018 Übersetzung von: Hansen, Nikolaus Seitenzahl: 253 unsere Lesekreis-Erfahrungen
- Lesekreis-Erfahrungen Verzauberter Apri | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Verzauberter April - Elizabeth von Arnim Der Roman erzählt von vier englischen Frauen, die dem trüben Londoner Alltag entfliehen und gemeinsam einen Frühlingsmonat in einem italienischen Castello verbringen. Die Handlung spielt in den 1920er Jahren und folgt den Protagonistinnen: der schüchternen Lotty Wilkins, rothaarig, (nach Ansicht Mrs. Fishers zu direkt - die Wandlung von schüchtern zu direkt geschieht mit dem Betreten des Palais) der frommen Rose Arbuthnot, (Die, lt. Mrs. Fisher, mit der anständigen Frisur und der sanften Stimme) dunkeläugig, der verehrten Lady Caroline wunderschön, anmutig, 28 Jahre, unverheiratet, und eben der missmutigen Mrs. Fisher habsüchtig, egoistisch, spröde (ist 65 geht am Stock, seit 11 Jahren verwitwet immer noch Schwarz tragend). Vier Frauen, die sich zunächst kaum kennen, aber durch die Anzeige eines zu vermietenden Castellos in den sonnenverwöhnten Hügeln Italiens mit seinem mediterranen Flair zusammengeführt werden. Angezogen von dem gemeinsamen Wunsch nach Sinnstiftung, seien es vernachlässigte Ehen, gesellschaftlicher Druck oder Einsamkeit, begeben sie sich auf ihr Abenteuer. In und um das Castello paradiesische Zustände, üppige Landschaft, die vor Farben und Leben strotzt, und die den Protagonistinnen neues Selbstbewusstsein und Perspektiven der in der Selbstreflexion erfahren lässt. Im Laufe der Tage entdecken die Frauen, dass das Castello nicht nur ein Zufluchtsort vor ihren Problemen , sondern auch ein Ort der Heilung und Erneuerung ist. Die Ehefrauen erleben eine Renaissance der Wertschätzung und Anerkennung ihrer Männer. Am Ende wurde das Castello zu einem Heiligtum der Transformation 😉 Wie hat es uns gefallen: Es ist ein Märchen, anrührend und modern, trotzdem voller Frauenpower. Einfach erfrischend erquicklich, ob der ständig präsenten Problematik der Weltlage, sei es gesellschaftlich, politisch, oder klimatisch. Ein kleiner Auszug aus dem Feuerwerk der Naturbeschreibungen: Seite 87: „Die Glyzinen überschlugen sich in exzessiver Lebenslust, Blütenüppigkeit,; und da, wo die Pergola aufhörte, strahlte die Sonne auf scharlachrote Geranien, wahre Büsche und Unmengen von Kapuzinerkresse und leuchtenden Ringelblumen, die zu brennen schienen, auf rote und rosafarbene Löwenmäulchen, und jede Pflanze übertraf die andere an Leuchtkraft der Farbe.“ Was hat uns gefallen: Der "triviale Schmelz" wird immer wieder sehr geschickt ironisch gebrochen, die Autorin schrieb verschmitzt. Seite 199: „ (..)aber es war seltsam, es nach über fünfzig Jahren wieder zu verspüren. Sie hätte gern mit jemanden darüber gesprochen, aber sie schämte sich. Ein unsinniges Gefühl in ihrem Alter. Doch immer häufiger und mit jedem Tag stärker hatte Mrs. Fisher das lächerliche Gefühl, als würde sie bald knospen. ..“ Trotz Ihrer mürrischen Art verspürt Lotti Mitgefühl für Mrs. Fisher. Die anderen Damen haben Vorbehalte und Respekt, besonders vor ihrer scharfen Zunge und kritischen Art. Daher wirkt der gewaltlose Widerstand von Lotti gegenüber ihr, besonders geschickt. Die Wirkung von Schönheit, in diesem Fall die füllige Landschaft mit all ihren Sinneseindrücken, das geteilte ästhetische Erleben, verbindet die Menschen und schafft Gemeinsamkeit, ein Gefühl der Verbundenheit. Kritisiert wurde: dass die Ehemänner diese Idylle (gewünscht/gewollt) der Frauenrunde unterbrechen, sie werden recht karikiert ((bestimmt gewollt, aber ein wenig too much) dargestellt, die "Verwandlung" von Lotti, für unseren Geschmack etwas zu schnell vorangetrieben wird. Vergleiche mit: Sturmhöhe von Emily Bronte Zimmer mit Aussicht von E.M. Forster Der Geheime Garten von Frances Hodgson Burnett Fazit: Wir würden es empfehlen und verschenken, der Roman hat mit großer Leichtigkeit auch Tiefgang in den Fragen zur Selbstverwirklichung und weiblichen Rollenbildern der damaligen Zeit, einfach zum "Abtauchen"
- Daniel Glattauer: Die spürst du nicht | Mysite
Daniel Glattauer: Die spürst du nicht Klappentext: Die Binders und die Strobl-Marineks gönnen sich einen exklusiven Urlaub in der Toskana. Tochter Sophie Luise, 14, durfte gegen die Langeweile ihre Schulfreundin Aayana mitnehmen, ein Flüchtlingskind aus Somalia. Kaum hat man sich mit Prosecco und Antipasti in Ferienlaune gechillt, kommt es zur Katastrophe. Was ist ein Menschenleben wert? zum Autor: Daniel Glattauer, geboren 1960 in Wien,... Wikipedia zum Buch: zu unseren Lesekreiserfahrungen: Genre: Gegenwartsliteratur, Drama, Fiktion Verlag: Paul Zsolnay erschienen: 2023 Seitenzahl: 303
- Lesekreis-Erfahrungen Umlaufbahnen | Mysite
Lese-Erfahrungen in unserem Lesekreis: Umlaufbahnen von Samantha Harvey Der Klappentext des Romans ist die Handlung, der Plot. Beschrieben wird ein Erden-Tag an Bord des Raumschiffs, mit einer multinationalen Raumfahrer Crew. 400 Kilometer über der Erde umkreisen sie diese, mit 16 Sonnenauf-, und 16 -untergängen. Die Crew besteht aus sechs Menschen, zwei Frauen, Nell und Chie, Nell ist Engländerin und Chie Japanerin. Die 4 Männer sind zwei russische Kosmonauten, Anton und Roman, ein Italiener Pietro, und ein US-Amerikaner. …und für Forschungszwecke sind 40 Mäuse „Der gesamte Globus ist unter ihnen vorbeigerollt und wird weiter vorbeirollen.“ Der Tag ist bestimmt von der Routine der Aufgaben, wie Untersuchungen und Dokumentationen für ihren Forschungsbereich: Mikrobiologische Forschung / Gesundheitsüberwachung; biologische Experimente zu Pflanzen- und Tierentwicklung in Schwerelosigkeit. Wie hat es uns gefallen: Als Roter Faden des Romans wird der Taifun angesehen, der sich über den Westpazifik Richtung Indonesien und die Philippinen schiebt.. „Ein dramenloses Buch“, die Kosmonauten sind lediglich Beobachter, verstehen sich als „Frühwarnsysteme“, schicken ihre Fotos. „Sie haben keine Macht über den Sturm- sie haben nur ihre Kameras und das Privileg eines besorgten ersten Blicks auf seine sich zusammenbrauende Pracht.“ Die Poesie der Sprache und die Liebe zur Erde klingt immer wieder an: „Erde – Ihre Schönheit hallt wider – ihre Schönheit ist ihr Widerhall, ihre klingende singende Leichtigkeit (….) Sie ist aus Stein, wirkt von hier aus aber, als wäre sie aus Licht und Äther erschaffen“. „Gedanken über die Fragilität der Erde, eine Mutter, die auf die Rückkehr ihrer Kinder wartet, voller Geschichten und Verzückung und Sehnsucht." Die farbensatte Darstellung des Blicks aus dem All ist sehr beeindruckend: „Und dann dieser erste verblüffende Anblick der Erde, ein großer Brocken Turmalin, nein eine Zuckermelone, ein Auge, eine lila weiß magenta orange.mandel.mauve-farbende zerbeulte reliefreiche Pracht. „ Teilweise wurde das Buch nicht nur als ruhig, sondern auch als beruhigend, kontemplativ und meditativ wahrgenommen. Gleichzeitig wurden die Gespräche der Kosmonauten von einigen als zu oberflächlich und wenig sinnstiftend bewertet, die Einschätzungen waren unterschiedlich. Dieser Eindruck steht vermutlich im Zusammenhang mit den besonderen Lebensbedingungen im All. Enge und Gleichförmigkeit prägen den Alltag, Rückzugsräume existieren kaum, und nahezu alles geschieht unter den Augen der anderen. Entsprechend zurückgenommen wirken die Emotionen der Raumfahrer. Die Kommunikation kreist daher häufig um die Banalitäten des Alltags – etwa um kulturell geprägte Ernährungspräferenzen oder die Aufrechterhaltung der körperlichen Fitness durch Training. So beispielsweise auch die Fürsorge um die seelische Balance der Crew : S. 121: „Für das Gleichgewicht ist es besser, nicht die Nachrichten zu verfolgen“. Sie befinden sich im Spannungsfeld zwischen Isolation und Verbundenheit : Seite 7: „ So einsam sind sie in ihrem um die Erde kreisenden Raumschiff, und gleichzeitig einander so nah, dass ihre Gedanken, ihre individuellen Mythologien zusammenfinden“ die Erfahrung von Einsamkeit und Nähe zugleich. „Die Astronauten kreisen endlos im All, von Erde und der Menschheit getrennt. Alles scheint aus der kosmischen Distanz bedeutungslos.“ Was hat uns gestört: Die detaillierte Aufzählung der überflogenen Orte wirkte teilweise sehr umfangreich und erinnerte stellenweise an eine kleine Geografie Stunde. Was hat uns besonders berührt: Die Zurückhaltung und Kontrolle der Emotionen in diesem „Mini-Universum“. Chie, die die Nachricht vom Tod ihrer Mutter während der Mission erhält. Pietro, der sich um den Taifun sorgt, da er mit einem philippinischen Fischer und seiner Familie befreundet ist. „Unsere Leben hier sind unbeschreiblich banal und bedeutsam zugleich. Monoton und gleichzeitig noch nie dagewesen. Wir sind wichtig und völlig unwichtig“ Die Perspektiven: S. 123:“ Aus ihrer Perspektive ist der Einfluss der Politik so offensichtlich, (…….) Langsam erkennen sie die Politik des Hungers, …..des Wachstum und Erwerbs….. (….) Der Planet ist von der schier unglaublichen Kraft des menschlichen Verlangens geformt, die alles verändert hat : Die Wälder, die Pole, die Wasserspeicher, die Gletscher die Flüsse die Meere die Berge, die Küstenlinien, die Himmel, (…..).“ „“Willkommen im Spiegellabyrinth des menschlichen Lebens.“ Angeregt durch die Frage, um wen es auf der Postkarte von Velázquez’ Las Meninas, die Pietro bei sich trägt, eigentlich geht und wer hier wen betrachtet, entscheidet sich Pietro für den Hund. …. „Ein Tier, umgeben von der Wunderlichkeit der Menschen(….)..mit ihren Posen, seltsamen Manschetten und Rüschen, den Spiegeln. (…) all die Wege die sie finden keine Tiere zu sein“(….) gefangen in einem Netz aus Eitelkeiten“. Philosophie der Evolution, in der wir glauben, wir sind die großartigen geniale Wesen. 😉 Gespräch Shaun / Pietro: S. 172 „Shaun: in dieser neuen Ära der Raumfahrt, wie schreiben wir die Zukunft der Menschheit? Die Zukunft der Menschheit? fragt Pietro. Jep. Wie schreiben wir sie? Mit dem vergoldeten Füller von Milliardären würde ich sagen. „ S.175: „Mehr steckt nicht hinter dem großen menschlichen Streben, den Weltraum zu erkunden, denkt er. Tiere, die auf der Suche nach neuem Lebensraum auf Wanderung gehen.“(……)„Vielleicht sind wir die neuen Dinosaurier und müssen uns in Acht nehmen.“ - nur schön: S.174: „wie schreiben wir die Zukunft der Menschheit? Wir schreiben gar nichts, sie schreibt uns. Wir sind vom Wind aufgewirbeltes Laub. Wir denken, wir wären der Wind, aber wir sind nur die Blätter“. Fazit: Als Protagonistin wurde von uns die Erde „gekürt“. ;-) In fast jedem Satz spürt man die Verbundenheit und Empathie der Autorin mit der Erde.
- John Boyne: Die Geschichte der Einsamkei | Mysite
John Boyne: Die Geschichte der Einsamkeit Klappentext: Odran Yates kommt 1972 an das renommierte Dubliner "Clonliffe Seminary", um Priester zu werden. Voller Hingabe widmet er sich seinen Studien. Er kann es kaum erwarten, endlich Gutes zu tun.Vierzig Jahre später ist sein Vertrauen in die katholische Kirche zutiefst erschüttert. Waren Priester jahrzehntelang unanfechtbare Respektspersonen, die von der irischen Bevölkerung verehrt wurden, schlägt ihnen jetzt nur noch Verachtung entgegen. Odran muss dabei zusehen, wie alte Freunde zu Recht vor Gericht stehen, wie einstige Würdenträger verurteilt werden und ins Gefängnis kommen. Odran ist erschüttert, und zieht sich zurück - aus Angst vor den missbilligenden Blicken seiner Umwelt. Erst als bei einem unverhofften Wiedersehen alte Wunden aufgerissen werden, sieht er sich gezwungen, sich den Ereignissen zu stellen und seine Komplizenschaft zu erkennen. Edit zum Autor: John Boyne, geboren 30.April 1971 in Dublin, Irland ist ein irischer Schriftsteller. Er veröffentlichte bisher... Quelle: Wikipedia . bitte hier klicken! unsere Lesekreis-Erfahrungen Der Roman beginnt mit dem Rückblick Pater Odran Yates im Jahr 2001, ernüchtert ob seines Wissens um die Entwicklung der Katholischen Kirche in Irland. Wie hat es uns gefallen Eine bewegende Geschichte, die uns so gefesselt hat, dass wir reihum fast nicht in der Lage waren, das Buch aus der Hand zu legen. Was hat uns gefallen Das Buch ist klug erzählt, ohne jedes Moralpathos und emotional sehr intensiv. Es prangert nicht an. Welche Figuren, Charaktere stehen uns am nächsten In diesem Werk gibt es keine Identifikationsfigur. Protagonist ist der Ich- Erzähler Odran, sein Lebensweg zum Priester, dessen Berufung seine Mutter erkannt haben will. Er ist ein Meister des Verdrängens, ignorant und wenig empathisch kultiviert er seine Naivität. Am meisten berührt hat uns wie schon im im Buchtitel : Die Einsamkeit – des Erzählers Odran, der Opfer, im stillen Leid Wo beginnt die Schuld? Es stellt sich die Frage: Wie wird man so emotionslos, voll blind(em) Gehorsams, richtet sich eine Nische der Unschuld ein – Das tragische Resümee des Zerfalls des Glaubens, respektive des Ansehens, der Stellung seiner Seelsorger früher und heute, explizit in diesem Fall 1972 – 2001 Zitat Odran: „Auf dem Weg nach Hause, wo mich mein leeres Bett erwartete, ahnte ich mit einem Mal, dass es die Welt, die mir vertraut war und an die ich ein Leben lang geglaubt hatte, bald nicht mehr geben würde. Die alte Welt lag im Sterben, und die neue war noch nicht geboren.“ Wir sprachen über: Die Rolle der Religion(en) früher und heute Abhängigkeit zur Kirche durch Kriegstraumen festhalten am Glauben Sinn des Lebens Vakuum füllen Das umstrittene Frauenbild in der kathol. Kirche Magdalenen-Heime in Irland https://de.wikipedia.org/wiki/Magdalenenheim Die Parallelwelt Kurie: Eigene Gerichte Hochschulen Vatikan Arbeitsamt Vatikan Bank Rundfunkstationen Druckerei Schweizer Garde Vergleich, Anregung Buch-Tipp zum Weiterlesen: David Yallop: "Im Namen Gottes? Der mysteriöse Tod des 33-Tage-Pabstes Johanes Paul I" Fazit Ein hochbrisantes Thema, anspruchsvoll, Einhellig: unbedingt lesen!!!
- Claire Fuller: Ene englische Ehe | Mysite
Claire Fuller: Eine englische Ehe Klappentext: Eigentlich hatte sie andere Pläne. Ein selbstbestimmtes Leben, Reisen, vielleicht eine Karriere als Schriftstellerin. Doch als sich Ingrid in ihren Literaturprofessor Gil Coleman verliebt und von ihm schwanger wird, wirft sie für ihn all dies über Bord. Gil liebt seine junge Frau, und dennoch betrügt er sie, lässt sie viel zu oft mit den Kindern allein. In ihren schlaflosen Nächten beginnt sie, Gil heimlich Briefe zu schreiben. Statt ihm ihre innersten Gedanken anzuvertrauen, steckt sie ihre Briefe in die Bücher seiner Bibliothek und verschwindet schließlich auf rätselhafte Weise. Zwölf Jahre später glaubt Gil, seine Frau in dem kleinen Ort an der englischen Küste wieder gesehen zu haben - und ihre gemeinsame Tochter Flora, hin und her gerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung, beginnt nach Antworten zu suchen, ohne zu ahnen, dass sie nur die Bücher ihres Vaters aufschlagen müsste, um sie zu erhalten ... zu unserer Lesekreis-Erfahrung zur Autorin: Claire Fuller 1967 geboren ist eine englische Autorin.... Quelle Wikipedia . bitte hier klicken! zum Buch: Genre: Roman | Krimi Übersetzung aus dem Englischen: Susanne Hoebel erschienen im: Piper Verlag herausgegeben: 2017 Seitenzahl: 368 Das Romangerüst im Klappentext: 2004 vermeint der gealterte Gil seine seit 12 Jahren verschwundene Frau aus dem Fenster auf der Straße zu erkennen und hat dadurch einen Unfall. Anlässlich diesem tritt die verbleibende Familie bestehend aus seinen beiden Töchtern Flora und Nan wieder zusammen. Die Geschichte hat 2 Erzählebenen: Die Haupt-Story rollt sich 1976 mit Gil als attraktiven Literaturprofessor, ein „anerkannter“ Frauenheld und der sehr jungen, ihn bewundernden, schwärmerischen Ingrid, als seine lern- und wissbegierige Studentin, die sich ineinander verlieben, auf. Es kommt zu einer ungewollten Schwangerschaft und schließlich Heirat. Aufgrund der Statuten der Universität darf Ingrid nicht weiter studieren, und ihren Abschluss machen, Gil kostet es die Anstellung. Ingrids Ambitionen, als unabhängige, und selbstbestimmte, weltoffene Frau, enden im Mutterdasein, Heimchen am Herd, Betrug und Geldsorgen. Eine innere Verbundenheit durch die Geburt und Blutsverwandtschaft Nan’s stellt sich bei ihr nicht ein, was sie irritiert und besorgt.. In der Gegenwart: zum Zeitpunkt des Unfall Gil‘s und danach, geht es um die beiden Töchter, traumatisiert durch das nie aufgeklärte Verschwinden ihrer Mutter und den Verlust. Nan macht sich Vorwürfe, am Verschwinden ihrer Mutter schuld zu sein, da sie sich am Tag ihres Fortgehens versteckt hatte, und diese so in ihren Augen einfach gehen ließ. Sie vertrat die Mutterrolle an ihrer 10-jährigen Schwester mit 15.. Flora, die jüngere Tochter, ist immer noch davon überzeugt, dass die Mutter noch lebt. Der Roman ist intensiv, nicht geschönt geschrieben, einzuordnen zwischen Drama und Krimi. Wie hat es uns gefallen: Die Erzählform gibt einen interessanten Bezug zur Literatur: Gil ist begeisterter Sammler von Büchern aller Art, insbesondere welchen mit Randnotizen, fast schon messie-haft. Ingrid, die ihre Briefe Gil nicht aushändigt, versteckt sie in seinen Büchern mit der passenden Thematik. Sie werden chronologisch erzählt, klingen zunehmend bitterer, von Enttäuschung und Verzweiflung geprägt. Sie fangen im Sommer 1993 an, als er Ingrid verlassen hat, um in London zu leben. Sympathieträger für unsere Gruppe ist Richard, der Freund Floras, der Kunst studiert und versucht ausgleichend zu wirken, den „Mädels“ gegenüber, sowie Gil. Das Buch bietet viele Interpretations- Spielräume: Verbrennung der Bücher Eitelkeit? Prolog „bei Eintritt seines Todes seine Bücher auf einem einzigen großen Haufen zu verbrennen(…) ein Leuchtfeuer, das seinen Tod verkündete…" Oder dem Wunsch Ingrids folgend?, Seite 339 „..du musst (Briefe) sie zerstören, zerreißen, wegwerfen, verbrennen. Lass sie nicht den Mädchen in die Hände fallen…" Bereut Gil sein Verhalten? S. 209: „Es lohnt sich nicht“ sagte Gil. „Was lohnt sich nicht? „Jemanden unglücklich zu machen, den man liebt.“ Lebt Ingrid doch noch? Erscheinung im Epilog.. Stimmung im Werk: .. ist geprägt von der Melancholie. Ingrids Einsamkeit, Entrüstung, Enttäuschung, Vernachlässigung, das Bewusstsein geplatzter Lebensträume. „Was ich liebe: wie wir damals waren und wie (was) wir hätten werden können“ Seite 71: "…will nicht mehr die Augen vor der Wahrheit verschließen, hier, in den Briefen stehen die nackten Tatsachen.“ Es steht im extremen Kontrast zu Gils Unbekümmertheit, Arroganz, Hahnenverhalten, Verantwortungslosigkeit. Gespräch Jonathan/Gil Seite 202: „…“dass barfuß herumzulaufen und schwanger zu sein das ist, was Ingrid will. Ich dachte, sie wollte mehr“ „Ich habe sie gerettet“, sagtest du ohne eine Spur von Ironie. „Wovor um alles in der Welt?“ „Vor einem traurigen und einsamen Leben“ - Brief in Gierig, von Martin Amis Besonders hat uns berührt: das Zitat Seite 241 „Der Garten und das Schwimmen waren meine Ablenkung von den Geldsorgen und den endlosen Aufgaben als Mutter. Das Wasser tat dem gut, was in mir vorging. (….) Diese Morgen hatten etwas Magisches. Ich stellte mir das Baby in seinem Fruchtwasser vor, während ich in meinem Wasser war, jeder in seinem Element.“ Die bewegende Schilderung der Fehlgeburt Ingrids, das Baby, das zu früh auf die Welt kam und es nicht geschafft hat : Seite 247 „unser kleiner George, kalt und allein. Ein kleiner Fisch, der zu früh aus seinem kleinen Meer geschwommen ist.“ Zeitgeist: Seite 160: Ingrid / Dekan der Universität: „Aber nächste Woche fangen meine Abschlussprüfungen an“ „Gehen sie nach Hause und kümmern sie sich um ihren Mann und ihr Baby.“ und das war das Ende meines Studiums, eine Woche bevor ich es ohnehin abgeschlossen hätte.“ Brief in „Ratschläge an eine Ehefrau zur Erhaltung ihrer Gesundheit und Behandlung …Pye Henry Chavasse, 1913 Gestört hat uns: Die Übersetzung des Titels scheint uns misslungen. „swimming lessons“ passte wunderbar zu der Erzählung. Welchen Kontext „eine englische Ehe“ haben soll, haben Engländer*innen nicht verdient. Die skurrilen Skelettszenen 😉, das Flora Richard mit Edding auf den Körper malt, Annie, das Skelett als Gast fanden keinen Anklang, Floras ständiges Tragen des alten Ballkleides von Ingrid wurde als übertrieben empfunden. Zum Buch Cover: Das Buch Cover ist außergewöhnlich künstlerisch und dem Romaninhalt angepasst. Ingrids Hobby, eher Passion, ist das Schwimmen. Ihre einzige Möglichkeit sich frei zu fühlen, einig mit sich selbst zu sein. Auch die Flucht ist in ihrem Element arrangiert. Die Wellen des Wassers, die die blonden Haarsträhnen aufnehmen.. Bei diesem Buch möchte ich schließen mit für mich besonders bemerkenswerten Zitaten Gils über Autoren, Bücher und ihre Leser 😉! Seite 36 „alle Bücher werden durch den Leser geschaffen ..(..) wenn ihr das nicht versteht, welche Bedeutung das für eure eigene Arbeit hat, dann wisst ihr nicht das geringste über das schreiben und ihr werdet auch nie..“ Seite 45 „zeigen, dass wir alle etwas anderes aus einem Buch mitnehmen“ Seite 137 „Gibt es keine Leser, haben all die Bücher keinen Sinn „deshalb sind die Bücher genauso wichtig wie der Autor, wenn nicht wichtiger „ . unsere Lesekreiserfahrungen: