Umlaufbahnen von Samantha Harvey
Der Klappentext des Romans ist die Handlung, der Plot. Beschrieben wird ein Erden-Tag an Bord des Raumschiffs, mit einer multinationalen Raumfahrer Crew. 400 Kilometer über der Erde umkreisen sie diese, mit 16 Sonnenauf-, und 16 -untergängen.
Die Crew besteht aus sechs Menschen, zwei Frauen, Nell und Chie, Nell ist Engländerin und Chie Japanerin. Die 4 Männer sind zwei russische Kosmonauten, Anton und Roman, ein Italiener Pietro, und ein US-Amerikaner. …und für Forschungszwecke sind 40 Mäuse
„Der gesamte Globus ist unter ihnen vorbeigerollt und wird weiter vorbeirollen.“
Der Tag ist bestimmt von der Routine der Aufgaben, wie Untersuchungen und Dokumentationen für ihren Forschungsbereich: Mikrobiologische Forschung / Gesundheitsüberwachung; biologische Experimente zu Pflanzen- und Tierentwicklung in Schwerelosigkeit.
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Wie hat es uns gefallen:
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Als Roter Faden des Romans wird der Taifun angesehen, der sich über den Westpazifik Richtung Indonesien und die Philippinen schiebt.. „Ein dramenloses Buch“, die Kosmonauten sind lediglich Beobachter, verstehen sich als „Frühwarnsysteme“, schicken ihre Fotos. „Sie haben keine Macht über den Sturm- sie haben nur ihre Kameras und das Privileg eines besorgten ersten Blicks auf seine sich zusammenbrauende Pracht.“
Die Poesie der Sprache und die Liebe zur Erde klingt immer wieder an:
„Erde – Ihre Schönheit hallt wider – ihre Schönheit ist ihr Widerhall, ihre klingende singende Leichtigkeit (….) Sie ist aus Stein, wirkt von hier aus aber, als wäre sie aus Licht und Äther erschaffen“.
„Gedanken über die Fragilität der Erde, eine Mutter, die auf die Rückkehr ihrer Kinder wartet, voller Geschichten und Verzückung und Sehnsucht."
Die farbensatte Darstellung des Blicks aus dem All ist sehr beeindruckend: „Und dann dieser erste verblüffende Anblick der Erde, ein großer Brocken Turmalin, nein eine Zuckermelone, ein Auge, eine lila weiß magenta orange.mandel.mauve-farbende zerbeulte reliefreiche Pracht. „
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Teilweise wurde das Buch nicht nur als ruhig, sondern auch als beruhigend, kontemplativ und meditativ wahrgenommen. Gleichzeitig wurden die Gespräche der Kosmonauten von einigen als zu oberflächlich und wenig sinnstiftend bewertet, die Einschätzungen waren unterschiedlich.
Dieser Eindruck steht vermutlich im Zusammenhang mit den besonderen Lebensbedingungen im All. Enge und Gleichförmigkeit prägen den Alltag, Rückzugsräume existieren kaum, und nahezu alles geschieht unter den Augen der anderen. Entsprechend zurückgenommen wirken die Emotionen der Raumfahrer. Die Kommunikation kreist daher häufig um die Banalitäten des Alltags – etwa um kulturell geprägte Ernährungspräferenzen oder die Aufrechterhaltung der körperlichen Fitness durch Training.
So beispielsweise auch die Fürsorge um die seelische Balance der Crew : S. 121: „Für das Gleichgewicht ist es besser, nicht die Nachrichten zu verfolgen“.
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Sie befinden sich im Spannungsfeld zwischen Isolation und Verbundenheit: Seite 7: „ So einsam sind sie in ihrem um die Erde kreisenden Raumschiff, und gleichzeitig einander so nah, dass ihre Gedanken, ihre individuellen Mythologien zusammenfinden“
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die Erfahrung von Einsamkeit und Nähe zugleich. „Die Astronauten kreisen endlos im All, von Erde und der Menschheit getrennt. Alles scheint aus der kosmischen Distanz bedeutungslos.“
Was hat uns gestört:
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Die detaillierte Aufzählung der überflogenen Orte wirkte teilweise sehr umfangreich und erinnerte stellenweise an eine kleine Geografie Stunde.
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Was hat uns besonders berührt:
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Die Zurückhaltung und Kontrolle der Emotionen in diesem „Mini-Universum“. Chie, die die Nachricht vom Tod ihrer Mutter während der Mission erhält.
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Pietro, der sich um den Taifun sorgt, da er mit einem philippinischen Fischer und seiner Familie befreundet ist. „Unsere Leben hier sind unbeschreiblich banal und bedeutsam zugleich. Monoton und gleichzeitig noch nie dagewesen. Wir sind wichtig und völlig unwichtig“
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Die Perspektiven:
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S. 123:“ Aus ihrer Perspektive ist der Einfluss der Politik so offensichtlich, (…….) Langsam erkennen sie die Politik des Hungers, …..des Wachstum und Erwerbs….. (….) Der Planet ist von der schier unglaublichen Kraft des menschlichen Verlangens geformt, die alles verändert hat : Die Wälder, die Pole, die Wasserspeicher, die Gletscher die Flüsse die Meere die Berge, die Küstenlinien, die Himmel, (…..).“
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„“Willkommen im Spiegellabyrinth des menschlichen Lebens.“ Angeregt durch die Frage, um wen es auf der Postkarte von Velázquez’ Las Meninas, die Pietro bei sich trägt, eigentlich geht und wer hier wen betrachtet, entscheidet sich Pietro für den Hund. …. „Ein Tier, umgeben von der Wunderlichkeit der Menschen(….)..mit ihren Posen, seltsamen Manschetten und Rüschen, den Spiegeln. (…) all die Wege die sie finden keine Tiere zu sein“(….) gefangen in einem Netz aus Eitelkeiten“. Philosophie der Evolution, in der wir glauben, wir sind die großartigen geniale Wesen. 😉
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Gespräch Shaun / Pietro: S. 172
„Shaun: in dieser neuen Ära der Raumfahrt, wie schreiben wir die Zukunft der Menschheit?
Die Zukunft der Menschheit? fragt Pietro.
Jep. Wie schreiben wir sie?
Mit dem vergoldeten Füller von Milliardären würde ich sagen. „
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S.175: „Mehr steckt nicht hinter dem großen menschlichen Streben, den Weltraum zu erkunden, denkt er. Tiere, die auf der Suche nach neuem Lebensraum auf Wanderung gehen.“(……)„Vielleicht sind wir die neuen Dinosaurier und müssen uns in Acht nehmen.“
- nur schön: S.174: „wie schreiben wir die Zukunft der Menschheit? Wir schreiben gar nichts, sie schreibt uns. Wir sind vom Wind aufgewirbeltes Laub. Wir denken, wir wären der Wind, aber wir sind nur die Blätter“.
Fazit:
Als Protagonistin wurde von uns die Erde „gekürt“. ;-)
In fast jedem Satz spürt man die Verbundenheit und Empathie der Autorin mit der Erde.
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